DUFTCOCKTAIL: Eine teuflisch stinkende Schönheit

Im Tropenhaus des Botanischen Gartens St. Gallen stinkt’s derzeit ziemlich übel. Ursache dafür ist die Teufelszunge. Sie lockt mit dem penetranten Geruch ihrer Blüten Insekten an, die sie bestäuben sollen.

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Die «Stinkpflanze»: Teufelszungen im Tropenhaus des Botanischen Gartens St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Die «Stinkpflanze»: Teufelszungen im Tropenhaus des Botanischen Gartens St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Im Tropenhaus des Botanischen Gartens blüht es das ganze Jahr über in voller Pracht. Auch jetzt im Februar. Allerdings merkt man dies im Moment auf ungewöhnliche Art und Weise. Betritt man den hintersten Teil des Tropenhauses, steigt einem ein sonderbarer Geruch in die Nase. Etwas versteckt in einer Ecke blühen seit einigen Tagen rund zwanzig Teufelszungen (Amorphophallus konjac). Und die Blüten dieses Aronstabgewächses verbreiten einen penetranten Aasgeruch.

«Die Teufelszunge blüht einmal im Jahr für etwa eine Woche», sagt Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens. Während dieser Zeit stinke sie nach verrottetem Fleisch. Im Gegensatz zu Menschen mögen Fliegen und andere Insekten diesen Geruch. Er zieht sie sogar magisch an. Die Insekten kämen so zur Pflanze, legten ihre Eier auf die Blüten ab und bestäubten sie dabei. Dank dieses Tricks könne sich die Teufelszunge vermehren und Jahr für Jahr erneut blühen. Die Fliegen- und Insektenlarven hingegen verhungern auf der Pflanze, da sie dort keine Nahrung finden.

Bis zu einem Meter hohe Blüten

Der Botanische Garten beherbergt die Teufelszunge seit bald 20 Jahren. Ursprünglich komme sie aus den Monsungebieten im ostasiatischen Raum, sagt Hanspeter Schumacher. Dort fängt sie am Ende der Trockenzeit – dann ist in der Schweiz Winter – an zu blühen. Die Blüten können bis zu einem Meter hoch werden. Da nicht alle Teufelszungen gleichzeitig blühen, kann sich der Gestank unter Umständen noch bis Mitte März im Tropenhaus halten. Danach sollten aber alle Teufelszungen ausgeblüht sein.

Wer eine speziell empfindliche Nase hat, sollte also mit dem Besuch des Tropenhauses noch etwas zuwarten. Derzeit ist aber auch im Freiland des Botanischen Gartens bereits einiges los: Dort sind jetzt die frühblühenden Pflanzen zu bestaunen. Darunter sind gemäss Hanspeter Schumacher beispielsweise die Zaubernuss, der Krokus oder die Maiglöckchen.

 

Eva Ammann

eva.ammann@tagblatt.ch