Ein bäumiges Dorf

Sommer- und Winterlinde, Tulpenbaum, Blutbuche, Mädchenhaarbaum, Trauerweide: Das sind nur einige Baumarten, die in Goldach wachsen und sorgfältig gepflegt werden. Dies soll auch so bleiben. Auch dank der Schutzverordnung.

Marianne Bargagna
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Schützenswert: Mächtige Platanen an der Chogenaustrasse vis-à-vis des Badi-Parkplatzes. (Bild: Rudolf Hirtl)

Schützenswert: Mächtige Platanen an der Chogenaustrasse vis-à-vis des Badi-Parkplatzes. (Bild: Rudolf Hirtl)

GOLDACH. Auch in Goldach wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Aber sie wachsen und gedeihen. Und zwar in grosser Anzahl. Viele von ihnen sind schützens- und erhaltenswert. Das stellte eine Arbeitsgruppe fest, die sich im Rahmen der Überarbeitung der Ortsplanung und damit der Schutzverordnung mit Bäumen und Baumgruppen beschäftigte. Das stellte aber auch der Gemeinderat auf einem Rundgang fest. «Es hat unheimlich viele Bäume», sagt Gemeindepräsident Thomas Würth und fügt gleich an: «Den Grundeigentümern gebührt dafür ein Kompliment.» Denn, dass es so viele schöne Bäume gebe, sei auf eine gute Pflege zurückzuführen. Ähnliches sagt Landschaftsarchitekt Martin Klauser, der in der Arbeitsgruppe für die Bäume zuständig war: «Goldach ist sehr gut durchgrünt. Da gibt es offensichtlich ein grosses Verständnis für Bäume, von Seiten der Besitzer ebenso wie von Seiten der Nachbarn.»

Liste wird länger

Vor drei Jahren begannen die Arbeiten für die Revision der Ortsplanung. Bestandteil davon ist die Schutzverordnung, in der nebst dem Kulturschutz auch der Landschafts- und Naturschutz geregelt ist. Die letzte Schutzverordnung ist seit Juli 1998 in Kraft. Darin aufgelistet sind auch etwa 40 Einzelbäume und knapp 20 Baumgruppen. Die neue Liste dürfte wesentlich länger sein. Martin Klauser weiss warum. Weil ein Grossteil der Bäume, die bis anhin als Baumgruppe erfasst waren, neu als Einzelobjekte taxiert würden. Nach einem ersten Rundgang hatte Klauser etwa 800 Bäume, Baumgruppen und Alleen inventarisiert. Als schützenswert schlug die Arbeitsgruppe etwa 300 Objekte vor. Nach einer zweiten Lesung waren's dann noch ungefähr 180, die als schützenswert eingestuft wurden. Der Gemeinderat wird im Detail bestimmen, welches Objekt schützenswert bezeichnet wird.

Eine Aufnahme in der Schutzverordnung ist für den Gemeindepräsidenten wie für den Landschaftsarchitekten einerseits eine Auszeichnung für eine gute Pflege und einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz. Anderseits bringe diese Würde aber auch die Verpflichtung mit sich, den Baum zu erhalten. Würth sagt, dass es auch Ausnahmen gebe. Dann zum Beispiel, wenn «sich ein gewichtiges, das Interesse an der Erhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt», wie es in der Schutzverordnung heisst. Dort wird aber auch festgehalten, dass «in der Regel Realersatz zu leisten» ist.

Schön, aber zeitaufwendig

Martin Klauser war lange unterwegs, schritt mit offenen Augen für markante und seltene Bäume Goldacher Strassen entlang, die er vorher nicht gekannt hatte. Rückblickend sagt er: «Es war eine schöne, aber zeitaufwendige Arbeit.» Er besah sich die in Frage kommenden Bäume, «aber immer nur vom öffentlichen Raum aus». Nie habe er privates Grundeigentum betreten, sagt er und fügt lachend hinzu: «Vor allem auch wegen der Hunde.» Und dann wieder ernst: «Schützenswerte Bäume müssen vom öffentlichen Raum aus als markant erkennbar sein.» Apropos öffentlicher Raum: Als schützenswert werden nicht nur Bäume auf privatem, sondern auch auf öffentlichem Grund eingestuft. So zum Beispiel Bäume, die entlang des Sees stehen und im alten Inventar noch nicht erwähnt sind.

Wie weiter?

Die Arbeitsgruppe, welcher der Goldacher Bauverwalter Ralf Gerschwiler vorsteht, hat ihre Arbeit so weit abgeschlossen. Jetzt liegt der Ball beim Gemeinderat. Er bestimmt letztlich, welcher Baum, welche Baumgruppe, welche Allee in der Schutzverordnung aufgenommen wird. «Dann werden wir jeden einzelnen Besitzer informieren», sagt Thomas Würth. Voraussichtlich werde es auch eine öffentliche Information geben, denn die Schutzverordnung soll kein Produkt sein, das im stillen Kämmerlein erarbeitet wurde. Thomas Würth stellt zudem in Aussicht, dass die Schutzverordnung Ende dieses, Anfang des nächsten Jahres öffentlich aufgelegt werden kann. Gemeindepräsident Würth erwartet Einsprachen, «das ist normal». Trotzdem werde es wohl kaum so lange dauern wie bei der heutigen Verordnung, bis sie in Kraft gesetzt werden kann. Die heute gültige Verordnung wurde Ende 1988 erlassen, aber erst gut zehn Jahre später in Kraft gesetzt.