Die Zukunft ist reichlich unbequem

Kaum ein Auto war diese Woche mehr Gesprächsthema als der DeLorean DMC-12. René Metzler hat eine solche Zeitmaschine aus den Kultfilmen «Back to the Future» in der Garage. Mit «Flux-Kompensator» aber nur als Modellauto.

Corinne Allenspach
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René Metzler mit seinem DeLorean DMC-12. Am besten gefallen dem Autosammler die Flügeltüren und die gebürstete Chromstahlkarosserie. (Bilder: Urs Bucher)

René Metzler mit seinem DeLorean DMC-12. Am besten gefallen dem Autosammler die Flügeltüren und die gebürstete Chromstahlkarosserie. (Bilder: Urs Bucher)

MÖRSCHWIL. Geliebäugelt hatte er schon immer damit, aber bis schliesslich einer in seiner Garage stand, dauerte es ein paar Jahre. «Ich hatte Mühe, einen DeLorean DMC-12 zu finden, der in der Schweiz die Strassenzulassung hat», sagt René Metzler. Denn meistens stünden die Flügeltüren zu weit raus. Inzwischen ist der heute 80-Jährige seit 15 Jahren stolzer Besitzer eines vorgeführten Exemplars, Baujahr 1981. Fahren tut er den Sportwagen aber selten. «Er ist nicht wirklich bequem. Es ist mehr ein Auto zum Anschauen», sagt Metzler und lacht.

Alle wollen reinsitzen

Und anschauen wollen den DeLorean DMC-12 alle, die bei René Metzler ein und aus gehen. Vor einem Jahr hat der in Goldach aufgewachsene Immobilientreuhänder sein neues Haus in Mörschwil bezogen. Das Untergeschoss ist ein grosser Showroom: Über 30 Edelkarossen reihen sich Seite an Seite. Vom Hudson mit Baujahr 1935, den ein Aargauer Zahnarzt für 7500 Franken bauen liess, über einen schwarzen «Gangster-Citroën», der einst Peter, Sue & Marc gehörte bis zu einem Querschnitt aus der Mercedes-Palette von 1957 bis 2015. Und mittendrin ein DMC-12.

Hätte es die «Back to the Future (Zurück in die Zukunft)»-Filme nicht gegeben, würde das Auto heute vermutlich kaum mehr jemand kennen. So aber interessiere sich eigentlich jeder dafür, sagt Metzler. «Am liebsten wollen die Leute reinsitzen.» Einen Wunsch, den er gerne erfüllt. Wobei das gar nicht so einfach ist, wie ein Selbstversuch zeigt. Man muss praktisch liegen, damit der Kopf noch Platz findet unter dem Dachhimmel. Und gleichzeitig beim Einsteigen die Flügeltüren zu schliessen, erfordert einiges an Gleichgewichtssinn. Als leidenschaftlicher Sammler zeigt René Metzler seine Autos gerne. Für Bekannte macht er auch Führungen. Nicht, um anzugeben, sondern weil er weiss, dass viele Leute fasziniert sind von schönen Autos. «Obwohl im Strassenverkehr immer über Autos geschimpft wird.» Damit die Gäste auch den Unterschied zum «richtigen», mit «Flux-Kompensator» bestückten Filmauto sehen, hat Metzler ein solches als Modell gleich neben dem Originalauto plaziert.

Sieht sportlicher aus, als er ist

Der DMC-12 ist zwar nicht sein Lieblingsauto, fasziniert ist er trotzdem. Vor allem von den Flügeltüren und der rostfreien, gebürsteten Chromstahlkarosserie, die heute noch als absolute Innovation gilt. Beim Rundgang ums Auto weist Metzler auf die zwei Auspuffe hin, die dem 1,3 Tonnen schweren DMC-12 ein sportlicheres Aussehen verleihen, auf die hinteren Räder, die grösser sind als die vorderen, die fehlende Servolenkung oder auf den Kühlergrill am Heck, weil der Motor hinten sitzt. «Der DMC-12 sieht schneller aus, als er ist», sagt Metzler. Mit seinem 6-Zylinder-Euro-Motor und seinen 132 PS sei er relativ schwach motorisiert. Metzler schätzt, dass es in der Schweiz nur eine Handvoll dieser Autos gibt.

Ein Blick auf autoscout.ch verrät, dass gleich zwei zum Verkauf stehen. Einer für 49 800, der andere für 69 000 Franken. Damit gewann das Auto trotz Kultstatus zumindest finanziell nicht an Wert. Laut Wikipedia betrug der Neupreis 1982 rund 75 000 D-Mark. «Manchmal ist es nicht das teuerste Auto, das am wertvollsten ist», sagt Metzler. Er selber mag seinen Renault 4 CV am liebsten, den er 1954 von seinem ersten Geld gekauft hat. Für eine neue Batterie habe es nicht mehr gereicht. Drum habe er stets abwärts parkiert, um notfalls besser anschieben zu können. Aber eigentlich hänge sein Herz sowieso mehr an den Tieren als an Autos, räumt der 80-Jährige ein. Seit 30 Jahren züchte er in Trogen Hochlandrinder. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte.

Der Motor sitzt hinten, unverkennbar sind die mosaikartigen Lichter. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Der Motor sitzt hinten, unverkennbar sind die mosaikartigen Lichter. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))