Duell Frei – Jans mit Störung

Bei der Ersatzwahl in den Stadtrat vom 30. November wird der Zweikampf zwischen Barbara Frei (FDP) und Peter Jans (SP) vom parteilosen This Bürge gestört. Mehr nicht. Von Daniel Wirth

Daniel Wirth
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In letzter Minute ist der parteilose This Bürge auf das Kandidatenkarussell für die Ersatzwahl in den Stadtrat aufgesprungen. Aus dem Duell zwischen den beiden valablen Kandidierenden Barbara Frei von der FDP und Peter Jans von der SP ist ein Dreikampf geworden – ein vermeintlicher. Denn der parteilose This Bürge hat keine Chance. Auch wenn er selbst seine Chance auf eine Wahl für «intakt» hält, wie er erklärte.

This Bürge wohnt seit 30 Jahren im Guggeien-Quartier. Doch weiter als einen Kilometer vom Ostfriedhof entfernt kennen ihn die Wählerinnen und Wähler kaum; das ist vielleicht etwas zugespitzt formuliert, doch Bürge ist den meisten St. Gallerinnen und St. Gallern wenig bekannt. Bürge hat ein ganz, ganz schmales Wahlkampfbugdet, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Das ist eine ganz, ganz schlechte Voraussetzung. Der parteilose Markus Buschor, der vor zwei Jahren in den Stadtrat gewählt wurde, hatte einen vermögenden St. Galler im Rücken, der ihm im Wahlkampf geholfen haben soll. Dass mit Buschor bereits ein Parteiloser im Stadtrat mitregiert, gedeiht Bürge auch zum Nachteil. Wären die Freisinnige Barbara Frei und der Sozialdemokrat Peter Jans die einzigen Kandidierenden geblieben – die Wahl wäre am 30. November mit grosser Wahrscheinlichkeit im ersten Wahlgang entschieden worden. Die Ausmarchung wird wohl eine enge; weder Kreisgerichtspräsident Jans noch Ärztin Frei können mit einem Spaziergang ins Rathaus rechnen. Das wissen beide. Sie werden einen aufwendigen und kostenintensiven Wahlkampf führen müssen, um zu reüssieren. Beide buhlen darum auch schon früh um Stimmen; beide sind aktiv.

Je näher Peter Jans und Barbara Frei am 30. November beim Stimmenanteil beieinander liegen, desto weniger Stimmen muss Bürge für einen zweiten Wahlgang auf sich vereinen. Mit This Bürges Kandidatur ist die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Wahlgangs marginal gestiegen. Sehr gross ist diese indessen noch immer nicht.

Die Ersatzwahl in den Stadtrat wird nötig, weil Fredy Brunner (FDP) im März 2015 zurücktreten wird. Die FDP, die mit Thomas Scheitlin den Stadtpräsidenten stellt, will den Sitz Brunners mit Frei verteidigen. Zwei Freisinnige im fünfköpfigen Stadtrat – das stellte im Verhältnis zum Wähleranteil der FDP bei den Parlamentswahlen 2012 eine Übervertretung dar. Die Freisinnigen holten 15,23 Prozent Parteistimmen. SP und Juso holten 26,11 Prozent – und haben seit 2012 niemanden mehr im Stadtrat.

Klar: Wahlen in die Stadtregierung sind Majorzwahlen oder sogenannte Kopfwahlen. Bisher konnte die FDP ihre rechnerische Übervertretung halten, weil sie zwei überdurchschnittlich starke Persönlichkeiten stellte. Nun hat die SP die Chance, sich wieder im Stadtrat zu etablieren. Auch weil es im Elektorat bürgerliche Wähler gibt, die die stärkste Kraft im Stadtrat haben wollen.

daniel.wirth@tagblatt.ch