Die warme Stube für kalte Tage

In der Vorweihnachtszeit ist die Bereitschaft zu spenden am grössten. Daher lanciert nun die Stiftung Suchthilfe ihre Spendenaktion. Sie kann die Gassenküche nur betreiben, wenn sie jährlich 300 000 Franken erhält.

Elisabeth Reisp
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Sobald die Tage kürzer und kälter werden, beginnt die Saison der Gassenküche im Linsebühl. Hier suchen Randständige und Süchtige etwas Wärme in der Gaststube und bekommen mittags für drei Franken eine warme Mahlzeit. Damit die Trägerschaft, die Stiftung Suchthilfe, das Angebot der Gassenküche aufrechterhalten kann, muss sie jedes Jahr 300 000 Franken sammeln. Denn die Gassenküche wird ausschliesslich durch Spendengelder finanziert.

Es reicht jeweils für eine Saison

An der gestrigen Medienorientierung kündete Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe, die Lancierung der diesjährigen Spendenaktion an, die traditionell in der Vorweihnachtszeit stattfindet. «Im Sommer ist die Spendenbereitschaft für eine Gassenküche einfach nicht so gross», sagt Niggli.

Sollte der benötigte Betrag an Spendengeldern nicht zusammenkommen, würde dies das Ende der Gassenküche bedeuten: «Wir erhalten jeweils so viel, um die Gassenküche eine Saison lang führen zu können.» Eine Defizitgarantie seitens der Stadt existiert nicht.

Zur Unterstützung der Spendenaktion hat die Stiftung Suchthilfe die St. Galler Kantonalbank beigezogen. Im Rahmen ihres Projekts «Freiwilligentage» hat die Kantonalbank bereits mehrmals einen Beitrag zur Integration der Randständigen geleistet. Mediensprecher Simon Netzle erklärte, wie sich die Bank engagiert.

Banker lernen von Abhängigen

Mitarbeiter der Bank haben sich zum wiederholten Mal mit den Randständigen in der Gassenküche zum Mittagessen und zum Spielenachmittag getroffen. Im Gegenzug habe man den Klienten der Gassenküche einen Blick hinter die Kulissen der Bank gewährt. Netzle ist überzeugt, dass beide Seiten von solchen Treffen profitieren. «Man sieht die Menschen danach mit anderen Augen.» Es sei ein Treffen auf Augenhöhe. Am Spielenachmittag etwa sind es oft Gassenküchen-Klienten, die den Bankern Backgammon oder das Jassen lehren. Nicht umgekehrt.

Auf die neue Saison hin hat die Gassenküche eine kleine Auffrischung erhalten. Die Kantonalbank hat die Renovation mit 5000 Franken unterstützt.

Zahl der Süchtigen bleibt stabil

Im letzten Jahr ist die Gassenküche um ein Fumoir ergänzt worden. Dies habe massgeblich zur Beruhigung im Quartier beigetragen, sagt Dirk Rohweder, Leiter der Gassenküche. «Die Investition hat sich wirklich gelohnt.»

Allgemein sei die Zahl der Drogensüchtigen in der Stadt stabil, sagt Jürg Niggli. Von einer Welle der gefährlichen Droge Crystal Meth sei man hier verschont geblieben.