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Drei Jahre im Kreis

Vor rund 100 Jahren war in der Stadt St. Gallen eine Sportart Trumpf, die heute kaum jemand noch wahrnimmt: Radrennen auf einer Rundbahn. Die Velorennbahn befand sich an der Rehetobelstrasse, hatte aber nur drei Jahre Bestand.
Fredi Kurth
Die Rennbahn im Krontal auf der einzigen Aufnahme, die heute noch vorhanden ist. Es ist gerade ein Rennen «mit Motorführung» im Gange. (Bild: Sammlung Zumbühl)

Die Rennbahn im Krontal auf der einzigen Aufnahme, die heute noch vorhanden ist. Es ist gerade ein Rennen «mit Motorführung» im Gange. (Bild: Sammlung Zumbühl)

Menschen zu finden, die noch aus eigener Anschauung von der St. Galler Velorennbahn erzählen können, ist ausgeschlossen. Aber es gibt einen stummen Zeitzeugen an der Rehetobelstrasse: das Restaurant Rennbahn, so wie es auch heute noch benannt ist. Vicky Grgic ist dort seit 1. Januar dieses Jahres Wirtin; zuvor arbeitete sie 22 Jahre lang in der «Rennbahn». Sie weiss sehr wohl, woher der Name stammt.

Ein eingerahmter Tagblatt-Zeitungsartikel aus dem Jahr 1980 hängt an der Wand, der die Geschichte der weitgehend vergessenen Sportstätte erzählt.

Vor zwei Jahren erinnerte sich bezeichnenderweise kaum jemand daran, dass das St. Galler «Velodrom» hundert Jahre zuvor schon wieder abgebrochen worden war. Die Rennbahn existierte nur drei Jahre. Sehr wohl erinnerte sich aber die deutsche Homepage www.cycling4fans.de an die kurze Episode der St. Galler Sportgeschichte. Das Portal für Veloenthusiasten stützte sich dabei weitgehend auf Angaben aus dem «Tagblatt der Stadt St. Gallen».

In drei Monaten bereit

Gemessen an heutigem Bautempo war die Bahn in Windeseile erbaut worden. Der St. Galler Velo- und Sportartikelhändler Louis Andreazzi reichte am 16. März 1905 das Baugesuch bei der noch eigenständigen Gemeinde Tablat ein.

Bereits am 18. Juni erfolgte der Startschuss zum Rennprogramm. Ein «Eröffnungsfahren» wurde ausgetragen, dazu die St. Galler Fliegermeisterschaft, ein Prämienfahren, ein Dauerrennen hinter einem Töff und ein «Fusswettrennen» über 100 Meter.

Die Holzkonstruktion war der berühmten Buffalobahn in Paris nachempfunden. Die Piste war 6 Meter breit, die Rundbahn selbst 250 Meter lang. Davor hatte es in der Schweiz nur in Thun eine Velorennbahn gegeben.

Auch ein Fussballplatz

Das Tagesprogramm lässt darauf schliessen, dass auch andere Sportarten darin Platz fanden. Fredi Hächler, langjähriger und kürzlich pensionierter Mitarbeiter im Stadtarchiv, fand in alten Protokollen zum FC St. Gallen, dass im Innenhof der Rennbahn auch Fussball gespielt wurde. «Bereits damals nach der Jahrhundertwende florierte der Fussball in der Stadt enorm», sagt Hächler, «es gab auf dem Platz St. Gallen nicht weniger als 20 Fussballclubs, die eine St. Galler Meisterschaft durchführten, neben der Ostschweizer und Schweizer Meisterschaft.

» Es bestand eine grosse Platznot. Gespielt wurde nicht nur auf der Kreuzbleiche, sondern auch im Breitfeld und eben auf der Rennbahn. Der Vorschlag, auf der Weierweid im Tal der Demut einen grossen Sportplatz zu errichten, fand beim Stimmvolk jedoch keine Gnade.

«Die beste Bahn Europas»

Die Anlage im Krontal war in den Anfängen eine grosse Attraktion. «Auf zur Rennbahn» lautete an den Wochenenden die Devise. Sie galt sogar unter den Profis als «die beste Bahn Europas».

Ein Versuch des Berliners Arthur Stellbrink, den Schweizer Stundenrekord von 65,444 Kilometern zu unterbieten, scheiterte jedoch. Angekündigt wurden die Cracks unter anderem so: «Berling kommt. Berling, der berühmte und gefürchtete Motorfahrer aus Mülhausen.»

Zu jener Zeit tobte der Russisch-Japanische Krieg, in Gais fand das Kantonalsängerfest statt, und der Sparverein Meise traf sich gemäss Zeitungsbericht regelmässig im «Bierhof».

Schon bald aber legten sich Schatten über die Bahn. Wegen finanzieller Probleme verkaufte Eigentümer Louis Andreazzi bereits ein Jahr nach dem Baugesuch die Anlage an den Bauunternehmer Fidel Lampert in der Nähe der Olma. Doch immer mehr drehten sich nicht nur die Velofahrer im Kreis, sondern auch die Veranstalter: Es gab zu wenig Anlässe, dann allmählich zu wenig Zuschauer, und wegen Regens kam es zu Ausfällen oder Abbrüchen von Rennen. Im Sommer 1908 wurde dann als Folge der Entwicklung die Holzbahn abgebrochen.

Später wich die Anlage einer Überbauung, und wahrscheinlich steht auch das Paul-Grüninger-Stadion, der frühere Krontal-Sportplatz, zu einem Teil noch auf dem Grundstück der ehemaligen Rennbahn. Dort rollen jetzt nicht mehr die Räder, dort rollt nur noch der Ball.

Restaurant Rennbahn hat überlebt. (Bild: Fredi Kurth)

Restaurant Rennbahn hat überlebt. (Bild: Fredi Kurth)

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