Ein absoluter Einzelfall

Eine psychisch belastete Frau hat am Freitag Urnengräber im Ostfriedhof beschädigt. Gemäss dem Leiter des Gartenbauamts ist dies ein absoluter Einzelfall. Den Toten werde in St. Gallen Respekt gezollt.

Kathrin Reimann
Drucken
Teilen
Am Freitag sind Urnengräber im Ostfriedhof beschädigt worden. (Bild: Kathrin Reimann)

Am Freitag sind Urnengräber im Ostfriedhof beschädigt worden. (Bild: Kathrin Reimann)

Es muss ein ungewöhnlicher Anblick für die Polizeipatrouille gewesen sein, die am späten Freitagabend am Bohl auf eine 28jährige Frau mit einer Urne und einer Giesskanne in den Händen stiess. Die psychisch belastete Frau hatte zuvor auf dem Ostfriedhof drei Urnengräber beschädigt und eine Urne mitgenommen.

Klauen, aber kein Vandalismus

Laut Christoph Bücheler, Leiter des Gartenbauamts, ist dieser Vorfall ein absoluter Einzelfall: «Wir haben in den letzten 15 bis 20 Jahren weder Vandalismus noch Beschädigungen auf den städtischen Friedhöfen festgestellt – den Toten wird glücklicherweise der nötige Respekt gezollt.» Es könne allerdings vorkommen, dass Blumen oder Vasen geklaut werden, dahinter steckten aber meistens Menschen mit Problemen. «Vor 24 Jahren wurden auf dem jüdischen Friedhof Gräber besprayt, und es wurden auch schon Grabsteine umgeworfen – solche Taten werden in der ganzen Schweiz hie und da begangen.»

Aufgrund des Vorfalls im Ostfriedhof werde man keine Massnahmen ergreifen. «Es war ein Einzelfall, und es wäre eine Kalberei, etwas zu unternehmen.» Denn Friedhöfe müssten frei zugänglich bleiben, und eine Überwachung wäre gar nicht möglich. «Unsere Mitarbeiter haben aber immer die Augen offen, wenn sie auf Friedhöfen im Einsatz sind», sagt Bücheler.

Unangenehm für Angehörige

Die Familien der betroffenen Urnengräber waren über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. «Angesichts der Tatsache, dass die Frau belastet war, haben sie mit einem gewissen Verständnis reagiert», sagt Bertrand Hug von der Kantonspolizei St. Gallen. Und gemäss Bücheler war der Schaden an den Urnengräbern gering. «Für die Angehörigen ist es trotzdem sehr unangenehm, wenn die Urne eines verstorbenen Familienmitglieds auf diese Weise wegkommt.»

Aktuelle Nachrichten