Ein Bach kommt ans Tageslicht

Die Stadt will den eingedolten Weidweierbach im Tal der Demut renaturieren. Noch diesen Winter sollen die Arbeiten beginnen. Dass es so weit gekommen ist, schreibt sich der Naturschutzverein auf die eigene Fahne.

Elisabeth Reisp
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Eine Wiese mit einer Vertiefung, die durch einen natürlichen Wall begrenzt wird, viel mehr ist vom Weidweierbach im Tal der Demut nicht zu sehen. Nächsten Sommer schon soll dort aber ein Bächlein über Steine plätschern, gesäumt von Sträuchern und Blumen. Dass es endlich so weit ist, dafür musste der Naturschutzverein der Stadt St. Gallen und Umgebung «viel Druck aufsetzen», sagt Robert Schmid, Präsident des Vereins.

Der Naturschutzverein wollte den eingedolten Bach der Natur zuliebe renaturieren – Hochwasserschutz spielte in diesem Fall keine Rolle, dieser ist dort bereits gegeben. Im Sinne einer Anstossfinanzierung hatte der Verein eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. «Auch haben wir für das Projekt einen Unterstützungsbeitrag von 50 000 Franken gesprochen», sagt Schmid. Er ist überzeugt, dass ohne den Druck des Vereins die Renaturierung des Weidweierbaches noch lange kein Thema geworden wäre.

Fussweg akzeptiert

Der Bach verläuft grösstenteils unterirdisch durch das Tal der Demut. Zwischen der Schiessanlage Weiherweid und der Gewerbeschule wird er auf einer Länge von 400 Metern offengelegt. Damit Fussgänger von der Strasse direkt zum südlich des Baches gelegenen Wald gelangen, wird ein Fussweg durch das Tal angelegt. Über eine Furt erreichen Spaziergänger die andere Seite. Mit dem Fussweg durch das Gebiet ist der Naturschutzverein gemäss Schmid «nicht gerade glücklich», man könne sich aber nicht gegen alles sträuben.

Der neue Bach verläuft mäandernd in der Mitte der Geländemulde. Im alsbald natürlichen Bach- und Uferbereich werden Nischen, Hohlräume und Vertiefungen Lebensräume für Tiere bieten. Mit welchen Vertretern von Flora und Fauna zu rechnen ist, kann Robert Schmid nicht abschätzen. «Wir lassen der Natur freien Lauf und uns überraschen.»

Statt Weideland, Pflegeauftrag

Betroffen von der Offenlegung ist eine landwirtschaftlich bewirtschaftete Parzelle der Stadt. Einen Teil darf der Pächter weiter bewirtschaften. Vorgesehen ist, dass er auch das renaturierte Stück pflegen wird. «Dafür müssen aber noch Details ausgehandelt werden», sagt Projektleiter Daniel Schläpfer, verantwortlich für Wasserbau in der Stadt. Man habe bewusst darauf verzichtet, die Pflege dem Gartenbauamt zu überlassen. «Das Ufer soll naturnah bleiben, daher wird nicht zu stark eingegriffen.»

Schonzeiten respektieren

Seit Montag liegt das Projekt nun für 30 Tage öffentlich auf. Werden keine Einsprachen erhoben – was zu erwarten ist –, könnte noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. Es bedarf gemäss Schläpfer allerdings noch Absprachen mit dem Kantonalen Jagd- und Fischereiamt: Für Fische und Amphibien gebe es Schonzeiten, zu denen Bauarbeiten am Wasser nicht erlaubt sind. Wenn die Bauarbeiten aber starten, sollten sie in drei Monaten durchgeführt werden können, sagt Schläpfer. Bedingung sei allerdings trockenes Wetter – «ansonsten macht man mit den schweren Fahrzeugen mehr kaputt».

Fast eine halbe Million

Die Kosten für das gesamte Projekt beziffert die Stadt auf 400 000 Franken. Darin enthalten sind gemäss Schläpfer Aufwertungsarbeiten im ganzen Gebiet. «Der Waldrand wird zusätzlich aufgewertet, und es werden Trockenstandorte geschaffen.» Subventioniert wird das Projekt mit 240 000 Franken durch den Kanton, der Naturschutzverein steuert 50 000 Franken bei, die verbleibenden Kosten von 110 000 Franken trägt die Stadt.

Blick auf die Stadt St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Blick auf die Stadt St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))