«Diskussion geht mir zu weit»

Der Finanzbedarf der Schule Andwil-Arnegg belastet die Politische Gemeinde Andwil stark. Sie will mitreden, müsste dafür aber ihre Strukturen ändern. Gemeindepräsident Dominik Gemperli möchte sich noch auf keine Lösung festlegen.

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Über Andwils Zukunft diskutieren Schule und Gemeinde von Andwil und Gossau in diesen Tagen. (Archivbild: Urs Bucher)

Über Andwils Zukunft diskutieren Schule und Gemeinde von Andwil und Gossau in diesen Tagen. (Archivbild: Urs Bucher)

Herr Gemperli, die Schulgemeinde Andwil-Arnegg will sparen, so wie es der Gemeinderat angeregt hat. Da müssten Sie als Präsident der Gemeinde zufrieden sein.

Dominik Gemperli: Grundsätzlich muss das Bestreben der Schulgemeinde, ernsthaft Sparmassnahmen zu prüfen, als positiv gewertet werden. Wir zollen dem Schulrat dafür auch Respekt.

Aber?

Gemperli: Bei all den präsentierten Massnahmen gibt es einige, die zielgerichtet sind. Aber auch solche, wie die Streichung des Schwimmunterrichts, des Skilagers und der Wintersporttage, bei denen man sich fragen kann, ob sie aufgrund der geringen finanziellen Einsparungsmöglichkeit und der sozialen Komponente die richtigen Massnahmen sind.

Könnte aber mit dem geschnürten Sparpaket der Anstieg des Finanzbedarfs der Schule gestoppt und eine von Ihnen «angedrohte» Steuererhöhung vermieden werden?

Gemperli: Mit den aus meiner Sicht sinnvollen Sparmassnahmen, wie eine optimierte Klassenorganisation, dürfte die Kostenspirale gestoppt werden können – zumindest für den Moment. Ob sie Auswirkungen auf den Steuerfuss haben, kann ich derzeit nicht sagen. Das hängt auch von anderen Faktoren ab.

Wo sehen Sie noch Sparpotenzial?

Gemperli: Zuerst möchte ich sagen, dass die politische Gemeinde rechtlich gesehen keinen Einfluss nehmen kann auf die Entscheide des Schulrats. Die Schulgemeinde ist eine eigenständige Körperschaft. Wir können lediglich Anliegen formulieren. Ob weiteres Sparpotenzial besteht, ist eine Frage, die sich der Schulrat permanent stellen muss. Das eine oder andere dürfte schon möglich sein. Ich hoffe, dass die Kosten des Renovations- und Erweiterungsbaus, die in einer Machbarkeitsstudie lediglich grob geschätzt wurden, nicht in dieser Grössenordnung zu erwarten sind. Es sollte ein funktionaler Zweckbau realisiert werden.

Sie sprechen es an: Die Gemeinde kann keinen Einfluss nehmen. Dies, obwohl der Finanzbedarf der Schule der bedeutendste Ausgabenposten in der Gemeinderechnung ist. Sie möchten dies ändern.

Gemperli: Bei dieser Ausgangslage mit dem steigenden Finanzbedarf der Schule und dem anstehenden Bauvorhaben ist es naheliegend, dass sich der Gemeinderat mit strukturellen Fragen beschäftigt. Die Idee einer Einheitsgemeinde ist dabei etwas in den Vordergrund gerückt. Wir wollen jedoch den Fokus öffnen und weitere Szenarien diskutieren. Deshalb sind die beteiligten Räte zu einem Workshop geladen, der dieser Tage stattfindet. Die Diskussion, die mittlerweile geführt wird, geht mir zu weit. Es werden erste Szenarien favorisiert, obwohl die Grundlagen noch nicht genügend erarbeitet sind.

Kein Geheimnis ist aber, dass der Andwiler Gemeinderat die Bildung einer Einheitsgemeinde bevorzugt. Wie sähe dann die Lösung für Arnegg aus, das politisch zur Stadt Gossau gehört?

Gemperli: Die Idee wäre sicher, die Arnegger Kinder weiter in Andwil zu beschulen. Das könnte in einem Vertrag mit der Stadt Gossau gelöst werden. So wie auch der Besuch unserer Oberstufenschüler der Gossauer Schule vertraglich geregelt ist. Man bezahlt, hat aber kein formelles Mitspracherecht.

Das dürfte in Andwil, Arnegg und Gossau keine befriedigende Lösung sein. Wäre es nicht das Beste, man würde die Schulgemeinde Andwil-Arnegg mit jener in Gossau zusammenlegen?

Gemperli: Das ist ein weiteres Szenario, das wir diskutieren werden. Unser Problem wäre bei dieser Lösung aber nicht vom Tisch. Der Finanzbedarf der Schule würde der politischen Gemeinde Andwil weiter angemeldet werden, dann eben von der Stadt Gossau. Für die Gemeinde Andwil wäre es kaum eine strukturelle Verbesserung und für mich die Vorstufe zur Fusion der Gemeinde Andwil mit der Stadt Gossau.

Und dagegen wehren Sie sich.

Gemperli: Der Gemeinderat von Andwil ist bis heute der Meinung, dass die Gemeinde politisch eigenständig bleiben soll. Aber wir stellen uns der Diskussion.

Nochmals zum Sparpaket der Schule: Zwei amtierende Gemeinderäte von Andwil haben in Leserbriefen den Schulrat und seine Sparmassnahmen kritisiert. Eine eher unübliche Vorgehensweise.

Gemperli: Für mich sind in den Leserbriefen persönliche Ansichten formuliert worden, und nicht jene des Gemeinderats. Ich respektiere diese Meinungen. Sie sind aber nicht die des Gesamt-Gemeinderats.

Wer ist Schuld am steigenden Finanzbedarf der Schule?

Gemperli: Der grösste Teil des Finanzbedarfs, rund 80 Prozent, ist vom Kanton bestimmt. Er legt beispielsweise die Lehrerlöhne fest. Hier bleibt der Schulgemeinde kein Spielraum. Es gibt aber Bereiche, wo Einfluss genommen werden kann, beispielsweise bei der Zahl und Grösse der Klassen.

Die Gemeinde Andwil hat in den vergangenen Jahren auch wegen ihrer angepriesenen Vorteile eines Wohnens in Andwil viele Familien mit Kindern angezogen. Die Konsequenz: mehr Kinder, mehr Schulkosten. Sind diese Auswirkungen unterschätzt worden?

Gemperli: Das würde ich nicht sagen. Vielmehr ist es eine Folge unserer Attraktivität. Wir haben fast doppelt so viele schulpflichtige Kinder pro Haushalt wie Gossau ohne Arnegg. Zeitgleich hat der Kanton im Rahmen seiner Steuergesetzrevision die Kinderabzüge verdoppelt. Einerseits haben wir eine grosse finanzielle Belastung wegen der vielen Kinder, anderseits ein geringeres Steueraufkommen. In der Tat leiden wir derzeit etwas unter unserer Attraktivität. Interview: Marion Loher

Dominik Gemperli Gemeindepräsident Andwil (Bild: Quelle)

Dominik Gemperli Gemeindepräsident Andwil (Bild: Quelle)

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