Diskussionen ums Tunnelportal

Grundsätzlich stösst der Ruckhalde-Tunnel der Appenzeller Bahnen im Riethüsli auf Zustimmung. Kritik gibt's am Standort des Südportals: Das Quartier möchte es nach Süden verschieben, die Bahn will an der aktuellen Planung festhalten.

Reto Voneschen
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Die Situation heute: Der Südeingang des Ruckhalde-Tunnels käme etwa auf die Höhe der Briefkästen des hellgrünen Hauses Teufener Strasse 147 zu liegen. Vor dem Quartierladen gäbe es mehr Freiraum. (Bild: Reto Voneschen)

Die Situation heute: Der Südeingang des Ruckhalde-Tunnels käme etwa auf die Höhe der Briefkästen des hellgrünen Hauses Teufener Strasse 147 zu liegen. Vor dem Quartierladen gäbe es mehr Freiraum. (Bild: Reto Voneschen)

st. gallen. Die Appenzeller Bahnen (AB) wollen die Ruckhalde zwischen Güterbahnhof und Riethüsli dereinst in einem Tunnel überwinden. Nach heutigem Stand wird das Projekt auf 51 Millionen Franken zu stehen kommen. Es steckt derzeit im Rechtsverfahren. Eine Einsprache deponiert hat auch der Quartierverein Riethüsli zusammen mit neun Privatpersonen (Tagblatt vom 21. Dezember).

Kritik am Tunnelportal

Ein zentraler Kritikpunkt in der Eingabe ist die Gestaltung der südlichen Zufahrt des Tunnels. Der eigentliche Eingang soll auf Höhe des Hauses Teufener Strasse 147 zu liegen kommen. Von dort bis zum Restaurant Riethüsli soll die Bahn den Niveauunterschied über eine rund 70 Meter lange Rampe überwinden. Von Trottoir und Strasse abgetrennt wird sie mit einer rund einen Meter hohen Betonmauer, auf die als Schutz eine Plexiglasscheibe montiert wird.

Die heutige AB-Haltestelle müsste um etwa 40 Meter Richtung Teufen – auf die andere Seite des Restaurants Riethüsli und an den Anfang der Riethüslistrasse – verschoben werden.

Quartierverein gesprächsbereit

Der Vorstand des Quartiervereins Riethüsli begrüsse das Ruckhalde-Projekt im Grundsatz, hielt gestern Quartiervereinspräsident Hannes Kundert fest. Wenn etwas anderes kolportiert werde, sei das schlicht falsch. Der Quartierverein sei auch zum Gespräch mit den Appenzeller Bahnen bereit.

Der Impuls dafür müsse aber von der Bahn ausgehen.

Für Hannes Kundert trägt die aktuelle Planung für das Südportal des Ruckhalde-Tunnels den Interessen des Riethüsli zu wenig Rechnung. Die Rampe mit Mauer und Plexiglas werde das Quartier neben der Strasse noch stärker entzwei schneiden. Wenn man daran festhalte, verspiele man auch die Chance, im Zentrum des Quartiers Freiraum für eine Aufwertung zu gewinnen.

Der Vorstand des Quartiervereins schlägt daher vor, den Tunneleingang 200 Meter Richtung Teufen zu verschieben. Die damit frei werdende Fläche auf der heutigen Trassee der AB mitten im Quartier könne vielfältig genutzt werden, ist Kundert überzeugt. Ideen und Wünsche gebe es viele – vom zusätzlichen Velostreifen über Kurzzeit-Parkplätze, Haus-Zufahrten und breiteren Trottoirs bis hin zu Bäumen. Was man realisieren könne, müsse geprüft werden. Zuständig dafür sei die Stadt St. Gallen.

Dass mit der vom Vorstand des Quartiervereins vorgeschlagenen Lösung die heutige AB-Haltestelle rund 200 Meter Richtung Teufen verschoben werden müsste, sieht Hannes Kundert nicht als Nachteil. Damit erschlösse die Bahn jene Teile des Quartiers, die durch die Busse der Verkehrsbetriebe nicht bedient werden. Aus der heutigen Konkurrenz der Haltestellen entstünde nach Meinung von Hannes Kundert eine echte Ergänzung von Bus- und Bahnangebot.

Zentrale Haltestelle beibehalten

Genau das sehen die Projektverantwortlichen der AB, der involvierten Kantone und der Stadt anders. Sie wollen an der zentralen Lage der Bahnhaltestelle auf jeden Fall festhalten. Dies, weil die Bahn täglich von vielen Schülern des gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums Riethüsli benutzt werde, begründet AB-Mediensprecher Alexander Liniger. Auch die Stadt als Mitverantwortliche im Projekt habe Interesse an der Haltestelle signalisiert.

Und im Quartier gebe es öV-Benutzer, denen die zentrale Haltestelle mit Verbindung Richtung Appenzellerland und zum Hauptbahnhof wichtig sei. Alternativen für die Haltestelle wurden gemäss Liniger geprüft, etwa eine unterirdische Anlage bei der VBSG-Endstation Riethüsli. Eine solche Lösung sei aber im Bau wie im Betrieb sehr teuer. Erfahrungen an anderen Orten der Schweiz zeigten zudem, dass viele Leute unterirdische Haltestellen mieden.

Zusatzkosten durch Verlegung

Ein weiterer Grund für das Festhalten an der vorliegenden Lösung ist für die Projektverantwortlichen, dass das Verschieben des Tunneleingangs Mehrkosten nach sich zöge. Der Tunnel selber würde nur wenig länger, die Rampe zur Überwindung des Niveauunterschieds müsste aber um rund 30 Prozent gestreckt werden. Auch wären zusätzliche Umbauten an der Bahnlinie nötig. Dadurch kämen geschätzte Mehrkosten von zwei bis vier Millionen Franken auf die Bahn zu.

Südeingang des Ruckhalde-Tunnels vor dem Haus Teufener Strasse 147 (links): Ab hier steigt die Bahn auf einer Rampe an die Oberfläche. Um sie herum gibt es eine Betonmauer mit Plexiglasscheibe darauf. (Bild: Illustration: Appenzeller Bahnen)

Südeingang des Ruckhalde-Tunnels vor dem Haus Teufener Strasse 147 (links): Ab hier steigt die Bahn auf einer Rampe an die Oberfläche. Um sie herum gibt es eine Betonmauer mit Plexiglasscheibe darauf. (Bild: Illustration: Appenzeller Bahnen)

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