Ehrgeiziger politischer Fahrplan

Die Vorbereitungsphase für das Stadtsanktgaller Geothermieprojekt steht unmittelbar vor dem Abschluss. Nachdem die Eckdaten für das 159-Millionen-Vorhaben definiert sind, haben nach den Sommerferien die Politik und danach das Volk das Wort.

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Die Vorbereitungsphase für das Stadtsanktgaller Geothermieprojekt steht unmittelbar vor dem Abschluss. Nachdem die Eckdaten für das 159-Millionen-Vorhaben definiert sind, haben nach den Sommerferien die Politik und danach das Volk das Wort.

Ehrgeizig, aber «realistisch»

Der Fahrplan für den politischen Entscheidungsprozess ist angesichts der Grösse des Brockens ziemlich ehrgeizig.

Nachdem Stadtrat, parlamentarische Werkkommission wie auch die Bevölkerung in der Vorbereitungsphase ständig auf dem laufenden gehalten worden seien, sei er aber doch realistisch, hielt der zuständige Stadtrat Fredy Brunner gestern auf eine entsprechende Medienfrage fest.

Am 3. August soll die Vorlage für das Geothermieprojekt vom Stadtrat beraten und verabschiedet werden. Bereits drei Wochen später, am 24. August, soll das Parlament das Geschäft behandeln. Geschieht dies, könnte es dem städtischen Stimmvolk am 28.

November unterbreitet werden. Zu entscheiden haben Politik und Volk über einen Rahmenkredit von 159 Millionen Franken. Darin enthalten ist allerdings neben den Bohrungen und dem Bau des Geothermie-Heizkraftwerks auch der Ausbau der Fernwärme.

Keine 100prozentige Sicherheit

Die Abstimmungsvorlage sei ein Grundsatzentscheid für oder gegen das Pionierprojekt Geothermie, hielt Fredy Brunner fest.

Trotz der umfangreichen Vorabklärungen und aller Indizien, die für die Machbarkeit des Vorhabens sprächen, gebe es ein gewisses Restrisiko. Das sei aber nicht anders als bei früheren Entscheiden für Zukunftsprojekte wie den Bau der Eisenbahn oder von Stauseen. 100prozentige Sicherheit dafür, dass man im Sittertobel auf heisses Wasser stossen werde, gebe es einfach nicht. Die Wahrscheinlichkeit sei aber sehr hoch.

Das Risiko eines Scheiterns sei tragbar, betonte Fredy Brunner. Im schlimmsten Fall rechnet er mit einem Abschreiber von 15 bis 20 Millionen. Tritt dieser ein, könnten die Stadtwerke dies angesichts ihrer Reserven verkraften. Wünschenswert sei das keinesfalls, weil das Geld für andere Vorhaben auf die hohe Kante gelegt worden sei und danach für diese fehlen würden. Diese Ausgangslage gebe aber zusätzliche Sicherheit, hiess es gestern.

«Nichts tun ist auch ein Risiko»

In die Risikoabwägung müssten aber auch noch andere Überlegungen einfliessen, gab Stadtrat Fredy Brunner zu bedenken. Insbesondere müsse man die Risiken beachten, die die Stadt eingehe, wenn sie keinen substanziellen Schritt zur Förderung erneuerbarer Energien tue. Die Konsequenzen daraus könnten nämlich langfristig gravierend sein. (vre)