EGGERSRIET: Dieses Haus ist alt und hässlich

Das Primarschulhaus ist in einem bedenklichen Zustand. Es zu sanieren, kommt für die Behörden nicht mehr in Frage. Sie haben eine andere Lösung, für die sie aber ein Ass ausspielen müssen.

Sebastian Schneider
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Keine durchbruchsicheren Fenster: Das Schulhaus in Eggersriet hat bald ausgedient. (Bild: Benjamin Manser)

Keine durchbruchsicheren Fenster: Das Schulhaus in Eggersriet hat bald ausgedient. (Bild: Benjamin Manser)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Das alte Haus von Rocky Docky aus dem beliebten Schülerlied mag zwar noch älter und noch hässlicher sein. Dennoch könnte man die Verse durchaus dem Primarschulhaus in Eggersriet widmen. Im Korridor klaffen Löcher in den Holzwänden, auf den ­Toiletten gibt es kaum Licht, die Elektrizität und die Heizungen sind veraltet. Wandschränke in den Klassenzimmern gehen reihenweise kaputt, teils weisen die Böden Löcher auf. Die Isolation ist so schlecht, dass die Hitze in den Klassenzimmern des Obergeschosses kaum noch entweicht. Für den Schulrat Eggersriet-Grub SG ist von daher klar: Das Schulhaus muss so bald als möglich durch einen Neubau ersetzt werden. Wie und weshalb man zu diesem Schluss kam, erklärten die Verantwortlichen am Donnerstagabend an einem Infoanlass. Das «Warum» stehe im Mittelpunkt des Abends, sagte dann auch Schulratspräsident ­Lukas Beck vor über 50 erschienenen Bürgerinnen und Bürgern.

Platz im Kindergarten genügt nicht mehr

Der Schulrat liess das Bauwerk aus dem Jahre 1971 durch das Rheinecker Architekturbüro RLC gründlich prüfen. Der Befund der Fachleute wurde am Abend präsentiert. Viel Positives gab es nicht zu berichten, was bereits die Bilder in der Präsentation bewiesen. Um noch deutlicher zu demonstrieren, wie es um das alte Schulhaus steht, luden die Verantwortlichen zu einem Rundgang. Dabei zeigte sich ­beispielsweise, dass der Brandschutz bedenklich ist: Hinter dem Server in einer Holzkammer befindet sich das Papierlager. Die Lüftungsrohre sind nicht feuerfest verkleidet. Punkto Sicherheit entspreche das Schulhaus nicht mehr den heutigen Vorschriften, wurde mehrmals betont. Auch die Scheiben seien nicht durchbruchsicher.

Der Kindergarten macht den Schulräten ebenfalls Sorgen. Da er aus allen Nähten platze, müsse den rund 50 Kindern mit einem Provisorium geholfen werden. «Hier führt kein Weg vorbei: Wir müssen den Kindergarten mit einem Neubau ersetzen», sagte Lukas Beck.

Der Gemeindepräsident hat bereits gerechnet

Natürlich habe man sich Gedanken in alle Richtungen gemacht. So hat das Fachbüro auch die Kosten für eine Gesamtsanierung der Schulanlage überschlagen. Mit 13,5 Millionen Franken dürfte diese um eine Millionen Franken teurer zu stehen kommen als ein Ersatzbau.

«Und wo bitte wollt ihr das neue Schulhaus bauen?», fragte ein Bürger in der Schlussrunde des Infoabends. «Auf der Wiese da vorne», hiess die Antwort. Tatsächlich besitzt die Politische Gemeinde Land auf der «Heimat», einer grossen, zentral gelegenen Wiese wenige Meter vor der Heidenerstrasse. «Und das Land hier können wir verkaufen. Hier könnten Wohnungen entstehen», sagte Gemeindepräsident Roger Hochreutener, der während des Rundgangs dazugestossen war. Aus finanzieller Sicht hat er kaum Bedenken, wie er am Abend klarmachte: «Mit dem Verkauf dieses Bodens und anderen Landabtauschen nehmen wir so viel Geld ein, dass die Kosten für ein neues Schulhaus beachtlich gesenkt werden können.» Man habe den Standort auf der «Heimat» bereits während der Überarbeitung des Richtplans angeschaut. «Die Idee ist ganz im Sinne der inneren Verdichtung, und die Erschliessung ist kein Problem.» Das Ganze sei eine grosse Chance für das Dorf, heisst es von beiden Räten. Man sei unabhängig voneinander zum selben Schluss gekommen. Doch nun gilt es nicht nur, Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern auch viel Zeit in die Detailplanung zu investieren. «Wir stehen noch ganz am Anfang», sagte Schulratspräsident Lukas Beck. Im nächsten Jahr sollte es zur Abstimmung über einen Projektierungskredit kommen. Bis das neue Schulhaus aber steht, wird es noch länger dauern: «Wir rechnen mit vier bis sechs Jahren, was allerdings ein ehrgeiziger Zeitplan ist.»