Drei Leben für die Blockflöte

In 34 Jahren hat Klara Schwarber über 2000 Kindern beigebracht, Blockflöte zu spielen. Nun geht sie in Pension. Ihr Pensum übernehmen eine junge Deutsche und ein Italiener – die in die Blockflöte und ineinander verliebt sind.

Corina Tobler
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Klara Schwarber (vorne) geht nach 34 Jahren als Blockflöten- und Grundkurslehrerin in Pension. Auf sie folgen die Deutsche Eva Gemeinhardt und ihr italienischer Freund Lorenzo Lio. (Bild: Corina Tobler)

Klara Schwarber (vorne) geht nach 34 Jahren als Blockflöten- und Grundkurslehrerin in Pension. Auf sie folgen die Deutsche Eva Gemeinhardt und ihr italienischer Freund Lorenzo Lio. (Bild: Corina Tobler)

REGION RORSCHACH. Für viele ist die Blockflöte ein Mittel zum Zweck. Das kindliche Sprungbrett fürs Erlernen eines «richtigen» Instruments. Doch nicht für die drei Menschen, die gerade im Schatten des Baumes vor der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg sitzen. Ja, auch Klara Schwarber, Eva Gemeinhardt und Lorenzo Lio lernten als Kind zuerst Blockflöte. Doch sie blieben dabei, verfielen dem warmen Klang des Instruments und verschrieben ihm einen Grossteil ihres Lebens.

Zu alt fürs Konservatorium

34 Jahre Berufsleben sind es im Fall der Rorschacherbergerin Klara Schwarber. So lange hat die 64-Jährige in Rorschach und Rorschacherberg als Blockflötenlehrerin gearbeitet. «Ich bin in Kirchberg aufgewachsen und fuhr als Erstgix allein mit dem Postauto nach Wil, um dort Blockflöte zu spielen. Ich habe dort auch stets im Orchester mitgespielt», erinnert sie sich an ihre Anfänge. Während ihrer Ausbildung zur Reallehrerin am Rorschacher Lehrerseminar erlangte sie das Diplom für Blockflöte und erteilte nebenbei Blockflötenunterricht.

Mit dem Aufkommen des heute obligatorischen musikalischen Grundkurses entschied sich Klara Schwarber endgültig für die Musik. «Ich war mittlerweile dreifache Mutter; erteilte am Morgen Grundkurs und nachmittags Blockflöte.» Nach zehn Jahren in dieser Tätigkeit wagte sie den Schritt ans Konservatorium in Zürich. «Ich war in Sachen Grundkurs ein bisschen Pionierin und fand, ich wolle das nun richtig lernen. Mit über 40 Jahren war ich mit Abstand die Älteste. Bei der Aufnahmeprüfung sagte man mir zunächst, ich sei zu alt», erinnert sie sich und lacht auf. «Ich legte dank meiner Erfahrung einfach eine so gute Prüfung ab, dass sie mich aufnehmen mussten. Und ich hatte eine tolle Zeit.»

Beim Flöten ein Paar geworden

Dieses Fazit trifft auch auf die Hochschulzeit ihrer beiden Nachfolger zu. Nicht nur, weil sie ihre ganze Energie dem Instrument widmen konnten, dem sie beide verfallen sind, sondern auch, weil sie sich in Lausanne begegneten und zum Paar wurden. «Beim Blockflötespielen, selbstverständlich», sagt Lorenzo Lio und schmunzelt. Er ist Italiener, in Mailand geboren. «Ich hatte einen sehr guten Lehrer, der mir alle Seiten der Flöte zeigte, so dass ich mich für ein Studium entschied. Erst in Den Haag, dann mit Fokus auf zeitgenössische Musik in Lausanne», erzählt Lio. In einem Projektorchester traf er dort auf Eva Gemeinhardt, die noch in ihrem Studium war. Auch die bei Passau aufgewachsene Deutsche hat ihre Freude an der Blockflöte einer guten Lehrperson mit zu verdanken. «Meine Lehrerin gab mir von Anfang an zu verstehen, dass die Flöte ein richtiges, ernstzunehmendes Instrument ist. Es ist faszinierend, auf wie viele Arten man ihren Klang verändern kann», sagt sie, die nach dem Studium in Amsterdam nach Lausanne kam.

Das Paar ist bereits heute an Schweizer Musikschulen tätig – sie in Heiden, er in Lugano – und konzertiert daneben regelmässig. «Ich bin oft in Holland unterwegs, wo ich in zwei Ensembles spiele, er ist viel in Italien», sagt Gemeinhardt. Gut also, dass beide das Reisen zu ihren Hobbies zählen. Müde geworden sind sie weder des Zigeunerlebens noch ihres Instruments. «Im Gegenteil, wir spielen sogar in unserer Freizeit ab und zu auch mal zum Spass zusammen.»

«Ohne Blockflöte geht's nicht»

Dies wird auch Klara Schwarber tun, die nach über 2000 Schülern noch immer gerne unterrichtet. «Die Kinder sind immer anders und spannend. Zudem haben sich die Möglichkeiten verbessert, etwa mit super eingespielten Playbacks zu modernen Stücken.» Trotzdem verlässt sie die Musikschule mit zwei lachenden Augen. «Meine Nachfolger haben sich an einem Vorstellungsabend super eingeführt, viele Schüler machen weiter. Und ich freue mich auf den Ruhestand mit mehr Zeit für die Familie.» Die Musik wird sie aber weiter begleiten. «Ich leite ein Ensemble mit 20 Frauen aus Rorschach, das werde ich weiter tun. Ohne Blockflöte geht's nicht.»