Die Zukunft der (Auto-)Mobilität

St. Gallen hat unter den grossen Schweizer Städten die grösste Dichte an motorisiertem Individualverkehr. Dieser Wert soll mit dem Energiekonzept 2050 verkleinert werden. Das Carsharing-Unternehmen Mobility wittert hier eine Chance.

Elisabeth Reisp
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Thomas Schwager Mobility, Verantwortlicher Region Ostschweiz (Bild: pd)

Thomas Schwager Mobility, Verantwortlicher Region Ostschweiz (Bild: pd)

St. Gallen schwingt gemäss Harry Künzle vom Amt für Umwelt und Energie beim motorisierten Individualverkehr obenaus. Gemäss Thomas Schwager, Grüne-Kantonsrat und Mobility-Regionsverantwortlicher für die Ostschweiz, hinkt St. Gallen hingegen bei der Zahl der Mobility-Nutzer den anderen Schweizer Städten hinterher. Diese Werte sollten getauscht werden, finden beide. Heute Donnerstag stellen sie an einem öffentlichen Diskussionsanlass mögliche Massnahmen vor.

Jeder Dreissigste nutzt Mobility

Das Energiekonzept 2050 der Stadt St. Gallen hat zum Ziel, die CO2-Belastung zu senken. In den Bereichen Wärme, Strom und Mobilität soll die Energieeffizienz gesteigert werden. Im Bereich Mobilität sollen diese Ziele beispielsweise mit Carsharing erreicht werden. Das grösste Schweizer Carsharing-Unternehmen Mobility sieht hier seine Chance. In den 15 grössten Schweizer Städten benutzt jeder Dreissigste das Angebot von Mobility. In Zürich oder Basel sind es noch mehr.

Um auch in St. Gallen mehr Nutzer zu gewinnen, möchte die Carsharing-Genossenschaft ihre roten Fahrzeuge möglichst oberirdisch parkieren. «Einerseits damit sie gesehen werden, andererseits weil vielen Kunden nicht wohl dabei ist, in der Tiefgarage zu parkieren», sagt Schwager. Die Stadt aber verbannt oberirdische Parkplätze kontinuierlich in den Untergrund. Von Künzle erhält Schwager in dieser Frage Rückendeckung: Für das Energiekonzept 2050 sei ein Massnahmenkatalog erarbeitet worden, um Carsharing zu fördern. Eine der Massnahmen sehe oberirdische Parkplätze vor. «Aus Sicht des Energiekonzepts macht es Sinn, Carsharing mit Taxis gleichzusetzen. Beide zahlen für einen Standplatz.» Selbst bei grossen Überbauungsplänen müssten mittlerweile oberirdische Parkplätze für Carsharing eingeplant werden. «Aber der Stadtrat entscheidet und seine offizielle Meinung ist, die Mobility-Autos sind nicht anders zu behandeln als der motorisierte Individualverkehr.»

Es fehlt Erdgas im Zentrum

Energieeffizienz steigern und CO2-Belastung senken ist auch mit einem erdgasbetriebenen Auto möglich. Mobility habe versuchsweise zwei Erdgas-Autos in St. Gallen stationiert gehabt, sagt Schwager. Diese verfügten sowohl über einen Benzin- als auch über einen Erdgastank. Erdgas ist in St. Gallen allerdings nur an zwei Tankstellen erhältlich. Eine ist im Stephanshorn, die andere bei der AFG Arena. Für die meisten Mobility-Nutzer lagen diese nicht am Weg. «Deshalb wurde doch meist mit Benzin gefahren», sagt Schwager. Der Versuch wurde schliesslich abgebrochen. Beim Amt für Umwelt und Energie ist man sich dieses Problems bewusst. «Wir haben Gespräche mit verschiedenen Tankstellen-Betreibern geführt, um auch eine Erdgas-Säule im Zentrum zu haben», sagt Künzle. Für die Stadtverwaltung selbst wäre dies auch ein Vorteil, denn Personenwagen für die verschiedenen Amtsstellen sollen schrittweise durch Hybrid-Fahrzeuge ersetzt werden.

Für den Carsharing-Anbieter Mobility ist Erdgas derzeit vom Tisch. Welche Bedeutung Mobilität im Rahmen des Energiekonzepts 2050 hat, wird Thema der heutigen Diskussion sein.

Die Mobilität im Energiekonzept 2050, 19 Uhr, Restaurant Dufour.

Harry Künzle Leiter Amt für Umwelt und Energie (Bild: Urs Jaudas)

Harry Künzle Leiter Amt für Umwelt und Energie (Bild: Urs Jaudas)