Die Witzbolde und der Trainer

Der Geheimfavorit ging gestern an der Fussball-WM ans Werk. Dass praktisch alle Sitze des Palace besetzt waren, hatte aber doch andere Gründe als die Belgier und ihre Vorschusslorbeeren: Jeff Saibene war da.

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Jeff Saibene nachdenklich: Der Trainer des FC St. Gallen kommentierte gestern im Palace das Spiel Belgien gegen Algerien. (Bild: Reto Voneschen)

Jeff Saibene nachdenklich: Der Trainer des FC St. Gallen kommentierte gestern im Palace das Spiel Belgien gegen Algerien. (Bild: Reto Voneschen)

Der Geheimfavorit ging gestern an der Fussball-WM ans Werk. Dass praktisch alle Sitze des Palace besetzt waren, hatte aber doch andere Gründe als die Belgier und ihre Vorschusslorbeeren: Jeff Saibene war da. Mit ihm am Moderatorenpult sass das Adrenalin-Team von Toxic-FM: Jaan Schaller und Lukas Bollhalder, geliebt und gehasst für ihr ironisches Radio-Gequassel zu den Spielen des FC St. Gallens. Dessen Trainer ist nicht unbedingt für seinen Humor bekannt. Im Palace war Saibene denn auch nur unfreiwillig komisch.

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Vor dem Mach war der FCSG-Trainer vor allem «sehr gespannt» auf die Leistung der Belgier gegen den Underdog aus Algerien. Immerhin grenzt Belgien an Saibenes luxemburgische Heimat. Es hätte aber wohl auch Kirgisien auf dem Platz stehen können: Für ihn sei absolut jeder Match interessant, meinte Saibene, ganz der akribische Trainer. Weil die Belgier aber eine mindestens ebenso lahme erste Halbzeit auf den Platz brachten wie die Schweizer am Sonntag, war das Spiel bald zweitrangig.

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Schaller und Bollhalder schwadronierten nach Herzenslust – über den Hai etwa, der bei einem kurzen Bildausfall «wohl das Unterseekabel durchgebissen hat». Oder die «Sahnehäubchen-Startrampe» bei Freistössen. Was das Publikum amüsierte, lockte Saibene nicht aus der Reserve: Die Markierung aus der Sprühdose sei sicher nichts Schlechtes, meinte er trocken. «Sie erleichtert dem Schiedsrichter die Arbeit.»

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Unwillkommen war Saibenes gewohnt zurückhaltende Seriosität nicht: Schliesslich steht die neue Saison bevor. Das Wichtigste dazu: Saibene strebt einen Europa-League-Platz an. Er wird in den nächsten Tagen einen neuen Transfer verkünden. Und dann wird der Trainer doch noch «lustig»: Er sei so an Fussball interessiert, dass er «sogar Frauenfussball schaue». Ein Raunen geht durchs gender-trainierte Palace-Publikum. Dann: befreiendes Gelächter ob des Versprechers. (sch)

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