Ehetherapie für ein Kolumnistenpaar

Eine Ehe bietet für beide Beteiligten bekanntlich nicht nur glückliche Momente, sondern auch Zündstoff. Das Autorenpaar Sybil Schreiber und Steven Schneider verpackt alltägliche Banalitäten aus seinem Beziehungs- und Familienleben bereits seit 15 Jahren in Kolumnen, in denen Selbstironie Trumpf ist.

Stefan Feuerstein
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Sybil Schreiber und Steven Schneider trugen ihre Ehekonflikte, das Thema ihrer Kolumnen, am Donnerstag im Werk 1 vor Publikum aus. (Bild: Michel Canonica)

Sybil Schreiber und Steven Schneider trugen ihre Ehekonflikte, das Thema ihrer Kolumnen, am Donnerstag im Werk 1 vor Publikum aus. (Bild: Michel Canonica)

Dass der Spass in dieser Ehe auch ausserhalb der Kolumnen nicht zu kurz kommt, wird im Gespräch mit den beiden schnell klar. «Wir beschreiben immer eine Situation aus zwei Blickwinkeln», erklärt Schneider und setzt mit einem süffisanten Grinsen hinzu: «Häufig beschreibt sie zuerst aus ihrer Sicht. Danach stelle ich die Situation dann richtig.»

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Was bei anderen Paaren zu Problemen führen kann, gilt bei Schreiber und Schneider als eine Quelle der Inspiration. «Im Streit ging Steven schon einfach davon und setzte unseren Dialog in einer Kolumne um. <Was für eine Frechheit>, dachte ich im ersten Moment», erzählt Sybil Schreiber. Dass es weniger frech als gezielt kreativ war, wird jedoch schnell klar, als Schneider zu schwärmen beginnt: «In solchen Momenten hat sie einfach sehr gute Sätze parat, Sybil streitet sozusagen druckreif. Und da ich vergesslich bin, musste ich ihre Worte einfach gleich festhalten.»

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Als das Autorenpaar vor rund 15 Jahren mit dem gemeinsamen Schreiben von Kolumnen begann, wohnten beide noch in Single-Haushalten in Zürich. Mittlerweile haben sie sieben Bücher veröffentlicht, zwei Töchter im Teenageralter und leben im Aargau auf dem Land. Obwohl der Humor in den Kolumnen der gleiche geblieben sei, habe sich die Kolumne thematisch mit ihnen weiterentwickelt. «Die Themen passen sich dem Entwicklungsstand unserer Familie an. Von einzelnen Wohnungen über Babystress bis hin zur Einschulung, die Kolumne wächst mit uns», sagt Steven Schneider, woraufhin seine Frau lachend antwortet: «Wir sind älter geworden, dicker und haben auch weniger Haare – also zumindest Steven. Das verändert natürlich auch die Kolumnen.»

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Mit ihrem neuesten Programm «Spesen einer Ehe» waren Schreiber und Schneider am vergangenen Donnerstag im Werk 1 in Gossau zu Gast, das den Anlass gemeinsam mit der Stadtbibliothek organisierte. Bei der Dinnerlesung vor rund 100 Zuhörern sorgten die beiden Autoren mit ihren verschiedenen Blickwinkeln auf Alltägliches aus ihrem Familienleben für viel Gelächter und ausgiebigen Applaus. «Es ist immer wieder schön, positive Feedbacks von den Zuhörern zu erhalten. Sie lachen zu hören macht grossen Spass», so Schreiber.

Auch nach rund 300 Lesungen waren Schreiber und Schneider vor dem Auftritt vom Donnerstag noch nervös. «Es ist immer wieder speziell, vor Leuten aufzutreten. Wir haben diesbezüglich keine professionelle Ausbildung, etwas Aufregung ist also immer dabei», erklärt die Kolumnistin. Dass die beiden vor Lesungen jeweils kribbelig seien, habe jedoch auch einen grossen Vorteil. «Diese Aufregung wirkt ein wenig wie Prosecco und macht wach.»

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Nach längerer Zeit traten Schreiber und Schneider bei ihrer Lesung im Werk 1 erstmals wieder in der Ostschweiz auf. «Wir lesen dort, wo man uns hören will. Da wir keinen Agenten haben, sondern direkt angefragt werden, steuern wir das auch nicht», so Schneider. Doch wie es der Zufall will, werden die beiden Autoren in den kommenden Monaten gleich mehrmals in der Ostschweiz live zu erleben sein. Am Donnerstag, 12. März, findet eine Lesung im Saal des Restaurants Sonnental in Andwil statt, in der zweiten Jahreshälfte folgen dann Auftritte in Uzwil sowie Wattwil.