Durch und durch gestylt

Die Kommunikationsberaterin Beatrice Tschanz Kramel sprach gestern im Schloss Oberberg über «Kommunikation – wenn's schwierig wird». Normalerweise hält sie keine Referate mehr. Für die Gossauer machte sie eine Ausnahme.

Rita Bolt
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Beatrice Tschanz: Die Kommunikationsberaterin ist nach wie vor für Referate gefragt. Gestern sprach sie bei der HIG. (Bild: Michel Canonica)

Beatrice Tschanz: Die Kommunikationsberaterin ist nach wie vor für Referate gefragt. Gestern sprach sie bei der HIG. (Bild: Michel Canonica)

«Nach 450 Referaten kann ich mich selber nicht mehr hören», sagt Beatrice Tschanz vor ihrem Auftritt bei der Handels- und Industrievereinigung (HIG) und trinkt ihren Kaffee. Sie habe den Termin schon vor einem Jahr abgemacht und sich im vergangenen Herbst entschlossen, keine Referate mehr zu halten. «Sehen Sie, jedes Referat zieht zehn Anfragen nach sich», erklärt die 66-Jährige. Sie arbeite nicht mehr 150, sondern nur noch 70 bis 80 Prozent. Sie habe noch Verwaltungsratsmandate und sei Hausfrau.

«Ich war am Morgen schon einkaufen. Lässig gewesen», sagt sie. Speziell erwähnt sie ihre Tätigkeit für die Krebsliga, die am 29. Mai das 100jährige Bestehen mit einem Sternmarsch und einer Kundgebung in Bern feiert. Der Bundespräsidentin soll eine Resolution übergeben werden. Gefordert wird, dass Krebspatienten oder Menschen, die eine Chemotherapie hinter sich haben, besser am Arbeitsplatz integriert werden.

Sie sei seit fünf Jahren Botschafterin der Krebsliga, sagt Beatrice Tschanz, die ihren ersten Mann durch Krebs verloren hat.

Gesunder Menschenverstand

Die Kommunikationsberaterin hat genügend Zeit eingeplant für ein Interview vor ihrem offiziellen Auftritt bei der HIG. Sie sei oft und gerne in der Ostschweiz, antwortet sie auf eine entsprechende Frage. Die Ostschweizer seien bodenständig und verfügten über gesunden Menschenverstand. Das spüre sie im Umgang mit den Thurgauern und St.

Gallern. Es gebe viele Unternehmerpersönlichkeiten und gesunde Unternehmen. Sie verrät auch, dass Einkaufen im Akris-Fabrikladen für sie ein Shopping-Highlight in St. Gallen und dass sie am Mittwoch ja schon wieder in der Ostschweiz eingeladen sei, und zwar bei Thurgauer Unternehmern am Bodensee. Nein, ein Referat halte sie nicht.

Einfache, ehrliche Botschaft

Vor den Gossauern hält sie aber eines. Da steht sie in einem hellbraunen Lederjupe, kombiniert mit einer Nadelstreifen-Jacke, perfekt gestylt. Auch das Referat ist perfekt durchdacht. Sie spreche hochdeutsch, dann sei sie disziplinierter, sagt Beatrice Tschanz. Nur selten wirft sie einen Blick auf das Manuskript. «Kommunikation ist ein seriöses Handwerk.

» Man müsse sich überlegen, welche Botschaft vermittelt werden solle, wie sie ankomme und welches Feedback sie auslösen werde. Die Botschaften sollen einfach, klar, transparent und glaubwürdig sein. Vor allem Männer neigten dazu, sich kompliziert auszudrücken. Bundesrat Merz beispielsweise sei ein Mann, der es gut machen wolle, aber ununterbrochen rede und ununterbrochen alles erkläre. Beatrice Tschanz rät, dann etwas zu sagen, wenn es etwas zu sagen gebe. Es sei einfach, Gutes zu kommunizieren.

Schlechte Nachrichten gut zu kommunizieren, sei hingegen schwierig. Die Kommunikationsfachfrau sprach über das erfolgreiche Krisenmanagement nach dem Flugzeugabsturz in Halifax oder dem Hüftgelenk-Debakel der Sulzer Medica in den USA. Diese Ereignisse haben Beatrice Tschanz in der Öffentlichkeit bekanntgemacht. Sie spricht, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sagt, dass Juristen Kommunikationsverhinderer, dass SMS und E-Mails als Kommunikationsmittel Schmarren seien und dass Männer die emotionale Kommunikation fürchteten wie der Teufel das Weihwasser.

Frauen seien hingegen Kommunikationstalente: Sie könnten zuhören, hinterfragen, sich in andere hineinfühlen. Für ihr Referat bekam sie viel Applaus von den vorwiegend männlichen Zuhörern.