«Die wollen uns doch gar nicht»

Die Fusionsidee zwischen Flawil, Degersheim und Gossau scheint weder die Flawiler noch die Degersheimer gross zu berühren, wie eine nicht repräsentative Umfrage zeigt. Kaum jemand glaubt, dass aus der Idee je einmal Realität wird.

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Kommen sie zusammen? Zurzeit wird die Fusion von Flawil, Degersheim und Gossau diskutiert. (Bild: Bildmontage: Stephan Traber)

Kommen sie zusammen? Zurzeit wird die Fusion von Flawil, Degersheim und Gossau diskutiert. (Bild: Bildmontage: Stephan Traber)

Dass die Flawiler tendenziell eher Interesse zeigen, was östlich ihrer Gemeinde läuft, ist nicht erst seit gestern bekannt. Dass Degersheim schon immer lieber mit Herisau flirtet als mit den Flawilern, ist bei einer nicht repräsentativen Strassenumfrage ebenfalls herausgekommen. Dass Flawil, Degersheim und Gossau einmal heiraten könnten, kann sich aufgrund der bestehenden Situation kaum jemand vorstellen. Niemand will die Eigenständigkeit aufgeben.

Profitieren beim Fusionieren

Tolerant und neuen Ideen stets aufgeschlossen gibt sich Werner Bösch aus Flawil. Fusionen könnten durchaus sinnvoll sein, wenn alle Parteien davon profitieren: «Weil die drei Gemeinden jedoch derart verschieden sind, sehe ich eher schwarz.»

Helena Kramer aus Flawil könnte sich vor allem nicht vorstellen, mit Degersheim etwas zu unternehmen. «Dann stünde es um uns Flawiler wirklich schlimm.» Zudem glaubt sie nicht, dass Gossau mit Flawil und Degersheim fusionieren möchte. «Wer bereit ist, zu fusionieren, will auch profitieren.» Ausserdem finde sie es nicht gut, dass immer alle noch grösser werden wollen. Dabei gehe viel an Eigenständigkeit verloren.

Karl Schmid aus Flawil meint: «Wenn wir dank einer Fusion mit Gossau weniger Steuern zahlen müssten, wäre dies ja noch interessant. Doch die da oben würden uns das eingesparte Geld einfach auf eine andere Art wieder zurückholen.» Bei einer Fusion bestehe zudem die Gefahr, dass Arbeitsplätze verloren gingen. «Und das ist im Moment das allerletzte, was wir uns wünschen.»

Als Fusionspartner unattraktiv

Gerne nach Gossau oder in die AFG Arena einkaufen geht Cornelia Riedener aus Flawil. Wenn dank einer Fusion ein Postauto von Flawil her fahren würde, könnte sie sich ein Zusammengehen der Gemeinden vorstellen.

Marcel Büchler, Gewerbler in Degersheim, sieht in der Eigenständigkeit Degersheims den grösseren Nutzen. «Man muss dann nicht immer jemanden fragen, um etwas zu bekommen.» Der 80jährige Heinrich Weiss aus Degersheim glaubt, dass die Gemeinde als Fusionspartner sowieso unattraktiv sei, «weil wir uns finanziell in einem Loch befinden». Ähnlich denkt Alois Schweizer: «Wer will schon zwei Kranke übernehmen?» (uno/cor)