EGGERSRIET: «Ich bin kein Künstler»

Jürg Hänsenberger unterrichtete 40 Jahre lang an der Primarschule in Eggersriet. Seit diesem Sommer ist er pensioniert. Für eine Ausstellung kehrt der Aquarellist aber nochmals zurück.

Marlen Hämmerli
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Jürg Hänsenberger hält eines seiner Bilder vom Bodensee. Diesen malt er am liebsten. (Bild: Ralph Ribi)

Jürg Hänsenberger hält eines seiner Bilder vom Bodensee. Diesen malt er am liebsten. (Bild: Ralph Ribi)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Morgen Freitag feiert seine Ausstellung «Bodenseebilder» Vernissage. Doch Jürg Hänsenberger will sich nicht Künstler nennen. Er sei eher ein «Hobbyaquarellist». Noch immer lerne er Neues, sagt der 64-Jährige. «Zudem ist es nicht meine Absicht, Kunstwerke zu schaffen, sondern mir selbst Freude zu bereiten.»

Der Arboner malt vor allem zur Entspannung. So sei er vor zwölf Jahren auch zum Aquarellieren gekommen: «Ich hatte damals einige hektische Hobbys, etwa Fussball- oder Tennisspielen.» Für den Ausgleich habe das aber nicht gereicht: «Ich merkte, mein Körper braucht etwas Ruhigeres.» Spontan meldete sich Hänsenberger deshalb für einen Aquarellkurs in der Toskana an und merkte: «Diese lockere, transparente Malweise ist das, was ich brauche.»

Im Wanderrucksack ist das Aquarellzeug immer dabei

Heute packt Hänsenberger bei jeder Wanderung Skizzenblock, Malkasten und Pinsel in den Rucksack. «Statt die Berge zu fotografieren, setze ich mich für eine halbe Stunde hin und male sie.» Es gebe nichts Schöneres, als die Landschaft in sich aufzusaugen, die Stille zu geniessen und ein Bild zu malen. Dadurch bleibe sie auch viel besser in Erinnerung. «Um eine Gegend malen zu können, muss man sie erst beobachten», sagt Hänsenberger. «Man muss sie mit allen Sinnen, nicht nur mit den Augen, wahrnehmen.»

Am liebsten malt der Pensionär aber nicht die Berge, sondern den See. «Wer am Bodensee aufgewachsen ist, den lässt er nie mehr los», sagt der gebürtige Rorschacher. Vor allem fasziniere ihn am See dessen Weite und das Licht: «In der Schweiz habe ich sonst nirgends solch ein Gefühl von Weite. In einem Tobel oder Bergkessel fühle ich mich eher eingezwängt.» Absolut unglaublich sei ausserdem, wie sich das Licht und damit die Stimmung verändere. «Nur die Berge bieten eine ähnliche Vielfalt.»

Die Schüler radieren mehr, als dass sie malen

Das Aquarellieren und Beobachten brachte der pensionierte Primarlehrer auch seinen Schülern bei. Während 40 Jahren unterrichtete Jürg Hänsenberger in Eggersriet die Mittelstufe. Als Aquarellist sei es sehr spannend zu sehen, was mit Kindern möglich sei. «Im Alter von zehn bis zwölf Jahren haben Kinder natürlicherweise den Drang, alles perfekt darzustellen.» Statt frei zu zeichnen, würden sie ständig zum Radiergummi greifen. Mit dem Aquarellieren könne dem entgegengewirkt werden. «Ich sagte meinen Schülern oft: Wir gestalten keine Fotos, sondern Kunstwerke», sagt Hänsenberger. Vor allem habe er bei den Kindern aber die Freude fürs Gestalten wecken wollen. Um zu malen, ging er mit seinen Klassen auch nach draussen, zum Beispiel auf die Eggersrieter Höhe. Erst beobachteten sie nur: Wo ist es hell, wo dunkel? «Plötzlich bemerkt man ganz viele Details.» So wirke etwa Morgenlicht eher gelb und Abendlicht eher orange. «Kinder sehen solche Dinge und die Ergebnisse beim Malen sind erstaunlich.»

Seine Erfahrungen beim Aquarellieren mit Kindern möchte Hänsenberger nun mit anderen Lehrkräften teilen. Ein Lehrmittel zu diesem Thema ist geplant. «Diese Idee habe ich seit langem im Kopf», sagt er und schmunzelt: «Man braucht im Leben schliesslich Ziele.»

Vernissage Bodenseebilder

Morgen Freitag, 19 Uhr,

Gemeindehaus Eggersriet;

Ausstellung bis 23. März 2018