Direkter Draht ins Schulamt

Elternräte und Elternforen sind in der Stadt aktiv wie kaum zuvor. Mit dem Informationsaustausch zwischen Schule und Eltern sind sie zufrieden. Wie viel sie in der Schulorganisation aber wirklich mitreden können, ist vielen noch unklar.

Lea Müller
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Sicher über die Strasse: In St. Georgen hat der Elternrat einen Verkehrslotsendienst ins Leben gerufen. (Bild: Urs Bucher)

Sicher über die Strasse: In St. Georgen hat der Elternrat einen Verkehrslotsendienst ins Leben gerufen. (Bild: Urs Bucher)

Eltern melden sich immer häufiger zu Wort. In St. Georgen forderte der Elternrat an einer Podiumsdiskussion mehr ausserschulische Betreuung für die Kinder im Quartier. Im Riethüsli schlug er Alarm, weil das Neubauprojekt der Primarschule auf Einsparmöglichkeiten geprüft wird. Die Eltern wachen aber nicht nur mit Argusaugen über die schulische Situation, sondern setzen auch eigene Projekte um: Kürzlich wurde in St. Georgen ein Verkehrslotsendienst ins Leben gerufen. In Rotmonten organisierten Eltern einen Vortrag von Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie. Vor fast 1000 Zuhörern sprach er an der Universität St. Gallen über die Auswirkungen von Bildschirmmedien auf Kinder und Jugendliche.

Mehr als Kuchen backen

In einem Elternrat tätig zu sein, bedeutet heute weit mehr als Kuchen backen und Feste organisieren. «Wir sind froh, dass die Elternräte so aktiv sind», sagt der städtische Schulamtsleiter Christian Crottogini. So könne das Schulamt herausspüren, welche Themen in den Quartieren unter den Nägeln brennen.

Doch wie viel können und dürfen die Eltern überhaupt mitreden? Die Direktion Schule und Sport hat dazu einen Leitfaden verfasst: Demnach sollen die Aktivitäten der Elternräte die Integration fördern, die Gesprächskultur zwischen Eltern und Schule pflegen und den Informationsaustausch verbessern. Ausführlicher beschreibt das Leitbild aber, was Eltern nicht dürfen: Sie haben gegenüber der Schule keine Aufsichtsfunktion und sind weder für die Beratung noch die Beurteilung einzelner Lehrkräfte zuständig. Sie dürfen keinen Einfluss nehmen auf die interne Organisation der Schule und den Stundenplan. Und sie kümmern sich nicht um individuelle Schulprobleme einzelner Kinder.

Dass ein Elternrat seine Kompetenzen überschreite, komme selten vor, sagt Christian Crottogini. Grundsätzlich habe das Leitbild die Zusammenarbeit genau geregelt. Das sieht Adrian Strazza, Co-Präsident der Vereinigten Elternforen (Velfos), anders. «Es besteht durchaus noch Potenzial für Missverständnisse.» Oft seien sich die Elternforen nicht sicher, ob sie Ideen und Projekte selber umsetzen können oder zuerst das Schulamt kontaktieren müssen. Diese Unsicherheit hänge aber auch davon ab, wie gross die Unterstützung seitens der Schulleitung im Quartier sei. Velfos würde es grundsätzlich begrüssen, wenn die Zuständigkeiten klarer definiert wären, sagt Adrian Strazza.

Einfluss bis ins Parlament

Ansonsten funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Schulamt sehr gut, sagt der Co-Präsident von Velfos. «Die Informationen fliessen regelmässig.» Ein- bis zweimal jährlich trifft sich Christian Crottogini mit Vertretern von Velfos und gibt Auskunft zu allen möglichen Schulthemen. Vor drei Jahren gründete der Schulamtsleiter ausserdem die Impuls-Kommission. Darin sitzen nebst Lehrerpersonen und Vertretern des Schul- und Gesundheitsdienstes auch Velfos-Mitglieder. «Dieser Meinungsaustausch dient als Grundlage für die künftige Schulentwicklung», sagt Crottogini. Somit hätten die Kommissionsmitglieder Einfluss auf Projekte und Entscheide bis hin zu parlamentarischen Vorlagen.

Engagement mit Kehrseite

Christian Crottogini betont, dass die Elternräte eine wichtige Rolle in der Schulorganisation spielen. Dennoch seien sie für die einzelnen Schulquartiere keine Pflicht. Der Grundsatz, dass nur Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Rat oder Forum mitwirken können, hat auch eine Kehrseite: Die freiwilligen Mitglieder wechseln ständig. In manchen Schulquartieren – wie aktuell im Grossacker – schlafen die Elternforen gar zwischenzeitlich ein.

Das bekommt auch Velfos zu spüren. «Durch die hohe Fluktuation in den einzelnen Räten ist es schwierig, etwas Gemeinsames aufzubauen», sagt Adrian Strazza. Dabei wäre eine starke Vereinigung gerade in Zukunft wichtig: Schuldirektor Markus Buschor kündigt an, dass die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern künftig noch stärker gefördert werden soll: «Im Sinne der schulischen Integration wollen wir möglichst früh den Kontakt mit den Eltern aufnehmen und aufrechterhalten», sagt er.