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Dieter Rüfli: St. Gallens Mister Meistercup

Manche, und zwar nicht nur jüngere Anhänger des FC St. Gallen, zucken mit der Achsel, wenn sie mit dem Namen Dieter Rüfli konfrontiert werden. An seiner Körpergrösse von 1,70 kann es nicht liegen. Denn bei vier Vereinen hat Rüfli Grosses erreicht.
Fredi Kurth
Dieter Rüfli Der Stadtzürcher ist in St. Gallen heimisch geworden. (Bild: Fredi Kurth)

Dieter Rüfli Der Stadtzürcher ist in St. Gallen heimisch geworden. (Bild: Fredi Kurth)

Manche, und zwar nicht nur jüngere Anhänger des FC St. Gallen, zucken mit der Achsel, wenn sie mit dem Namen Dieter Rüfli konfrontiert werden. An seiner Körpergrösse von 1,70 kann es nicht liegen. Denn bei vier Vereinen hat Rüfli Grosses erreicht. Mit dem FC Zürich wurde er einmal, mit dem FC Basel zweimal Schweizer Meister sowie mit dem FC Winterthur und dem FC St. Gallen je einmal Nationalliga-B-Meister. Mehr noch: 1964 schoss Dieter Rüfli den FC Zürich in den Halbfinal des Meistercups, des Vorgängers der Champions League, und traf dort auf Real Madrid. Von den Schweizer Spielern beim FC St. Gallen, ob zugezogen oder abgewandert, hat es kaum ein anderer so weit gebracht.

Keine Outeinwürfe

Vielleicht haben Rüfli für ein höheres Renommée, anders als zum Beispiel den «Evergreens» Blättler oder Pfirter, Spiele in der Schweizer Nationalmannschaft gefehlt. Der Grund war aussergewöhnlich: Rüfli kugelte sich verschiedene Male die rechte Schulter aus, weshalb er in seiner Laufbahn keine Outeinwürfe ausführen konnte. «Dieses Handicap wurde von den Nationaltrainern nicht geduldet», erzählt er selber.

Die zwei Jahre auf dem Espenmoos bezeichnet Rüfli als «schöne Zeit». Immerhin schoss er Tore zum Aufstieg im Jahr 1970 und zum Ligaerhalt ein Jahr später, als St. Gallen im Entscheidungsspiel gegen Luzern die Klasse sicherte. Einige Male war Rüfli auch am Knie verletzt, musste sich mehrmals am Meniskus operieren lassen und liess dann im Alter von 29 Jahren seine Karriere bei DJK Konstanz in der höchsten deutschen Amateurliga ausklingen. Rüfli, heute 72jährig, wohnte aber weiterhin in St. Gallen. Er tut dies bis zum heutigen Tag. «Nie hätten wir gedacht, dass wir hier bleiben würden», sagt seine Gattin Susanne, die Schwester des früheren FCZ-Flügelstürmers Christian Winiger, der für kurze Zeit ebenfalls die grün-weissen Farben trug. Mit ein Grund war, dass Rüfli in der Gallusstadt im Ölhandel bei der Firma Steinmann (später Osterwalder) eine interessante Anstellung fand. Noch heute erhält er Bestellungen von guten Kunden, die er dann weiterreicht.

Der Enkel steht im Tor

Nach wie vor pflegt Rüfli Kontakte zu ehemaligen Mitspielern des FC St. Gallen und schaut sich die meisten Spiele am Fernsehen an. «Unglaublich, wie der Zwei-Tore-Vorsprung gegen Lugano noch aus den Händen gegeben wurde», sagt er immer noch verärgert zum Spiel vor einer Woche. Konstant Freude hat er an seinen beiden Enkelkindern Lars und Noemi. Der Bube kickt beim FC Rotmonten, in einem Alter, wo die Torhüter auch noch als Feldspieler agieren. «Aber im Tor ist er richtig gut.» Na ja, wenn Daniel Lopar mal abtritt… Von St. Gallens Torhüter hält Rüfli übrigens sehr viel: «Er hätte ein Aufgebot in das Nationalteam verdient.»

Wie Marcel Koller

Der kleine Dieter brauchte beim FC Schwamendingen nicht lange, um auf sich aufmerksam zu machen, und spielte schon mit knapp 15 Jahren in der 1. Mannschaft des Zweitligavereins. Beim FC Zürich wurde man hellhörig. Präsident Edi Nägeli gab ihm einen für heutige Verhältnisse bescheidenen Vertrag. Der Start in der Nationalliga A erfolgte wegen der ersten Meniskusverletzung zögerlich. Rüfli war aber der erste Fussballer des FC Schwamendingen, der in der höchsten Liga debütierte. Seine Nachfolger waren unter anderen Marcel Koller und zuletzt die drei Brüder Rodriguez.

Der unbelohnte Held

Rüfli erlebte in jungen Jahren die verrückte Meistersaison, in welcher der FC Zürich das Startspiel in Lausanne 1:9 verlor und danach fast alles gewann. Dramatisch verlief auch die darauffolgende Spielzeit 1963/64 im Europacup der Meister. Im Achtelfinal gegen Galatasaray Istanbul gab Zürich den 2:0-Vorsprung aus dem Heimspiel wieder preis, weil René Brodmann (er war später Spielertrainer beim FC St. Gallen) zweimal den Ball im Strafraum in die Hände nahm. Er glaubte beide Male, der Schiedsrichter hätte gepfiffen.

Nach dem 1:0-Sieg im Entscheidungsspiel in Rom verlor Zürich bei Eindhoven im Viertelfinal 1:2. Im Rückspiel benötigte der FCZ noch dringend ein Tor: Brodmann schoss einen Freistoss an die Latte, Rüfli verwertete den Abpraller geistesgegenwärtig zum 3:1. Somit stand er im Halbfinal gegen Real Madrid, mit Di Stefano, Puskas und weiteren Stars schon damals «das weisse Ballett» genannt.

Rüfli sass dann allerdings vielmehr in diesem Halbfinal: Er musste von der Ersatzbank aus das Geschehen verfolgen. Trainer Louis Maurer hatte vor dem grossen Gegner noch grösseren Respekt und verzichtete auf einen Mittelstürmer. Feldspieler durften noch nicht eingewechselt werden. «Aber ich war dabei; wir waren alle eine verschworene Gemeinschaft.»

Mannschaftsdienlicher Spieler

Rüfli wurde 1968 mit Winterthur zweitbester Torschütze der Nationalliga, hinter dem St. Galler Walter Müller. Tore schiessen, immer wieder Tore, mit dem Fuss, mit dem Kopf, aus kurzer oder grosser Entfernung. Das war Rüflis Auftrag, den er – wie einmal im Tagblatt stand – auch als «mannschaftsdienlicher Spieler» erfüllte. Gäbe es beim FC St. Gallen eine Ehrengalerie, Dieter Rüfli hätte ganz sicher einen Stammplatz darin.

Matchtip Dieter Rüfli: FC St. Gallen – Grasshoppers 1:1 (Sa, 20 Uhr, AFG Arena)

Dieter Rüfli (Bildmitte) Mitte der 1960er-Jahre im Einsatz für den FC Zürich gegen Chiasso. (Bild: ky)

Dieter Rüfli (Bildmitte) Mitte der 1960er-Jahre im Einsatz für den FC Zürich gegen Chiasso. (Bild: ky)

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