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Ein Abend ganz ohne Männer

Eigentlich ist der Internationale Frauentag ein politischer Anlass. Längst ist er aber dem Kommerz in die Hände gefallen, wie der letzte Mittwochabend zwischen Lesung, Schminktisch und Prosecco-Stand im «Rösslitor» bewies.
Nina Rudnicki
Dreht sich die Sache der Frau im Kreis oder zeichnet sich eine Aufwärtsspirale ab? Am Frauentag gehörte die Buchhandlung Rösslitor den Frauen. (Bild: Michaela Rohrer)

Dreht sich die Sache der Frau im Kreis oder zeichnet sich eine Aufwärtsspirale ab? Am Frauentag gehörte die Buchhandlung Rösslitor den Frauen. (Bild: Michaela Rohrer)

Die Nacht der Frau in der Buchhandlung Rösslitor ist fast zu Ende. Jede Besucherin bekommt noch einen Geschenksack, gefüllt mit einer Mascara, einem Knuspermüesli und der Frauenzeitschrift Annabelle in die Hand gedrückt. Wer in dem Magazin blättert, merkt schnell, worum es an dem Internationalen Frauentag geht. In einem Interview spricht die britische Schauspielerin Helen Mirren über den Feminismus in Hollywood. In einem weiteren Text erzählt die Amerikanerin Kathrine Switzer, wie sie in den 1960er-Jahren dafür kämpfte, dass Frauen endlich an Marathons mitlaufen dürfen. Und dann gibt es noch ein Porträt der amerikanische Schriftstellerin und Autorin Erica Jong, die mit dem Sex-Skandalroman «Angst vorm Fliegen» 1973 zur Ikone des Feminismus wurde. Es wird klar: Ausgekämpft ist nie und bis zur Gleichberechtigung noch ein langer Weg. Kein Wunder also, dass auch Buchhandlungen auf das Dauerthema aufspringen, um einen Abend lang ein volles Ladenlokal zu haben.

Mit Lust und Liebe

Wenig überraschend ist allerdings, dass es sich im «Rösslitor» an diesem Abend nicht um eine kritische und kämpferisch-konspirative Versammlung handelt, sondern um ein Verwöhnprogramm für Frauen. Es gibt eine Schminkecke, Tische mit Liebesromanen und Kochbüchern sowie ein philosophisches Gruppenspiel im Untergeschoss. Dort liegen auf dem Boden verteilt Kärtchen mit Fragen rund um die Weiblichkeit. «Was ist Weiblichkeit? Wohin führt Weiblichkeit? Wie bleibt Weiblichkeit?», heisst es darauf unter anderem. Nun müssen die Frauen in Gruppen aufgeteilt spontan sieben Wörter aufschreiben, die ihnen dazu einfallen. Danach laufen alle Gruppen durch den Raum und legen bunte Punkte auf jene Wörter, die ihnen am treffendsten erscheinen. Am Ende gilt es aus den übriggebliebenen Wörtern Sätze zu bilden und über die Gewinneraussagen abzustimmen. Zu der Frage «Was ist Weiblichkeit?» lautet der Siegersatz «Die Geburt von Sensibilität und Empathie». Und als Antwort auf «Wie bleibt Weiblichkeit?» finden die Teilnehmerinnen «Mit Lust und Liebe sich selbst bleiben» am besten.

«Das ist total unrealistisch», sagt eine Teilnehmerin nach dem Spiel etwas genervt. «Alle haben nur positive Worte hingelegt, total unkritisch.» Sie selbst hat für ihr Wort «Unterschätzung» auf die Frage «Wohin führt Weiblichkeit?» nur einen Punkt bekommen. «Dabei müssen wir Frauen uns die ganze Zeit rechtfertigen», sagt sie. Wenn sie als Ärztin auch nur kurz das Wort Kinder oder Teilzeitarbeit in den Mund nehme, werde sie «von meinen Chefs oder Arbeitskollegen schief angeschaut. Aber das können wir Frauen ja gut, ja keine Kritik äussern.» Tatsächlich ist es sehr einseitig, welche Worte den Teilnehmerinnen spontan zu Weiblichkeit einfallen. Lust, Liebe, Schönheit, Busen, Kreativität, Flexibilität: Das sind die Worte, die auf den Kärtchen dominieren. Nach Intelligenz, Karriere, Zielstrebigkeit oder Durchsetzungsvermögen hingegen schaut man sich vergebens um.

Frustriert am Schminktisch

Ob Zufall oder nicht, nach dem Spiel treffen sich einige Frauen aus der Verlierergruppe zufällig in der Schlange vor dem Schminktisch wieder. «Hier treffen sich jetzt also die Frustrierten», scherzt eine Frau. «Oder vielleicht weil wir vom Spiel ausgepowert sind», ergänzt eine andere. Auf alle Fälle habe sie jetzt nur noch den Wunsch, frisch und vital auszusehen.

Und so scheint der Abend für das «Rösslitor» aufzugehen: Wunderschön gestylt verlassen die Frauen kurz vor 22 Uhr das Geschäft. Einige nicht, ohne zuvor noch an der Kasse anzustehen. So sind es DVDs, Bestseller und Kochbücher, die jetzt zur späten Stunde noch über den Ladentisch gehen.

Nach dem anregenden philosophischen Frauen-Gruppenspiel, der Krimilesung der Zürcher Autorin Mitra Devi, dem kleinen Konzert der Frauenband Eibisch sowie nach einigen Gläsern Prosecco kauft es sich eben einfach viel entspannter und positiver ein.

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