Egoistisch, gegen Pflegeheim zu sein

Pflegezentrum wird Gerichtsfall Ausgabe vom 5. November 2015

Drucken
Teilen

«Dann erst hat die Grösse eines Menschen Bestand und Grund, wenn alle von ihm überzeugt sind, er sei nicht über ihnen, sondern für sie.» Ein Zitat des Philosophen Seneca, das mich einmal mehr nachdenklich stimmt, weil es doch immer wieder jene gibt, die über den anderen stehen und nicht für sie. Überheblich, egoistisch und eigennützig würde ich diese Charaktere nennen. Menschen, die nur an sich selbst denken, dabei aber ein wesentliches Detail ausblenden, nämlich, dass wir schliesslich alle gleich sind.

Die Rede ist hier von den drei Rekurrenten, die sich mit allen Mitteln gegen das Wohn- und Pflegezentrum in Mörschwil wehren, das in diesem Jahr hätte eingeweiht werden sollen. Ich weiss nicht, wer sie sind, bin mir aber fast sicher, dass es die nähere Nachbarschaft genau weiss; in meinen Augen voll peinlich. Wie egoistisch muss man sein, bis man gegen eine soziale Einrichtung für die Allgemeinheit ist? Denken diese Menschen, sie würden über allem stehen und niemals in Situationen kommen, wo die anderen unter ihnen hinkommen?

Behinderung, Alter, Abhängigkeit in allen Belangen: Tatsache ist, dass diese unschönen Dinge auch bei denen, die oben zu stehen meinen, nicht Halt machen. Auch sie werden alt, das wollen sie ja auch, es kommt aber nicht immer so, wie man möchte. Also müssen sie nehmen, was kommt, auch die unschönen Begleiterscheinungen des Alterns. Es kommt manchmal schneller als man denkt. Behinderung bei der Geburt, ein Unfall, einfach ein kleines bisschen Glück, das einen verlässt, führt dazu, dass man abhängig wird, nicht nur der direkt Betroffene, sondern auch die nächsten Angehörigen, Eltern, Partner usw.

Denken die drei Einsprecher wirklich, ihnen werde nie so etwas geschehen? Würden sie es toll finden, wenn sie in einer Zeit der Abhängigkeit weg müssten aus der näheren Umgebung? Weg von den Wegen, die man noch einigermassen selbständig zurücklegen kann, weg von den vertrauten Leuten, die man auf diesen Wegen noch treffen kann? Weg in die Stadt, in die weitere Agglomeration? Ja, ist den Einsprechern das egal? Nun, dann denken sie noch nicht einmal an ihre nächsten Angehörigen. Denn die sollen sie ja dann besuchen, was ja ein Leichtes wäre, wenn es im gleichen Dorf wäre, wo man wohnt.

Doch da gibt es ja jetzt kein Pflegeheim. Ich kenne drei Fälle von alten Leuten, die gehofft haben, hier im Dorf ihren Lebensabend verbringen zu können. Leider ist daraus nichts geworden. Traurig, aber wahr. So gebe ich den Einsprechern zum Schluss noch ein weiteres Zitat von Seneca mit auf den Weg: «Ein Zwerg wird nicht grösser, auch wenn er sich auf einen Berg stellt.»

Moni Meier, Taan 364, 9402 Mörschwil