DJ Dschungel-Schönling

Einst war er Popstar, Posterboy, Mädchentraum. Jetzt ist Patrick Nuo vor allem Fernsehpromi. In der Nacht auf gestern trat der gebürtige Luzerner in zwei St. Galler Clubs auf. Mit durchzogenem Erfolg.

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Adieu «Dschungelcamp», Hallo St. Gallen: DJ Patrick Nuo, einstiger Popstar, während seines Auftritts im «Elephant»-Club. (Bild: Michel Canonica)

Adieu «Dschungelcamp», Hallo St. Gallen: DJ Patrick Nuo, einstiger Popstar, während seines Auftritts im «Elephant»-Club. (Bild: Michel Canonica)

Die Zeit drängt ein wenig, sein Agent sehr. «Herr Nuo, komm jetzt, wir müssen uns beeilen», ruft er ungeduldig ins dunkle Mittlere Hofgässlein, gleich beim Elephant-Club in St. Gallen. Dort posiert Patrick Nuo, Sänger und Fernsehpromi, gerade mit zwei Frauen für ein Foto. Eigentlich ein Popstar von gestern, hat ihn die RTL-Sendung «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus» wieder ins Universum der Stars und Sternchen katapultiert.

Pornos und Krokodile

Im australischen Dschungel erzählte der Luzerner von seiner einstigen Pornosucht, tauchte mit Babykrokodilen, sprang durchs Feuer und ritt ein – mechanisches – Känguru. Ob er sich nun damit zum Affen gemacht hat oder nicht: Seinen Bekanntheitsgrad gesteigert hat das Campieren im Dschungel allemal. Er habe nach seinem Auszug aus dem Camp nur ein paar der Sendungen angeschaut, sagt Nuo, mittlerweile auf dem Sofa im Büro des «Elephant», dies mehr liegend als sitzend. Er ist direkt aus aus Los Angeles, wo er, seine Ehefrau und seine beiden Kinder leben, nach St. Gallen gekommen. Hier trat er in der Schweiz zum erstenmal nach seinem Auszug aus dem Dschungelcamp auf. Es ist der Beginn einer Reihe von DJ-Engagements in der Schweiz. Von wie vielen, weiss Nuo nicht so genau. Er fahre nach den Auftritten im «Elephant» und im «Backstage» erst einmal ins Luzerner Hinterland zu seinen Eltern: «Family Day».

Nuo ist eher distanziert, relativ glatt und sehr cool, viele seiner Antworten sind einsilbig. Immer wieder wirft ihm sein Agent – an Charme sowieso kaum zu überbieten – einen kritischen Blick zu. Der will heissen: Bloss keine privaten Fragen beantworten. Ausgepackt hat Nuo wohl im «Dschungelcamp» schon genug. Also spricht der gläubige Sänger – «Jesus ist mein Idol» – eben über Musik: Er lege vor allem House auf. Und nein, singen tue er heute nicht. «Ich trenne meine DJ-Auftritte von Konzerten.» Im Herbst soll sein neues Album erscheinen.

Gekreische im «Elephant»

Um kurz nach 1 Uhr stellt sich Nuo dann hinter das DJ-Pult im «Elephant». Sein Bruder Simon bleibt derweil in sicherer Distanz hinter der Bar. «Make some noise for Patrick Nuoooo», ruft's aus den Lautsprechern im vollen Club. Gekreische, Gejohle. Frauen in knappen Kleidchen zücken ihre Handys und versuchen, das Antlitz des Dschungel-Schönlings, in violettes Scheinwerferlicht getaucht, fotografisch festzuhalten. Dieser kaut angestrengt Kaugummi, lacht ab und zu in die Menge. Zwei Männer, beim Gespräch über ihre Brustmuskeln unterbrochen, kneifen die Augen zusammen: «Hä? Wer ist das?» Und sie scheinen nicht die einzigen zu sein, die den Sänger nicht kennen – oder zumindest nicht als Sänger. «Jaja, der aus dem Dschungelcamp», sagt eine 18-Jährige. Es gibt aber auch die anderen: Jene, die den «Bravo»-Posterboy Patrick Nuo an der Wand hängen hatten. «Ich fand ihn als Sänger richtig gut», sagt eine Thurgauerin, die für den Auftritt extra nach St. Gallen gekommen ist. «Ich hoffe, er konzentriert sich bald wieder auf die Musik statt auf Fernsehauftritte.»

Tristesse im «Backstage»

Kurz nach 2 Uhr, im «Backstage» dann, überwiegt das Desinteresse am schönen DJ deutlich. Ein paar wenige tanzen, die anderen stehen am Tresen. Der Sicherheitsmann, der sich beim DJ-Pult postiert hat, scheint in diesem Augenblick mehr als überflüssig. Von Zeit zu Zeit verschleiert die Nebelmaschine die triste Szenerie. Um 3.05 Uhr verschwindet Nuo schliesslich samt Gefolgschaft aus dem Club und in die Nacht. Mit ernster Miene, ziemlich rasch. Malolo Kessler