Drei Richter für Lokalpolitiker

GOSSAU. Die Gossauer Schnitzelbänggler erhalten Verstärkung. Nebst den altbekannten «Zwei Räppler» und den «Wäspis» touren dieses Jahr auch «Die drey Richter» durch Gossau. Die Familie Pfister klopft dabei Sprüche in breitem Basler Dialekt.

Rafael Rohner
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Roger, Martin und André Pfister sind «Die drey Richter» (von links). Auf dem Bild fehlt Walter Pfister. (Bild: Urs Bucher)

Roger, Martin und André Pfister sind «Die drey Richter» (von links). Auf dem Bild fehlt Walter Pfister. (Bild: Urs Bucher)

Mit den weissen Perücken auf dem Kopf und den schwarzen Kutten über den Schultern sehen sie auf den ersten Blick fast gleich aus. Erst bei der Begrüssung treten die Unterschiede der drei Brüder deutlich hervor. Roger lacht ein bisschen breiter, Martin redet lauter und André kommt etwas verspätet zum vereinbarten Termin. Vieles haben die drei aber gemeinsam. Alle musizieren zum Beispiel gerne und klopfen Sprüche. Beides wollen sie nun während der kommenden Fasnachtszeit auch öffentlich tun. Zusammen mit den «Wäspis» und den «Zwei Räppler» ziehen die Pfisters Anfang Februar durch Restaurants in Gossau und geben Reime zum besten.

Auf sanften Druck der Frauen

Komplett sind «Die drey Richter» allerdings nur mit Vater Walter Pfister. Von ihm haben sie zum Beispiel gelernt, wie man den Basler Dialekt überspitzt nachahmen kann. Auch ihr Interesse für Lokalpolitik haben sie von Haus aus mitbekommen. Walter Pfister arbeitete in Gossau 25 Jahre lang als Kreisgerichtspräsident und hat das Zeitgeschehen nur schon deshalb genau mitverfolgt.

Die Idee, an der Gossauer Fasnacht aufzutreten, kam den Pfisters erstmals nach Walter Pfisters 60. Geburtstag. Die drei Söhne sind an der Feier aufgetreten und haben humoristisch über das Leben des Richters «gerichtet». Selbst die Freunde des Vaters, waschechte Basler Fasnächtler, haben herzhaft gelacht. Das war 2006. Seither liess die Pfisters die Idee nicht mehr los, an der Fasnacht auch über Gossauer Politiker zu «richten». Immer wieder witzelten sie über einen möglichen Auftritt. Jetzt – auf sanften Druck ihrer Frauen und Freundinnen – lassen sie diesen Worten Taten folgen. In den vergangenen Wochen haben die vier an Reimen gefeilt und Melodien einstudiert.

«Die drey Richter» werden damit Teil einer Tradition, die viele Gossauer längst liebgewonnen haben. Seit Jahren ziehen die «Wäspis» und «Zwei Räppler» regelmässig durch die Stadt. Lokalpolitiker und Promis bekommen dabei ihr Fett weg. Nie bösartig, dafür mit einem Augenzwinkern. So wollen es auch die Richter halten. Scharfzüngig und doch gutgemeint, sagt der 27jährige Projektleiter, Martin Pfister.

Niedermann malt die Helgen

Themen für die Fasnacht gibt es in Gossau reichlich. Die neue Strassengestaltung etwa, «die darf in keiner Fasnachtszeitung fehlen», sagt der 34jährige Seklehrer, Roger Pfister. Auch die Budgetsitzung des Parlaments biete Stoff genug. Konkreter werden die drei nicht. «Wir wollen überraschen.» Nur so viel sei verraten. Die Helgen malt mit Markus Niedermann kein Unbekannter. Der pensionierte Seklehrer hat unter anderem jahrelang Sujets für den Gossauer Weihnachtslauf gestaltet.