Durch digitale Muster blättern

Das Textilmuseum St. Gallen hat sieben von über 2500 Musterbüchern digital erfasst. Die ausgewählten Exemplare aus dem 19. und 20. Jahrhundert zeigen ein breites Spektrum von Haute Couture bis Massenware.

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Die Bücher zeigen einerseits Haute Couture.

Die Bücher zeigen einerseits Haute Couture.

Eine aufwendige und langwierige Angelegenheit sei es gewesen, die hochempfindlichen Musterbücher zu digitalisieren. «Doch der Aufwand hat sich gelohnt und Besucher wie Mitarbeiter sind vom neuen Angebot begeistert», sagt Silvia Gross vom Textilmuseum St. Gallen. Sieben Musterbücher können neuerdings am Monitor durchgeblättert werden. In der Bibliothek sind zudem zwei originale Musterbücher ausgestellt, die den haptischen Eindruck dazu vermitteln sollen. Informationen zu den Herstellern und ein Glossar der Fachbegriffe ergänzen das Angebot, welches in der Bibliothek des Textilmuseums zu finden ist.

Luxus- und Massenware

In dieser lagern über 2500 Bücher mit mehr als zwei Millionen Stoffmustern. «Viele sind in einem fragilen Zustand und werden deshalb verwahrt», sagt Museumsdirektorin Michaela Reichel. Bei der Auswahl der Bücher die digitalisiert wurden, sei darauf geachtet worden, dass sie ein breites Produktionsspektrum abdecken. Dieses reicht von opulenten Stickereien aus der Zeit um 1900 über schlichte Weissstickereien bis hin zu Seidengewebe einer unbekannten Firma. «Wir zeigen neben Luxusartikeln auch schlichte Massenware – beide Bereiche waren für die Schweizer Textilindustrie gleich wichtig», sagt Reichel. «Denn Musterbücher geben einerseits einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Mode. Sie zeigen andererseits auch, wie die Textilindustrie auf Krisen reagierte und die Produktion anpasste.» In fast jeder Ausstellung im Textilmuseum sind einige der Bücher zu sehen. Die meisten füllen jedoch die Regale der Textilbibliothek und sind nur für Recherchearbeiten zugänglich.

Muster von der Konkurrenz

Die Textilunternehmen sammelten über Jahre Stoffmuster aus eigener Herstellung, aber auch die der Konkurrenz, und stellten diese zu sogenannten Musterbüchern zusammen. Diese dienten sowohl als Firmenarchiv wie auch als Inspirationsquelle für nachfolgende Designergenerationen. Bevor die Bücher ans Museum gelangten, waren sie über viele Jahre in regem Gebrauch und dienten als Vorlage für neue Produkte der unter hohem Innovationsdruck stehenden Textilbranche. (kar)

Öffnungszeiten Bibliothek im Textilmuseum: Mittwoch bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr

Andererseits wird auch Massenware gezeigt. (Bilder: pd)

Andererseits wird auch Massenware gezeigt. (Bilder: pd)

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