Durst macht misstrauisch

Es sind durstige Zeiten bei diesen sommerlichen Temperaturen. Drei Deziliter Getränk vermögen den Durst kaum zu löschen. Am St. Galler Kulturfestival scheinen vielleicht deshalb die Trinkgefässe viel zu klein zu sein.

Christa Kamm-Sager
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Es sind durstige Zeiten bei diesen sommerlichen Temperaturen. Drei Deziliter Getränk vermögen den Durst kaum zu löschen. Am St. Galler Kulturfestival scheinen vielleicht deshalb die Trinkgefässe viel zu klein zu sein. Die Mehrwegbecher aus Kunststoff fassen zwar genau drei Deziliter bis zur eingezeichneten Marke – doch die eigene Schätzung würde das nie vermuten, es scheint fast eine optische Täuschung. Der Becher sorgt denn auch nicht selten für Gesprächsstoff, sagt auch Ernst Brunner, Geschäftsführer der Cygnet GmbH in Niederwil, welche die Becher in der Schweiz vertreibt. «Passen da wirklich drei Deziliter rein?», wurde der Vertreiber der Becher schon mehrmals gefragt.

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Mit dieser Frage konfrontiert lassen Kulturfestival-Organisator Lukas Hofstetter und Ernst Brunner nichts anbrennen. Zusammen mit der Redaktion wird der Inhalt des Gefässes mit Hilfe verschiedener Messbecher genau gemessen – und siehe da, es passen tatsächlich drei Deziliter in das Gefäss. Aber mehr nicht: Bis zum oberen Rand bleibt grad noch ein knapper Zentimeter Luft. Kaum Platz für etwas Bierschaum.

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Der für St. Gallen, Wil und Gossau zuständige Eichmeister Hansueli Spälti befasst sich täglich mit Fragen nach dem richtigen Mass. «Es gibt tatsächlich immer wieder Fälle, wo die angegebenen Daten nicht stimmen. Wir staunen aber manchmal, wie lange es geht, bis so etwas gemerkt wird», sagt er und erinnert sich an den «Mozzarella-Fall»: «Es gab einen Hersteller, bei dem sich monatelang zu wenig Mozzarella in der Packung befand, bevor das jemand bemerkte.»

Müsste er diesen fraglichen Becher jetzt eichen, würde er mehrere Dutzend davon genau nachmessen. Hat jemand den Verdacht, dass ein Mass nicht stimme, könne man mit dem Eichmeister Kontakt aufnehmen und den Fall vorbringen.

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Wenn in einen 0,3-Liter-Becher Eiswürfel zum Getränk zugegeben werden, sei das legitim, so Spälti. Man könne aber darauf bestehen, dass der Becher zuerst bis zur Marke gefüllt werde und die Eiswürfel nachher zugegeben würden. Wie es sich beim Schaum, der sich beim Einschenken von Bier oder Cola bildet, verhält, sei rechtlich nicht ganz genau geklärt. Heissgetränke, Frucht- und Gemüsesäfte, die als Suppenersatz gereicht werden, Misch- und Mixgetränke und auch mit Eis vermischte Getränke müssen nicht in geeichten Gefässen aufgetischt werden. Wer es genau wissen möchte, wie viel er trinkt, bringt am besten seinen eigenen, geeichten Messbecher mit.