Eglise française ist 330 Jahre alt

1685 gründeten St. Galler Kaufleute die Eglise française und reagierten damit auf die vielen hugenottischen Flüchtlinge. 330 Jahre später existiert die französische Kirche immer noch – und wird bis heute von der Industrie- und Handelskammer unterstützt.

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In der Kirche St. Mangen wird regelmässig auf Französisch gepredigt. (Archivbild: Michel Canonica)

In der Kirche St. Mangen wird regelmässig auf Französisch gepredigt. (Archivbild: Michel Canonica)

Übermorgen Sonntag, 1. November, feiert die St. Galler Eglise française ihr 330jähriges Bestehen. Begangen wird das Jubiläum mit einem zweisprachigen Festgottesdienst um 10 Uhr in der Kirche St. Mangen. Pfarrer Frank Jehle wird in Deutsch und Pasteur Simone Brandt in Französisch die Predigt halten. Anschliessend lädt die Eglise française zum Apéro, an dem Dorothe Römer, eine Nachfahrin des ersten französischen Pfarrers in St. Gallen, eine Ansprache hält.

Kaufleute gründeten Kirche

Mit dem Widerruf des «Edict de Nantes» im Oktober 1685 wurden Protestanten ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte beraubt. Zwischen 170 000 und 200 000 Hugenotten flüchteten aus Frankreich. Daraufhin gründeten St. Galler Kaufleute im November jenen Jahres die französische Kirche für die Flüchtlinge.

Isaac Suchier, der schon zwei Jahre zuvor aus Frankreich geflüchtet war, wurde zum ersten Pfarrer der Kirche ernannt. Die St. Galler Kaufleute, die während dieser Zeit Handelsbeziehungen zu französischen Städten pflegten, beauftragten den Hugenottenpfarrer, wöchentliche Predigten in der Kirche St. Katharinen abzuhalten. Viele Kaufleute beherrschten die Sprache ebenfalls, weshalb sie zusammen mit den Flüchtlingen die Gottesdienste besuchten. Bis heute unterstützt die Industrie- und Handelskammer St. Gallen die französische Kirche.

Regelmässige Gottesdienste

Auch französische Gottesdienste werden bis heute regelmässig abgehalten. Sie finden jeweils am Sonntagmorgen um 10 Uhr in der Kirche St. Mangen statt. Am ersten Sonntag des Monats finden keine Gottesdienste statt. Der kommende Sonntag mit dem Jubiläumsgottesdienst bildet eine Ausnahme. «Es nehmen sowohl Leute an den Gottesdiensten teil, die Französisch als Muttersprache haben, als auch solche, die die Sprache mögen», sagt Vorstandsmitglied Paul Strasser. (pd/ruf)