Ein Aufwand, der sich lohnt

Géraldine Brot, Präsidentin des Boxclubs St. Gallen, leitet die Organisation der Schweizer Amateurmeisterschaft vom Wochenende in St. Gallen. Sie freut sich über einen Box-Aufschwung – und Fussballer, die im Training vorbeischauen.

Nicolas Ledergerber
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Als Organisatorin der Schweizer Meisterschaften ist Géraldine Brot bereit, die Herausforderungen zu bewältigen. (Bild: Urs Bucher)

Als Organisatorin der Schweizer Meisterschaften ist Géraldine Brot bereit, die Herausforderungen zu bewältigen. (Bild: Urs Bucher)

BOXEN. Kein Mitglied des Boxclubs St. Gallen hat sich für die Schweizer Meisterschaft vor eigenem Publikum qualifiziert. Der 38jährige Benjamin Rittlinger, der am vergangenen Wochenende als einziges Vereinsmitglied an den Ausscheidungskämpfen in Thun teilnahm, unterlag dort dem Berner Michael Kurmann.

Der Wettkampf findet alljährlich statt, dieses Jahr in der Alten Kreuzbleichehalle in St. Gallen. Zuletzt war die Schweizer Meisterschaft 2011 in der Gallusstadt zu Gast. Wie schon vor vier Jahren leitet Géraldine Brot als Präsidentin des Boxclubs St. Gallen die Organisation auch in diesem Jahr – und wendet viel Freizeit dafür auf. «Seit vergangenem Sommer gibt es täglich etwas zu tun. Bewilligungen, Übernachtungen, logistische Aufgaben – da kommt einiges zusammen», so Brot.

Finanzielle Herausforderung

Die Arbeit, welche die helfenden Hände verrichten, ist ehrenamtlich. Für die Durchführung einer Schweizer Meisterschaft kommen Kosten von rund 10 000 Franken zusammen – hauptsächlich getragen vom organisierenden Boxclub. «Wir finanzieren uns durch Sponsoren und durch die eigene Clubkasse», sagt Brot. «Beispielsweise unterstützen uns Sport-Toto und das St. Galler Sportamt.» Dass die finanzielle Sicherheit auf unsicheren Beinen steht, ist mitunter ein Grund, weshalb nicht alle Schweizer Boxclubs einen solchen Anlass stemmen können. «Meistens richten Vereine aus Bern oder Zürich die Meisterschaft aus. Kleinere Clubs gehen dieses Risiko lieber nicht ein», sagt die 41-Jährige, die seit sieben Jahren Vereinspräsidentin ist.

Fussballer kommen jedes Jahr

Das Ziel ist unmissverständlich: «Wir wollen der Bevölkerung den Boxsport näher bringen. Die Leute sollen die Sportart erleben und einen Einblick erhalten», sagt Brot. In ihrem Verein sprechen die Mitgliederzahlen für sich. «Der Zulauf wird stärker. Boxen erfreut sich immer grösserer Beliebtheit.» Auch wenn für viele nicht die Kämpfe im Vordergrund stehen. «Wir erleben einen regelrechten Run, denn viele wollen das Boxen nutzen, um fit zu bleiben», so Brot. Neben Privatpersonen nutzen diverse Sportvereine die Möglichkeiten eines Boxtrainings. «Jedes Jahr kommen Fussballer, Eishockeyspieler oder andere Athleten während der Saisonpause zu uns ins Training; einzelne Sportler oder auch ganze Clubs. Allein für den Januar und Februar sind wir fast komplett ausgebucht.»

Konkurrenz mit den anderen zwei Boxclubs der Stadt verspürt Brot nicht. «Es ist nicht so, dass wir uns die Leute gegenseitig abwerben. An den hohen Mitgliederzahlen zeigt sich, dass es drei Clubs braucht», sagt sie.

Obwohl kein Boxer vom eigenen Club antritt, soll die Schweizer Meisterschaft ein Erfolg werden. Organisatorin Brot sagt: «Wir hoffen, dass die Leute Interesse zeigen und am Wochenende vorbeischauen.» Als einziger städtischer Vertreter kämpft der 21jährige Sava Kostic vom Sport Ring St. Gallen. Er hatte sich bei den Ausscheidungskämpfen gegen Leonardo da Silva vom Boxclub Solothurn durchgesetzt.