Drahtzieher und Kulissenschieber

Donat Kuratli ist der neue Obergugger der St. Galler Fasnacht. Als Präsident der Vereinigten Guggen will er dazu beitragen, dass die schönste Jahreszeit noch schöner wird. Er sagt: «Unsere Fasnacht braucht sich nicht zu verstecken.»

Fredi Kurth
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Donat Kuratli vor dem grossen Fasnachtssujet in der Waaghaus-Beiz. (Bild: Urs Bucher)

Donat Kuratli vor dem grossen Fasnachtssujet in der Waaghaus-Beiz. (Bild: Urs Bucher)

Nicolas Steiner, der Vorgänger von Donat Kuratli auf dem Präsidentensessel der Vereinigten Guggen, sagte einmal: Der Obergugger der Stadt müsse gut vernetzt sein. Was er als Teamleiter bei der UBS zweifelsohne erfüllte. Donat Kuratli ist Hauswart beim Amt für Vermögensverwaltung des Kanton St. Gallen an der Furglerstrasse. «Ich bin auch gut vernetzt», sagt er. Kuratli gehört als Zugführer der Milizfeuerwehr an und im Militär als Hauptmann dem Stab des Infanteriebataillons 70. Er war Schulhausabwart im Tschudiwies und im Boppartshof. Und er ist Forstwart.

Von wegen Nachwuchssorgen

Warum aber muss auch ein Guggen-Chef in einer fröhlichen Schattenwelt wie der Fasnacht gut vernetzt sein? Bei ihm laufen die Fäden zusammen, wenn es gilt, Wünsche der Guggen zu erfüllen. Er muss relativieren, wenn die Medien die Auflösung der traditionsreichen Brogge-Gugge per Ende Fasnacht zum allgemeinen Nachwuchsproblem hochstilisieren. Er muss die Drähte ziehen, wenn dereinst die Fasnachtsmusikanten am Samstagabend, neben Föbü-Verschuss und Ohrenball, wieder mehr Gelegenheit für Auftritte haben sollen. Und er muss auf Bühnen und in den Lokalen zumindest im übertragenen Sinn auch Kulissen schieben, um den Guggen zu passendem Auftritt zu verhelfen. Seine beiden Kompagnons im Vorstand, Roland Storrer und Marcel Dietrich, sind für Bühnenlogistik und deren Sicherheit beziehungsweise die Auftrittspläne zuständig. «Es gibt beides», sagt Donat Kuratli. «Guggen mit Nachwuchsproblemen und solche mit Zulauf.» Einem weiteren Abgang, jenem der Kornhausschränzer schon per Ende 2013, steht auch ein Zugang der Tschaggi Waggi mit jungen Leuten gegenüber.

Der Eindruck von zu wenig Guggen mag durch die grosse Nachfrage von Schulhäusern, Kinderhorten und Umzügen entstehen. Doch immerhin 31, verteilt bis ins Appenzellerland, Rheintal und den Thurgau, gehören der Vereinigung an. «Aber es ist schwer, alles abzudecken, obwohl mehr möglich wäre, wenn sich die Interessierten rechtzeitig bei uns melden würden», sagt Donat Kuratli.

Angefangen mit dem Cello

Seine fasnächtliche Heimat ist die Riethüsli-Gugge (wobei kein Mitglied mehr im Riethüsli wohnt). Kuratli hat die Trompete zur Seite gelegt. Er konzentriert sich auf seine Einsätze als Dirigent und Stimmungsmacher. Das Repertoire seiner Gugge umfasst Titel wie «Bligg in Manhattan» oder «Alles wa bruchsch».

Für viele Guggen ist heutzutage beinahe das ganze Jahr Fasnacht. Kaum haben sie sich nach dem Aschermittwoch von den Strapazen erholt, üben sie wieder. «Das Niveau ist stark angestiegen», sagt Donat Kuratli. «Manche Guggen gehen sogar noch auf Tournée.» Kuratlis Leute sind bis in den April hinein noch in Ravensburg, Andelfingen, Herisau und am Gipfeltreffen der Guggen in Arosa engagiert. Kuratli selber ist musikalisch mit dem Cello aufgewachsen. «Ich spielte dieses Instrument schon mit fünf Jahren, aus Freude.» Später lernte er zudem Trompete, Posaune, Sousaphon und Schlagzeug. Die Ansprüche an eine Gugge sind gestiegen. Nicht zuletzt will das Publikum auch eine Show mit Konfettiregen, Tanz und Choreographie sehen.

«Fünf Gastguggen sind viel»

Trotzdem können sich heute noch Leute ohne irgendeine musikalische Vorbildung melden. Sie werden geschult, so weit es geht. «Ein wenig schräg soll es immer noch tönen», sagt Kuratli. Aus privater Anschauung kennt der 35jährige Guggen-Präsident die Basler und die Luzerner Fasnacht. Jede habe etwas Eigenes. In Basel konzentriere sich alles auf drei Tage, «Die drey scheenschte Däg», in Luzern seien die Masken das Markenzeichen. «Wir brauchen uns aber nicht zu verstecken, wir sind mit den Guggen und dem Föbü-Verschuss sehr gut verankert.» Auch dass fünf Gastguggen aus der ganzen Schweiz hier erscheinen, spreche für den Anlass in der Gallusstadt.

Dennoch möchte Kuratli, dass sich die St. Galler Fasnacht weiter entwickelt. «Dafür benötigen wir allerdings die Unterstützung durch Politik und Tourismus», sagt er. Gut vernetzt zu sein, könnte dabei helfen.