Durch Höhen und Tiefen singen

Seit 150 Jahren ist in der Kirche Bruggen regelmässig der Martins-Chor zu hören. Mit Jahrgang 1862 gehört er zu den ältesten Kirchenchören des Bistums St. Gallen überhaupt. Morgen nachmittag lädt er zu einer Feierstunde ein.

Claudia Schmid
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Proben fürs Jubiläum: Der Martins-Chor feiert morgen in der Kirche Bruggen sein 150jähriges Bestehen. (Bild: Michel Canonica)

Proben fürs Jubiläum: Der Martins-Chor feiert morgen in der Kirche Bruggen sein 150jähriges Bestehen. (Bild: Michel Canonica)

«Singen und Musizieren sind nebst dem Wort und den Symbolhandlungen das dritte wichtige Tun in der Liturgie», schreibt Hans Ricklin, der als ehemaliger Pfarrer von St. Martin-Bruggen eine kleine Broschüre zum 150-Jahr-Jubiläum verfasst hat. Der Kirchenchor verschönere deshalb nicht nur den Gottesdienst, sondern sei vielmehr wesentlicher Teil der Liturgie. «Dieser Aufgabe kam der Chor in allen Höhen und Tiefen, die er erlebte, stets nach.»

Auch Nichtkatholiken

Beim Lesen der Jubiläumsbroschüre zeigt sich, dass der Chor in der Tat eine wechselvolle Geschichte erlebt hat. «Blütezeiten und Krisen prägten das Bild, oft beeinflusst oder ausgelöst durch kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen», erklärt Chorleiter Hans Göldi. Er steht den rund 30 Sängerinnen und Sängern seit 30 Jahren vor.

Gründungstag des Vereins ist der 13. November 1862. Nebst ökumenischer Offenheit liege in der Niederlassungsfreiheit – die mit der Gründung des Kantons St. Gallen gewährt wurde – der Grund dafür, dass der Kirchenchor St. Martin von Anfang an auch immer Nichtkatholiken zu seinen Mitgliedern gezählt habe, heisst es in der Geschichte.

Most auf der Empore

Hans Ricklin erzählt in der Jubiläumsbroschüre auch Reminiszenzen vom musikalischen Wirken des Chors. Ein besonders anstrengender Tag sei jeweils Fronleichnam gewesen: Am Vormittag Mitwirkung bei der Prozession und der Messe, am Nachmittag Singen in der Vesper. «Deshalb ist es an diesem Tag Brauch, während der Prozession für jedes Chormitglied einen Krug Most oder Wein mit Bürli auf die Empore zu stellen. Dieser Brauch erhält sich bis in die Neunzigerjahre des 19. Jahrhunderts.»

Zu den Auftritten des Martins-Chors gehören auch in neuerer Zeit die unterschiedlichsten Feierlichkeiten: Primizen, Verabschiedungen und Begrüssungen der Pfarrer, ökumenische Gottesdienste, Singen in anderen Pfarreien, im Pflegeheim St. Otmar, an Hochzeiten oder Beerdigungen, an Mai-Andachten und Vespern. Aber auch für «weltliche» Anlässe wurde er schon oft aufgeboten. So beteiligte er sich an allgemeinen Sängertagen, an Eröffnungen wie jener des Haggen-Bahnhofes oder der Ganggelibrugg, an Neujahrsbegrüssungen der Kirchenverwaltung, Pfarreiversammlungen und sogar an Fasnachtsanlässen.

Feierstunde zum Jubiläum

Das 150-Jahr-Jubiläum begeht der Martins-Chor St. Gallen-Bruggen morgen Sonntag, 17 Uhr, mit einer Feierstunde in der Kirche St. Martin-Bruggen. Dazu lädt der Chor zusammen mit Gästen ein. Zu diesen gehören das Ensemble des Collegium Vocale der Dom-Musik, Suzanne Chappuis (Sopran), Willy Schmidlin (Bass), ein Orchester ad hoc und Imelda Natter an der Orgel. Zur Aufführung kommen die Sinfonia in D-Dur von Johann Sebastian Bach, die Laudate pueri von Giovanni Battista Pergolesi, Te Deum von Marc-Antoine Charpentier und Grand Chœur in D-Dur von Alexandre Guilmant.