Dietrich und die Kunst am See

In einem Referat brachte Dorothee Messmer, Leiterin Kunstmuseum Olten, den Zuhörenden im Kunstverein Rorschach das Leben von Adolf Dietrich näher.

Vroni Enzler-Engler
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Ein Werk von Adolf Dietrich. (Bild: zVg)

Ein Werk von Adolf Dietrich. (Bild: zVg)

RORSCHACH. Dorothee Messmer hat den Nachlass von Künstler Adolf Dietrich aufgearbeitet. Der gesamte Nachlass war der Thurgauischen Kunstgesellschaft vermacht worden. Nichts wurde verändert. Er umfasst das Haus wie Dietrich es beim Tod verlassen hat, mit allen Bildern, Skizzen, Fotos und über 1000 Briefkontakten. Er könnte heimkehren, sich an den Tisch setzen und weitermalen.

Adolf Dietrich, ein Autodidakt

Dietrich stammte aus ärmlichen Verhältnissen, geboren 1877 in Berlingen, gestorben 1957 ebenda. In jungen Jahren musste er immer einem Erwerb nachgehen. Er arbeitete als Trikotstricker, Bahnarbeiter, Waldarbeiter. Innerlich aber führte er ein bewegtes Leben. Den Sonntag nutzte er zum Malen, er wurde ein Sonntagsmaler. Als Kind war es sein Wunsch, «Wundersachen» nachzuahmen. Ein Lehrer unterstützte ihn in seinen Bestrebungen. Er erfuhr aber keine künstlerische Ausbildung. Er war Autodidakt. Ein erstes verkauftes Werk brachte ihm 20 Franken ein, die er nutzte, um sein Hausdach zu reparieren. Der Durchbruch kam 1920. In der Kunsthaus Galerie in Mannheim wurde er zwischen bedeutenden Künstlern aus Deutschland ausgestellt. Sein Förderer war Herbert Tannenheim. Dieser öffnete ihm den Weg zu weiteren Ausstellungen, auch in der Schweiz. Heute gilt er als einer der bedeutenden Schweizer Künstler. Adolf Dietrich stellte sich in einem Selbstbildnis als Bauer dar, gekleidet in einem Bauernhemd. Das Bild kann aber nicht verbergen, dass er sich seines Wertes durchaus bewusst und stolz war. Er war aber nie besonders interessiert an seinen eigenen Ausstellungen.

Stil der neuen Sachlichkeit

Dietrichs Arbeitsmittel waren anfangs sehr bescheiden. Er konnte sich keine feinen Pinsel und Ölfarbe leisten. So malte er Aquarelle. Er benutzte alle möglichen Malunterlagen für seine Bilder. Holz, Packpapier, gar Zeitungen, alte Fahrpläne und Briefumschläge. Diese Bescheidenheit behielt er immer bei. Seine besonderen Fähigkeiten lagen in der genauen Beobachtung. Alle Bestandteile seiner Bilder waren ihm gleich wichtig. Seine Werke werden einerseits der naiven Malerei zugeordnet, andererseits auch dem Stil der neuen Sachlichkeit. Besonders lieb waren ihm Landschaftsbilder seiner Heimat am Untersee. Oft malte er seine gefiederten Freunde, Tiere oder Stillleben, oder es kam in seinen Bildern eine Mischung von allem vor.

Der Schweizer Rousseau

Im Referat wurde mit vielen Beispielen aufgezeigt, wie Künstler sich gegenseitig inspirieren, auch Dietrich profitierte. Seine Bilder zeigen manchmal Ähnlichkeiten mit Bildern von anderen Künstlern seiner Zeit, mit denen er Kontakte pflegte. Dabei kann man klar die Malerei eines sogenannt naiven Künstlers erkennen und die eines akademisch Gebildeten. Dietrichs Bilder sind in seinem eigenen Stil gemalt. Man findet aber auch Gemeinsamkeiten mit Bildern von Künstlern aus anderen Generationen wie Albrecht Dürer und Albert Anker. Dietrich wurde oft als der neue Rousseau bezeichnet. Besondere Erwähnung gehört dem Garten auf der gegenüberliegenden Strassenseite seines Hauses in Berlingen. Von seinem Fenster aus zeichnete er diesen Barockgarten in den unterschiedlichsten Varianten. Der Garten wurde 1966 nach Bildern von Dietrich wiederhergestellt und kann, wie auch sein Haus, heute noch besichtigt werden.