Dorfkern schiesst in die Höhe

ARNEGG. Am Mittwoch wurde in Arnegg das Projekt zur Neuüberbauung des Hälg-Areals in groben Zügen präsentiert. Die sieben Mehrfamilienhäuser mit Gewerbeflächen stiessen auf Skepsis. Einige Arnegger zeigten sich auch offen.

Johannes Wey
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So könnte sich die Stationsstrasse in Arnegg in einigen Jahren präsentieren. Der Spielplatz müsste verschoben werden. (Bild: Visualisierung: pd/Viola Architekten)

So könnte sich die Stationsstrasse in Arnegg in einigen Jahren präsentieren. Der Spielplatz müsste verschoben werden. (Bild: Visualisierung: pd/Viola Architekten)

Das Interesse war grösser, als die Vertreter von Stadt, Planungsbüros, Investoren und der Grundeigentümer erwartet hatten. Im Mehrzweckgebäude Arnegg standen nur wenige Stühle bereit. Er rechne mit «zwischen fünf und 50» Teilnehmern, sagte Stadtpräsident Alex Brühwiler am Mittwoch vor Veranstaltungsbeginn scherzhaft. Schliesslich kamen fast 50, die wissen wollten, wie es auf dem Areal der Hälg Möbel-Innenausbau AG und zwei stadteigener Parzellen in Arnegg weitergeht. Und was an diesem Infoanlass unter dem Titel «Dorfkern Arnegg» präsentiert wurde, hat ziemlich urbanen Charakter.

Grossüberbauung mit Gewerbe

Sieben Mehrfamilienhäuser sind dort angedacht, fünf davon über ein gemeinsames Erdgeschoss verbunden. Dort soll es auch Platz für Gewerbe geben, unter anderem für ein grosses Lebensmittelgeschäft, wie Architekt und Mitinvestor Dario Viola auf Nachfrage aus dem Publikum verriet. Das Projekt ist aber alles andere als definitiv und befindet sich noch in einem frühen Stadium – laut Brühwiler hofft man, Gestaltungs- und Teilzonenplan Mitte 2016 auflegen zu können.

Ungewohnte Ausmasse

Trotzdem wirkte die Projektpräsentation auf viele der anwesenden Arnegger wie ein Paukenschlag. Insbesondere, weil in dieser Planung die Überbauung direkt an den Dorfplatz angrenzt und der Spielplatz verkleinert und verlegt werden müsste. Für beides wurde im Dorf vor einigen Jahren lange gekämpft. Kaum verwunderlich also, dass nach der Präsentation eine lebhafte Diskussion in Gang kam. «Zum Spielplatz braucht es doch eine Grünfläche. Wir Arnegger mögen es grün, deshalb wohnen wir ja hier», sagte eine Frau. Auch mit der Grösse des angedachten Projekts konnten sich viele schlecht anfreunden. Ein Votant gab sich aber Mühe: «Das Ganze kommt mir sehr städtisch vor. Aber vielleicht müssen wir umdenken.» Ein anderer hatte seine Meinung schon gemacht: «Wir reden hier doch von einem <Dorfzentrum>. Dieser Baustil passt nicht hierhin.» Stadtpräsident Brühwiler verwies auf das Raiffeisen-Viertel in St. Gallen oder den «Quellenhof» in Gossau, welche anfänglich auch nicht passend schienen. «Vielleicht ist die Zeit jetzt noch nicht reif für so etwas. Aber die Planung muss für die nächsten 30 bis 50 Jahre stimmen.» Das Projekt würde die heutigen Industriebauten ersetzen, «Arneggs ländlicher Charakter ist nicht in diesem Gebiet zu Hause». Dieses werde sich so oder so verändern. Wenn man sich nicht zu sehr wehre, könne man immerhin mitgestalten. Ein Votant, der sich als Urarnegger zu erkennen gab, pflichtete dem bei: «Wenn dieses Projekt an Kleinigkeiten scheitert, kann es auch schlimmer kommen.»

Wieder Schulhaus gefordert

Während der Diskussionsrunde kamen viele Punkte zur Sprache, die zum jetzigen Stand der Planungen noch gar nicht aktuell sind. Und natürlich ergriffen zahlreiche Teilnehmer angesichts solcher Baupläne die Gelegenheit, erneut das aus ihrer Sicht notwendige Schulhaus zu fordern. Etwa Markus Giger, Präsident der Dorfkorporation Arnegg und Schulleiter in Gossau: «Ein solches Grossprojekt müsste man mit der Schulraumplanung vernetzen.» Brühwiler hielt dagegen, dass dies angesichts der komplexen Entscheidungswege mit (noch) zwei politischen Gemeinden und der Schulgemeinde Andwil-Arnegg zu lange gedauert hätte.

Anregungen aufgenommen

Die häufigste Reaktion von Planer- und Stadtseite auf Einwände war, dass es sich erst um eine Zwischeninformation handle. Bis das Projekt konkretisiert wird, fliesst jedenfalls noch viel Wasser den Arneggerbach hinunter. Kritikpunkte wurden meist mit der Bemerkung kommentiert, dass man derlei Anregungen gerne in die weitere Planung einfliessen lasse. Was im Arnegger Dorfkern letztlich gebaut wird, steht also noch lange nicht fest.