Die wichtigste Kirche der Stadt

Stadtkirche Patron der Laurenzenkirche ist der heilige Laurentius, der am 10. August des Jahres 258 den Märtyrertod erlitten haben soll. Er hatte sich geweigert, heidnische Götter zu verehren. Der römische Kaiser liess ihn dafür auf einen glühenden Rost legen. Das Kloster St.

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Stadtkirche Patron der Laurenzenkirche ist der heilige Laurentius, der am 10. August des Jahres 258 den Märtyrertod erlitten haben soll. Er hatte sich geweigert, heidnische Götter zu verehren. Der römische Kaiser liess ihn dafür auf einen glühenden Rost legen. Das Kloster St. Gallen könnte gemäss Johannes Duft zum Gedächtnis an diesen Tod 955 eine Kirche errichtet haben. An der Stelle, an der dieser Bau errichtet wurde, gab es bereits ein älteres Gebäude. Bei den Stadtbränden von 1215, 1314 und 1418 wurde St. Laurenzen zerstört. Erst der Bau aus den 1420er- und 1430er-Jahren blieb dann bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

Ab 1400 kann man St. Laurenzen als die wichtigste Stadtkirche bezeichnen. Sie hatte ein grosses, weit über die alte Stadt hinausreichendes Einzugsgebiet mit Straubenzell, Tablat, Rotmonten, Wittenbach bis Häggenschwil, Teufen (bis 1479), Bühler, Gais, Hundwil (bis um 1380), Trogen (bis 1463) und Speicher (bis 1613). Im späten 14. und 15. Jahrhundert waren bis zu neun Geistliche für die Angehörigen der Laurenzenkirche zuständig.

Gespanntes Verhältnis zum Kloster

Das Verhältnis von St. Laurenzen zur klösterlichen Mutterkirche verlief parallel zur Entwicklung von Stadt und Kloster. St. Laurenzen wurde als Stadtkirche zu einem Ort der Auseinandersetzung zwischen Stadt und Abtei. Fürstabt Ulrich Rösch etwa rief im 15. Jahrhundert dem Rat und dem Bürgermeister immer wieder in Erinnerung, dass St. Laurenzen eine von ihm und dem Kloster abhängige Kirche war.

Um das Kloster gegenüber der Laurenzenkirche attraktiver zu machen, erwirkte er Ablässe für alle Besucher des Klosters – nicht aber für jene von St. Laurenzen. Eine definitive Klärung brachte erst die Reformation. 1527 wurde in St. Laurenzen erstmals das reformierte Abendmahl durch die Gemeinde gefeiert.

Kirche als Ort der Stadtpolitik

St. Laurenzen war auch in politischer Hinsicht die wichtigste Stadtkirche: Sie diente als Ort für Bürgerversammlungen und Bürgermeisterwahlen. 1525 wurde hier Vadian erstmals zum Bürgermeister gewählt. Hier wurde zudem der «Leinwandreif» aufbewahrt. Das war das offizielle Tuchmass der Stadt.

Das heutige Aussehen von St. Laurenzen geht, abgesehen von ein paar spätmittelalterlichen Grundmauern, auf das 19. Jahrhundert zurück. Im Juni 1850 fand der letzte Gottesdienst in der alten Laurenzenkirche statt, danach wurde die Kirche ausgeräumt und das alte Holzwerk an die armen Haushalte zum Verfeuern verteilt. Die heutige, 1850 bis 1854 im neugotischen Stil erbaute Kirche wurde zwischen 1963 und 1979 innen und aussen renoviert. (So.)