Drei neue Kindergärten eröffnet

Weil Familien heutzutage munter in der Gegend herumzügeln, wird die Schulraumplanung zu einer Art Wissenschaft. Trotz gesamthaft sinkender Schülerzahlen nimmt die Stadt auf den heutigen Schulbeginn drei neue Kindergärten in Betrieb.

Odilia Hiller
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Die Ruhe vor dem Sturm: Der wiedereröffnete Kindergarten Grünaustrasse vor der Ankunft der Kinder. (Bild: Urs Bucher)

Die Ruhe vor dem Sturm: Der wiedereröffnete Kindergarten Grünaustrasse vor der Ankunft der Kinder. (Bild: Urs Bucher)

Heute ist der erste Schultag. 6021 St. Galler Kinder und Jugendliche kehren nach fünf Wochen Sommerferien zu ihren Lehrerinnen und Lehrern in die städtischen Schulhäuser und Kindergärten zurück. Oder sie gehen zum ersten Mal zu ihnen – gespannt, neugierig, freudig und meistens sehr aufgeregt.

In diesem Jahr gehen in der Stadt erstmals seit längerem wieder mehr Kinder in den Kindergarten. Drei zusätzliche Kindergärten eröffnet das städtische Schulamt auf Schulbeginn. Im Waldgut in Rotmonten ist es ein Pavillon, der verschoben wurde. Im Schulquartier Halden öffnet der Kindergarten an der Grünaustrasse wieder seine Türen, nachdem er ein paar Jahr lang anderweitig vermietet worden war. Und im Tschudiwies nimmt der Kindergarten an der Schlosserstrasse nach einem Unterbruch den Betrieb wieder auf.

Geburtenreichere Jahrgänge

Laut Schulamtsleiter Christian Crottogini steht die Zunahme der Kindergärtler auf Stadtboden in Zusammenhang mit den geburtenstarken Jahrgängen, die langsam in der Schule «ankommen». Seit dem Jahr 2006 kommen in der Schweiz wieder mehr Babies zur Welt. Sie sind jetzt Kindergärtler – und ihre Eltern offensichtlich in der Stadt wohnen geblieben.

Die Schulraumplanung ist für das Schulamt eine ständige Herausforderung. Als staatliches Organ obliegt ihm einerseits die Kontrollpflicht, dass alle Kinder beschult werden. Andererseits muss es auf mehr oder weniger vorhersehbare Trends und Tendenzen reagieren: «In manchen Quartieren können die Kinderzahlen zwischen Geburtsjahr und Kindergartenreife um bis zu 50 Prozent divergieren», sagt der Schulamtsleiter. Da sei es manchmal schwierig zu planen.

Die «Sturm-und-Drang-Zeit»

«Die Geburtenstärke eines Jahrganges zu kennen, heisst für uns also noch nicht viel.» Mal sei ein Quartier – zum Beispiel wegen seiner Stadtnähe – bei jungen Familien am Boomen, dann wieder verliessen sie es nach der «Sturm-und-Drang-Zeit» fast kollektiv in Richtung Einfamilienhäuser in und um St. Gallen. «Gemeinsam mit der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen knobeln wir an diesen Bewegungen herum und versuchen, Prognosen zu erstellen.» Zurzeit werde dafür ein neues Berechnungsschema erprobt, das mit Hilfe kreativer und spannender Ideen seitens der Statistiker erarbeitet und ständig angepasst werde.

Die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler der städtischen Schulen sinkt allerdings weiter (siehe Grafik). Den grössten Rücklauf verzeichnet das Schulamt bei den Schülern der Oberstufe. Genaue Zahlen dazu gibt das Schulamt erst im November bekannt. Bis dahin sind die meisten Rekurse bereinigt und die Klassengrössen einigermassen definitiv.

Abgänge auf der Oberstufe

Die Schuld am Rückgang liegt allerdings nicht einzig am Konkurrenzangebot der katholischen Kantonssekundarschule Flade, die in diesem Jahr wieder mit einer ersten Sekundarklasse mehr als letztes Jahr startet (siehe Kasten). Der Leiter des Schulamtes sucht die Gründe bei anderweitigen Abgängen in Richtung Ortega-Schule, Privatschulen und Gymnasien. Dazu komme, dass die «mageren», das heisst geburtenschwachen Jahrgänge um die Jahrtausendwende derzeit im Oberstufenalter sind.

Bereit für neue Schuldirektion

Crottogini rechnet mit einem Schuljahr der «Kontinuität und Stabilität». Seitens des Schulamtes sei mit keinerlei Aktionismus zu rechnen. Die wichtigsten Weichenstellungen hätten die städtischen Schulen hinter sich. Was sich nach den Stadtratswahlen auch unter einer neuen Direktion «nur in Nuancen» ändern dürfte, so der Schulamtsleiter.