EIDGENÖSSISCHES 2025: Es stiebt schon vor dem Anschwingen

St.Gallen und Glarus möchten 2025 das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest durchführen. Zehn St.Galler Gemeinden ennet dem Ricken sind für Glarus als Austragungsort. Ausgerechnet der St.Galler Kantonsratspräsident ist Geschäftsführer der Abweichler.

Daniel Wirth
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Schlussgang am Eidgenössischen 2016 in Estavayer. Armon Orlik (unten) verliert gegen Matthias Glarner. (Bild: Keystone)

Schlussgang am Eidgenössischen 2016 in Estavayer. Armon Orlik (unten) verliert gegen Matthias Glarner. (Bild: Keystone)

Alle 15 Jahre kommt der Nordostschweizerische Schwingerverband (NOSV) in die Kränze und darf ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest durchführen. 2010 war Frauenfeld an der Reihe. Um die Durchführung im Jahr 2025 buhlen Glarus, Schaffhausen und St.Gallen. Den Entscheid, wo in acht Jahren das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ausgetragen wird, trifft die Delegiertenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes im Mai 2021; das sind rund 250 aktive und passive Schwinger sowie eine stattliche Zahl Ehrenmitglieder. Bis zum Vergabeentscheid dauert es noch eine ganze Weile, doch im Kanton St.Gallen wird bereits Sägemehl aufgewirbelt.

Für die Bewerbung um die Durchführung des Eidgenössischen auf dem Breitfeld in St.Gallen hat sich der Verein «ESAF SG 2025» gebildet. Dieser wird präsidiert von Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach und Präsident der SVP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat. Die St.Galler Kantonsregierung hat dem Verein 150000 Franken aus dem Sport-Toto-Fonds zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie durch die Fachhochschule St.Gallen gesprochen. Sie bestimmte Bildungsdirektor Stefan Kölliker als Schirmherr der Bewerbung um die Durchführung des Eidgenössischen 2025 in St.Gallen. «Es ist ein Ziel der St.Galler Regierung, vermehrt sportliche Grossanlässe wie Welt- oder Europameisterschaften oder eben ein Eidgenössisches in die Ostschweiz oder den Kanton St.Gallen zu holen», sagt Kölliker. Damit dies gelinge, sei man auf die Unterstützung breiter Kreise aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und vor allem auf den Support aller Regionen angewiesen. «Die St.Galler Regierung unterstützt daher ja auch die Olympischen Winterspiele in Graubünden und stellt bestehende Infrastrukturen wie das Eishockeystadion in Rapperswil-Jona als Durchführungsstätte in Aussicht», sagt der St.Galler Bildungs- und Sportminister. Er bedauere, dass sich gewichtige Exponenten im Kanton nicht hinter das gemeinsame Ziel stellten.

Das Linthgebiet kehrt St.Gallen den Rücken zu
Nicht hinter das gemeinsame Ziel stellt sich die Region Zürichsee-Linth (RZL), in der zehn Gemeinden (Amden, Benken, Eschenbach, Gommiswald, Kaltbrunn, Rapperswil-Jona, Schänis, Schmerikon, Uznach, Weesen) organisiert sind. Der Kaltbrunner Gemeindepräsident Markus Schwizer sagte vergangenen Herbst an der Landsitzung der St.Galler Kantonsregierung ohne Umschweife, dass die Region Zürichsee-Linth mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Kandidatur Glarus unterstützen werde. Das kam bei Regierungsrat Stefan Kölliker nicht gut an.

Brisanz erhält dieser Hosenlupf, weil mit Peter Göldi der gegenwärtig «höchste St.Galler» Teil der RZL ist. Der CVP-Politiker ist Kantonsratspräsident. Er sagt, sportliche Grossanlässe wie das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest trügen mit einer starken medialen Präsenz und mit einem beträchtlichen wirtschaftlichen Umsatz in vielen Branchen zur Wertschöpfung und Tourismusförderung einer ganzen Region bei. Der Kanton St.Gallen könne davon profitieren, unabhängig davon, ob die Veranstaltung in St.Gallen oder im Linthgebiet, in Mollis, stattfinde. Das Fest ziehe in der Regel über 100000 Besucher an. Diese übernachteten in einem weiteren Umkreis um den Veranstaltungsort, was so oder so zu vielen Logiernächten im Kanton St.Gallen und angrenzenden Gebieten führe. Richte man den Blick aufs Ganze, so sei es für den Kanton St.Gallen daher auf jeden Fall ein Gewinn, worüber er sich als Kantonsratspräsident natürlich nur freuen könne. Insofern ergänzten sich seine beiden Funktionen in Sachen Schwingfest in idealer Weise. Dass er zwei Hüte auf dem Kopf hat, findet Göldi daher auch nicht brisant. Zudem sei die Vergabe für das ESAF 2025 kein politischer Entscheid. Eine Tatsache ist: Die Region Zürichsee-Linth hat dem Verein, der das Eidgenössische nach Mollis holen will, einen Beitrag von 50000 Franken zugesichert.

Michael Götte findet es schade, dass sich nicht der ganze Kanton hinter die Bewerbung St.Gallens ums Eidgenössische stellt, so wie das die Kantonsregierung tut. Er fände es gescheiter, wenn alle Regionen im Kanton ihre Kräfte bündelten und sich hinter die Kandidatur St.Gallen stellten.

Landsgemeinde soll 2,2 Millionen bewilligen
Im Spätherbst vergangenen Jahres fand eine Aussprache statt zwischen Vertretern der St.Galler Schwingfest-Supporter und Vertretern der Region Zürichsee-Linth. Dabei seien die jeweiligen Positionen dargelegt worden, sagt Peter Göldi. Michael Götte sieht das gleich. Den St.Galler SVP-Politiker stört besonders, dass die Gemeindepräsidenten im Linthgebiet sich bei jeder Gelegenheit medial für ein Eidgenössisches in Glarus einsetzten. Am 7. Mai stimmt die Glarner Landsgemeinde über Beiträge für ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest in Mollis ab. Zum einen soll dem Verein «Kandidatur ESAF 2025 Glarus+» ein Beitrag von 200000 Franken gesprochen werden. Erhielte Mollis 2021 den Zuschlag, soll sich der Kanton mit 1,3 Millionen Franken an den Kosten für die Austragung beteiligen. Als drittes stimmt die Landsgemeinde über eine Defizitgarantie von 700000 Franken bei einer Durchführung ab.