Egger-Brot und Füger-Zopf

Ein Dorf, zwei Bäckereien, 3500 Einwohner: Eigentlich nichts Aussergewöhnliches. In Mörschwil stehen sich die Bäckereien Füger und Egger jedoch praktisch gegenüber.

Manuel Rudolf
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Die Bäckerei Egger wurde 1902 gegründet. (Bild: Ralph Ribi)

Die Bäckerei Egger wurde 1902 gegründet. (Bild: Ralph Ribi)

mörschwil. Den Nussgipfel und das Brot beim Egger, die Erdbeertorte und den Butterzopf beim Füger: Etwa so sieht bei manchem Mörschwiler, bei mancher Mörschwilerin die Einkaufsliste aus. Denn die zwei Bäckereien ergänzen sich, zumal beide schon seit Generationen zum Dorfbild gehören.

Keine Bäckerei ist gleich

Wer kauft wo ein? «Unsere Kundschaft ist weder politisch noch konfessionell aufgeteilt», sagt Albin Egger, Besitzer der gleichnamigen Bäckerei. Da jede Bäckerei gewisse Spezialitäten hat, Produkte, die sie besonders gut herstellt, statten jeweils viele Leute beiden Bäckereien einen Besuch ab. Bei ihm sei diese Spezialität klar die berüchtigten «Mörschwiler Grüess», sagt Albin Egger. Ihn freue es jeweils, wenn er jemanden sehe, der zuoberst in einer Volg-Einkaufstasche noch ein Produkt von ihm liege habe. «Das zeigt, dass die Leute trotz des wechselnden Konsumverhaltens immer noch Freude an Produkten vom Detailhandel haben.»

Auch Helen Füger, welche zusammen mit ihrem Mann Beda die gleichnamige Bäckerei leitet, meint: «Einige Mörschwiler haben entweder die Bäckerei Füger oder Egger als Favorit, viele kaufen jeweils in beiden ein.»

Neutral bis kühl

Obwohl die zwei Bäckereien kaum 100 Meter voneinander entfernt sind, hat jeder seine eigenen Spezialitäten und eine treue Kundschaft. Beide Bäckereien kommen gut aneinander vorbei, das Konkurrenzverhalten bleibt jedoch auch hier nicht aus. Trotzdem sagt Helen Füger: «Wir tun einander nichts zuleide und wir sind auch nicht im Streit, es hat schliesslich jeder zu leben.» Auch Egger betont, dass das Verhältnis zwischen den Bäckereien neutral sei, manchmal auch etwas kühl. Die Bäckerei Egger ist ein kleiner Betrieb, welcher jedoch viel wert darauf legt, alle seine Produkte aus eigener Hand herzustellen. Die Bäckerei Füger hat in der vergangenen Zeit ziemlich ausgebaut und besitzt neben dem Restaurant Ochsen in Mörschwil noch eine Filiale in Rorschach.

Historische Bäckereien

Die Bäckerei Füger ist ein Familienbetrieb in der fünften Generation. Auch die Bäckerei Egger hat eine lange Geschichte: Im Jahre 1902 kaufte der Grossvater von Albin Egger die Bäckerei aus dem Konkurs. «Damals war Mörschwil noch ein Bauerndorf», sagt Albin Egger. Seither hat sich vieles verändert. Manches hat er jedoch von der «Egger'schen Tradition» bewahrt: Wie zum Beispiel den Mandelfisch, welcher eine Spezialität seines Grossvaters gewesen sei, oder den Hauslieferdienst, welcher hierzulande zunehmend zur Seltenheit wird. «Als Kind war ich oft mit meinem Vater unterwegs, wenn dieser die Leute zu Hause mit Brot belieferte.» Diese Tradition wolle er nicht aufgeben, auch wenn es heutzutage eine Dienstleistung ist.

Gehören zum Dorf

Obwohl Albin Egger bereits über 60 Jahre alt ist, hat er noch nichts von seiner Vitalität verloren. Unermüdlich arbeitet er jeweils für die Zufriedenheit seiner Kunden. Kommende Woche wird er Kindergärtler durch die Backstube führen und die Schule während der Sonderwoche mit Backwaren beliefern. Die Familie Füger hat für die Zukunft ihrer Bäckerei vorgesorgt. So sind neben Helen und Beda Füger auch alle vier Söhne im Geschäft involviert. Egger und Füger sind sich aber einig: Beide Bäckereien habe es in Mörschwil schon immer gegeben und beide gehörten einfach zum Dorf.

Die Bäckerei Füger existiert schon seit fünf Generationen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Bäckerei Füger existiert schon seit fünf Generationen. (Bild: Ralph Ribi)

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