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Dr. Ahoi versorgt Kinder mit Spass

Antonio Morano ist Clown im Ostschweizer Kinderspital. Er geht von Zimmer zu Zimmer, lässt Bälle verschwinden und wieder auftauchen, spielt Ukulele und singt. Um den richtigen Ton zu treffen, braucht er vor allem eins: Feingefühl.
Katharina Brenner
Riona, ihre Mutter und Dr. Ahoi staunen, als das Meitli zwei rote Bälle in den Händen hält. In ihren Fäusten waren eben noch keine – oder etwa doch? (Bild: Katharina Brenner)

Riona, ihre Mutter und Dr. Ahoi staunen, als das Meitli zwei rote Bälle in den Händen hält. In ihren Fäusten waren eben noch keine – oder etwa doch? (Bild: Katharina Brenner)

Klopf, klopf. Der Spitalclown Dr. Ahoi öffnet die Tür und betritt in seinen grossen Schuhen ein Patientenzimmer im Ostschweizer Kinderspital. Auf einem Bett liegt ein Bub, davor sitzen zwei Frauen. «Ist das das Zimmer von Sandro?», fragt Dr. Ahoi. Die drei nicken. Der Clown geht auf eine der Frauen zu, schüttelt ihre Hand und sagt: «Hallo Sandro.» Die Frau lacht. Sandro, der Bub auf dem Bett, lacht auch. Das Eis ist gebrochen, die Stimmung gut.

Eine Banane aus dem Schuh

Etwa zehn Minuten bleibt Dr. Ahoi bei Sandro. Er zaubert einen Ball und eine Banane aus Sandros Schuhen hervor und scheitert beim Versuch, Seifenblasen zu machen. Zum Abschluss singt er ein Lied. «Sandro, willst du lieber eins von Lady Gaga, Justin Fieber oder von Conchita Wurst hören?» Der Siebenjährige will Lady Gaga hören.

Dr. Ahoi stimmt auf der Ukulele das Lied von Pipi Langstrumpf an, wechselt aber den Namen aus: «Hey Lady Gaga, falleri, fallera, fall hopsassa. Hey Lady Gaga, die macht, was ihr gefällt.» Damit macht Dr. Ahoi, was Sandro gefällt. Der hält sich den Bauch vor Lachen. Zum Abschied überreicht ihm der Clown einen Zauberausweis. Es ist ein Foto von Dr. Ahoi.

Der Mann hinter der Mütze

Draussen auf dem Gang holt der Clown eine Liste aus seinem Kittel, auf den Seesterne und Quallen genäht sind. Er sieht nach, zu welchem Kind er als nächstes geht. Die Pflegeleitung teilt ihm vorab mit, wen er besuchen soll. «Anschliessend verkleide ich mich», sagt Dr. Ahoi. Ohne Kostüm ist er Antonio Morano, 46 Jahre alt, aus Wädenswil am Zürichsee, geboren und aufgewachsen in Horgen.

Seit 16 Jahren arbeitet er als Spitalclown, zusätzlich tritt er in Altersheimen und bei privaten Anlässen als Clown auf. Ins Ostschweizer Kinderspital kommt er jeden zweiten Donnerstag.

Morano hat in Zürich eine Theaterausbildung gemacht. «Und wie das so ist, weiss man danach nicht recht, was man machen soll», sagt er. Eine kolumbianische Schauspielkollegin sei nach der Ausbildung zurück in ihre Heimat. Dort wollte sie als Clown in Spitälern arbeiten. «Was für eine grossartige Idee, habe ich damals gedacht, sie dann aber vergessen», sagt Morano. Auch, weil er dachte, so etwas gebe es hier gar nicht.

Traumdoktoren in den Spitälern

Als er Ende der 90er-Jahre von Spitalclowns in der Schweiz hört, bewirbt er sich bei der Stiftung Theodora. Jede Woche schickt die Stiftung 70 Frauen und Männer als Clowns verkleidet in rund 60 Institutionen für Kinder mit Behinderungen und in Spitäler in der ganzen Schweiz. Als eines der ersten empfing das Ostschweizer Kinderspital bereits 1996 Traumdoktoren, drei Jahre nach der Gründung der Stiftung. Traumdoktoren – so nennt die Stiftung Theodora ihre Clowns. Sie finanziert sich über Spenden. Die Artisten dürfen nicht mehr als 32 Stunden im Monat arbeiten. Das wäre eine zu grosse psychische Belastung, heisst es von Seiten der Stiftung.

Schicksale, die ihm nahegehen

«Es gibt Schicksale, die mir nahegehen», sagt Morano. Auf der Onkologie besuche er auch Kinder, die bald sterben. «Feingefühl ist das wichtigste in diesem Beruf.» Einschätzen zu können, welche Art von Humor und Aufmerksamkeit das Kind gerade brauche. «Mit den Jahren bin ich souveräner geworden, die Erfahrung ist sehr wichtig», sagt Morano. Er sei sehr froh, eine gesunde Distanz zu seiner Tätigkeit zu haben. Wenn er die rote Clownnase abnehme, lege er damit auch das Erlebte im Spital ab. Verlaufe ein Besuch schlecht, tausche er sich im Anschluss bei einem Kaffee mit seinem Kollegen, dem Clown Stanis Laus, darüber aus.

Die beiden kommen immer zusammen ins Ostschweizer Kinderspital und besuchen getrennt jeweils rund 30 Kinder. Stanis Laus ist heute auf der Onkologie, während Dr. Ahoi Kinder auf den Stationen Medizin und Chirurgie besucht.

Klopf, klopf. Dr. Ahoi betritt das nächste Zimmer. Auf einem der Betten sitzt Riona, sieben Jahre alt, mit ihrer Mutter. «Du bist bestimmt Riona», sagt Dr. Ahoi und schaut das Meitli an. Sie nickt. «Und du», sagt Dr. Ahoi und schaut ihre Mutter an: «Du musst die Zwillingsschwester sein.» Beide lachen.

Bild: KATHARINA BRENNER

Bild: KATHARINA BRENNER

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