Drogengelder gewaschen

Fünfeinhalb Jahre Haft muss ein Nigerianer verbüssen, der sich als Kokainhändler betätigt hat. Er hat laut Anklageschrift 172 000 Franken Erlös aus dem Drogenverkauf ins Ausland geschafft.

Claudia Schmid
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Der Asylbewerber aus Nigeria stand diese Woche vor dem Kreisgericht St. Gallen. Zunächst ging es darum, die Identität des Mannes festzustellen. Er gab an, ein anderer zu sein, als es die Untersuchungsbehörde vermutet. Die Verwechslung komme daher, weil er mit den Papieren eines Freundes Geld in seine Heimat überwiesen habe. Je nachdem ist der Angeklagte 38 oder 35 Jahre alt.

Britische Nummern überwacht

Die Anklage lautet auf schwere Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und qualifizierte Geldwäscherei. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft überwachte die Bundeskriminalpolizei im Jahre 2009 die britischen Rufnummern eines mutmasslichen nigerianischen Kokaingrosshändlers und stiess dabei unter anderem auf den Angeschuldigten.

Vorgeworfen wird ihm, er habe mindestens 2500 Gramm Kokain gekauft; dies teilweise im Ausland. Von dieser Menge soll er 2300 Gramm in «gassenüblichen» Kügelchen und in Fingerlingen zu 10 Gramm an verschiedene Abnehmer verkauft haben. Der Angeklagte bestritt zwar nicht, in Drogengeschäfte verwickelt gewesen zu sein, doch wollte er nicht mit der ihm vorgeworfenen Menge gehandelt haben.

Der Richter rechnete ihm in der Befragung vor, wie viele Geldüberweisungen ins Ausland er unter zwei Namen getätigt haben soll. Unter dem einen Namen seien es 33 Überweisungen im Gesamtbetrag von 29 000 Franken, unter dem anderen 69 im Gesamtbetrag von 110 000 Franken. Dabei habe es sich nicht um sein Geld gehandelt, erklärte der Angeklagte. Er habe lediglich anderen Leuten bei den Transaktionen geholfen. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er damit gegen geltendes Recht verstosse.

Ersatzforderung verlangt

Der Untersuchungsrichter forderte für den Mann eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren und eine Ersatzforderung von 150 000 Franken. Der Angeklagte habe unter falschem Namen Asyl beantragt und zudem kriminelle Geschäfte ausgeübt. Beim Vorwurf der Geldwäscherei gehe es nicht allein um die Überweisungen über die Geldtransfer-Institute, sondern auch noch um andere Transaktionen. So belaufe sich der Betrag auf insgesamt 172 000 Franken.

Der Verteidiger hingegen beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon die Hälfte auf Bewährung auszusprechen sei. Sein Mandant habe massiv weniger Kokain umgesetzt, als ihm vorgeworfen werde. Er sei nicht, wie von der Anklage unterstellt, ein Zwischen-, sondern lediglich ein Gassenhändler.

Der Mann habe tatsächlich für sich und Dritte Geldüberweisungen getätigt und sich damit der einfachen Geldwäscherei schuldig gemacht. Unter welchem Namen er dies gemacht habe, sei aber irrelevant.

Fünfeinhalb Jahre Haft

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Franken. Es sprach zudem eine Ersatzforderung von rund 130 000 Franken aus.

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