Diskussionen um die Steuerpflicht

2014 hat die Mühleggbahn auf 91 600 Fahrten 558 000 Passagiere befördert. Das sind leicht weniger als 2013. Ursache dafür waren nach Angaben an der GV vom Montag Sanierungsarbeiten im Tunnel des Bähnchens zwischen südlicher Altstadt und St. Georgen.

Margrith Widmer
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Das Mühleggbähnchen fährt in die Talstation ein. (Bild: Ralph Ribi)

Das Mühleggbähnchen fährt in die Talstation ein. (Bild: Ralph Ribi)

Die Mühleggbahn ist (wieder) von der Steuerpflicht befreit: Das konnte Verwaltungsratspräsident Philip Schneider am Montagabend an der Generalversammlung der Mühleggbahn AG mitteilen. Allerdings gelte gemäss Steuerverwaltung die Auflage, dass «keine übermässigen Dividenden» ausgeschüttet werden dürften. Was am Montagabend schallendes Gelächter auslöste. Schenkungen an die Mühleggbahn AG könnten von den Steuern abgesetzt werden, informierte Schneider weiter.

Keine «nationale Bedeutung»

Zuvor hatte das Steueramt befunden, eine neuerliche Steuerbefreiung sei nach der Bahnreform von 2009 nicht mehr möglich, da die Mühleggbahn «nicht von nationaler Bedeutung» sei. Das löste an der GV einen Entrüstungs- und auch wieder einen Lachsturm aus. Dann habe sich die Steuerverwaltung aber doch noch besonnen und trotzdem Steuerbefreiung gewährt. Begründung gemäss Philip Schneider: Die Bahn diene einem «öffentlichen Zweck».

Weniger Fahrten und Passagiere

Zur 122. Generalversammlung der Mühleggbahn AG im Adler in St. Georgen waren 193 Aktionäre und Aktionärinnen erschienen; sie repräsentierten 33 Prozent des Aktienkapitals. Im letzten Jahr wurden auf 91 600 Fahrten 558 000 Fahrgäste befördert. 2013 waren es 102 744 Fahrten und 615 000 Passagiere gewesen. Der Rückgang ist auf den ausserordentlichen Betriebsunterbruch im Frühling 2014 zurückzuführen: Damals hatte der Technische Leiter der Bahn bei der Revision im Tunnel eine Ausbuchtung entdeckt.

Rund acht Meter Tunnelwand mussten saniert werden, weil der beim Bau verwendete Sandstein in die Jahre gekommen war und das Material dahinter in den Tunnel drückte. Es sei nicht zu erwarten, dass ein weiterer solcher Schaden entstehen werde, sagte Philip Schneider. Hingegen muss der Tunnel ohnehin saniert werden. Der Verwaltungsrat habe ein Detailkonzept ausarbeiten lassen. Ziel sei, den Tunnel aus eigenen Mitteln und ohne Zeitdruck zu sanieren, so Schneider.

Für die Tunnelsanierung wurden 70 000 Franken erfolgsneutral über die Rückstellungen finanziert. Für künftige Erneuerungsarbeiten wurde eine Rückstellung von 221 000 Franken vorgenommen. Der Überschuss der Mühleggbahn für 2014 beträgt damit 607.09 Franken, 2,75 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nachdenken über die Zukunft

Nachgedacht werde auch über eine oder zwei neue Kabinen, sagte Verwaltungsratspräsident Schneider an der GV. Zwei Kabinen kämen allerdings wesentlich teurer zu stehen; zum Kreuzen müssten zusätzliche Schienen eingebaut werden. Die Steuerung müsste völlig erneuert werden, und der Unterhalt wäre ebenfalls kostspieliger. Es würden jetzt Abklärungen getroffen. Ob es allenfalls Unterstützung durch die öffentliche Hand gebe, sei noch nicht klar, so Schneider.

Kraftwerk- und Bähnchenpläne

Informiert worden sei die Mühleggbahn AG im letzten Jahr auch über Ideen und Projekte in St. Gallen, die sie im weitesten Sinn beträfen. Darunter war die Planung eines Wasserkraftwerks in der Mülenenschlucht, darunter waren aber auch Pläne für eine zweite unterirdische Bahn vom neuen HSG-Campus am Platztor hinauf zur heutigen Universität.

Jahresbericht und Rechnung 2014 der Mühleggbahn AG wurden an der GV vom Montagabend einstimmig genehmigt. Die Revisoren Jean-Claude Diener und Reinhard Harringer wurden im Amt bestätigt. Dem Verwaltungsrat wurde mit kräftigem Applaus «Entlastung gewährt».

Aus dem Licht ins Dunkel

Ein Aktionär regte eine digitale Anzeige an und eine Uhr, die rückwärts läuft und zeigt, wann die nächste Bahn fährt. Ein anderer Aktionär bat um mehr Licht: Man trete aus der Station in schwärzestes Dunkel. Philip Schneider stellte fest, der Verwaltungsrat habe dies einmal geprüft und es nicht als wirkliches Problem eingestuft. Schliesslich habe es Strassenlampen. Aber man werde die Situation nochmals anschauen. Schliesslich fragte ein Aktionär, warum man sich zur GV nicht habe per Fax anmelden können. «Weil die Stadtverwaltung den Fax abgeschafft hat», antwortete Verwaltungsrat Ralf Eigenmann.

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