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Disziplin statt sinnlose Gewalt

Mit Kampfsport gegen Gewalt: Ein Widerspruch? Nein, findet Azem Maksutaj. Der 14fache Thaiboxweltmeister war zu Gast in der Jugendbeiz Talhof und erzählte den Jugendlichen, weshalb Kampfsport mehr ist als sinnloses Prügeln.
Tobias Hänni
Mit Kampfsport Frust abbauen: Thaiboxer Azem Maksutaj am Freitagabend in der Jugendbeiz Talhof. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit Kampfsport Frust abbauen: Thaiboxer Azem Maksutaj am Freitagabend in der Jugendbeiz Talhof. (Bild: Hanspeter Schiess)

München, Uzwil, Basel: Jugendliche, die grundlos andere Menschen verprügeln, haben in letzter Zeit immer wieder für traurige Schlagzeilen gesorgt. Die Fälle brutaler Jugendgewalt haben den Ruf nach härteren Strafen und intensiverer Präventionsarbeit lauter werden lassen. Auch das Jugendsekretariat St. Gallen hat sich in den vergangenen Monaten verstärkt dem Thema gewidmet. Am Freitag luden die Offene Jugendarbeit West, Zentrum und Ost in der Jugendbeiz Talhof zum Themenabend «Kampfsport gegen Gewalt» ein. Prominenter Gast des Abends war der Winterthurer und 14fache Thaiboxweltmeister Azem Maksutaj, der den Jugendlichen von den Werten des Kampfsports erzählte.

Aggressionen abbauen

Zu Beginn des Abends wurde der Dokumentarfilm «Being Azem» gezeigt, der den steilen Aufstieg Maksutajs vom Flüchtling und Asylanten zu einem der besten Kampfsportler der Welt beschreibt. Bereits im Film wurde deutlich, was Maksutaj in der darauffolgenden Gesprächsrunde immer wieder unterstrich. Kampfsport bedeutet nicht sinnlose Gewalt, sondern in erster Linie Disziplin, Ehrgeiz und Willenskraft.

«Auch wenn die Kämpfe brutal sind, gibt es im Ring keinen Hass. Da geht es um den sportlichen Sieg», sagte Maksutaj zu den rund zwanzig Jugendlichen, die dem 36jährigen ehemaligen Profikämpfer aufmerksam zuhörten. Und diesen hole man sich nur mit Fleiss und Körperbeherrschung. Maksutaj sieht im Kampfsport eine positive Art, um Dampf abzulassen.

«Kampfsport baut die körperliche Fitness auf und Aggressionen ab.» Nach 90 Minuten sprinten, Seilspringen und Sit-ups habe man garantiert keine Wut mehr im Bauch. Positiver Nebeneffekt eines anstrengenden Kampftrainings: «Nach dem Trainieren ist man zu müde, um auf der Strasse abzuhängen, Drogen zu nehmen und andere Leute zu verprügeln.» Mit Blick auf die steigende Jugendgewalt äusserte sich Maksutaj überzeugt, dass es sich bei den gewalttätigen Jugendlichen selten um solche mit Kampfsporterfahrung handelt. «Ein Kämpfer weiss, was er draufhat, und muss sich nicht beweisen», sagte Maksutaj. In den Thaiboxschulen, die er in mehreren Städten betreibt, hat er für die Mitglieder klare Regeln aufgestellt. «Wer sich ausserhalb des Clubs prügelt, fliegt raus.»

Kampfsport als Lebensschule

Das Befolgen von Regeln, Disziplin und Durchhaltevermögen: Diese Werte gelten für Maksutaj nicht nur im Kampfsport, sondern für das Leben an sich. «Jeder hat die innere Stärke, seine Ziele zu erreichen», sagte er und veranschaulichte seine Überzeugung anhand seiner eigenen Geschichte. Er sei in Kosovo in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und als Ausländer in der Schweiz oft gegen Mauern gerannt. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse habe er nicht aufgegeben und es bis ganz nach oben geschafft.

«Ihr dürft nach einer Niederlage nicht aufgeben. Wenn ihr nicht gleich eine Lehrstelle findet, probiert es weiter. Alkohol und Drogen bringen euch nicht weiter», redete Maksutaj dem jungen Publikum ins Gewissen.

Haltungen hinterfragen

Mit dem Themenabend habe man zeigen wollen, dass Kampfsport nichts mit sinnloser Gewalt gemein habe, sagte Ralf Frehner von der Offenen Jugendarbeit West nach der Veranstaltung. «In der Öffentlichkeit werden diese Begriffe immer wieder gleichgesetzt.» Ein weiteres Ziel sei es gewesen, dass sich die Jugendlichen mit Gewalt auseinandersetzen und ihre Einstellung dazu hinterfragen. Frehner war mit dem Verlauf des Abends zufrieden. «Dass die Jugendlichen hier den ganzen Abend lang stillsitzen und zuhören, kommt selten vor.»

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