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DRESSES: St. Galler Chic im Zeitraffer

Wenig widerspiegelt Kultur und Mentalität so präzise wie Mode. Wie sich die Gepflogenheiten der St. Galler in 250 Jahren verändert haben, zeigt die neue Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum.
Elisabeth Reisp
Kleider aus 250 Jahren Geschichte: Im Hintergrund Paola Felix’ Tulpenkleid. (Bild: Ralph Ribi)

Kleider aus 250 Jahren Geschichte: Im Hintergrund Paola Felix’ Tulpenkleid. (Bild: Ralph Ribi)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

Ob Busen gerade beliebt oder verpönt war, ob das Hinterteil ausladend oder nicht existent sein sollte – die Kleidung zeigt die Vorlieben aus verschiedenen Epochen exemplarisch. Dass vor allem der weibliche Körper modischen Eskapaden unterworfen war, verdeutlicht die neue Ausstellung «Dresses» im Historischen und Völkerkundemuseum (HVM) anschaulich. Doch nicht nur ästhetische Aspekte werden aufgegriffen.

Für die Ausstellung verantwortlich zeichnet Kuratorin Monika Mähr. Mit viel Liebe zum Detail hat sie in zwei Räumen eine Zeitreise durch 250 Jahre Mode gestaltet. Die Reise beginnt mit den ältesten Stücken der hauseigenen Sammlung. Eine Art Ahnengalerie unterstreicht die Darstellung der spätbarocken Mode. Die Kuratorin hat die Ausstellung allerdings nicht strikt chronologisch geordnet, sondern die Epochen in Gruppen sortiert, die oft durch moderne Stücke ergänzt werden. Ein subtiler Hinweis, dass sich die Mode stets wiederholt. Eröffnet wird die Ausstellung mit der Gruppe «vielschichtig». Sie deutet an, dass zu jener Zeit die Mode streng nach Gesellschaftsschicht geordnet war. «Vielschichtig» steht aber auch für die vielen Kleiderschichten, die damals getragen wurden. In dieser Gruppe sind die einzigen Stücke aus der Männergarderobe. «90 Prozent unserer Modesammlung sind Frauenkleider», erklärt Monika Mähr. Wieso die Sammlung ungleich aufgebaut ist, lasse sich kaum mehr nachvollziehen.

Ausnahmslos Originalstücke

Das Historische und Völkerkundemuseum hat in den 1960er-Jahren mit der Modesammlung begonnen. Wissenschaftlich aufgearbeitet wurde diese allerdings erst in den letzten zehn bis 15 Jahren. Zum ersten Mal wird die Sammlung nun der Öffentlichkeit präsentiert. Auch wenn sie nur wenig Männermode beinhaltet, das, was das Museum gesammelt hat, sind alles Originalstücke. «Und unserer Sammlung ist tatsächlich um einiges grösser als jene des Textilmuseums», sagt Monika Mähr.

Wiederbelebungsversuche der Modebranche

Die Ausstellung ist denn auch weit mehr als ein Modespiegel. Sie greift sowohl wirtschaftliche als auch soziale Themen auf. Sie zeigt die Lust der Gesellschaft nach den Weltkriegen auf mehr Freiheit und das Verwaschen der Standesschichten. Aber auch die schwierigen Zeiten im und nach dem Zweiten Weltkrieg werden aufgegriffen: Es fehlte plötzlich an Geld und Rohstoffen. Also wurden die Materialien billiger und weniger aufwendig hergestellt.

Auf einer Art Laufsteg am Ende der Ausstellung wird Mode präsentiert, die ausdrucksvoll die Not der Kriegsjahre zeigt und die daraus entstandene Initiative der Schweizerischen Zentrale für Handelsförderung. Da die Modebranche zu erliegen drohte, lud die Zentrale für Handelsförderung 1943 Schweizer Kunstschaffende ein, zusammen mit der Modeindustrie eine neue Kollektion zu entwerfen und damit die Geschäfte wieder anzukurbeln. Das Ergebnis sind künstlerisch gestaltete Stoffe und Kleider, die ihrer Zeit teilweise weit voraus waren und auch heute noch durch ihre Eleganz bestechen.

Aus den Kleiderschränken der St. Galler Prominenz

Geschickt wurde auch etwas Prominenz in die Ausstellung eingeflochten: Die Provenienz der Kleider liest sich wie ein Ostschweizer Who-is-who der vergangenen 250 Jahre. Das filigrane Taufmäntelchen war jenes von Karl Beda Müller-Friedberg, dem Sohn des ersten Landammanns des Kantons St. Gallen. Von der ehemaligen High-Society-Lady Sophie Glinz ist das Hochzeitskleid ausgestellt. Sophie Glinz war die Grossmutter von Christoph Kurer aus der Schützengarten-Dynastie. Und das auffällige gelbe Tulpenkleid trug Paola Felix am Internationalen Songfestival in Rio de Janeiro.

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