Die Villa schläft und zerfällt

ST.GALLEN. Wie weiter mit der Villa Wiesental? Das Haus verlottert, der Heimatschutz befürchtet irreparable Schäden. Noch immer ist offen, wie die Eigentümerin das Grundstück nutzen wird.

Ralf Streule
Drucken
Teilen

Ein bauhistorisches Schmuckstück zerfällt. Die Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse 95 hat definitiv bessere Zeiten erlebt. Kletterpflanzen überwuchern die bröckelnden Fassaden, der Garten ist verwildert, zerschlagene Fensterscheiben sind nur behelfsmässig mit orangen Holzbrettern abgedeckt.

Offen, ob abgebrochen wird

Auf Anfrage vertröstet die Swisscanto-Anlagestiftung, die das Grundstück samt Villa im Herbst 2006 gekauft hat: Noch sei offen, wie es mit der leerstehenden Villa weitergehe. Die «Evaluation eines Projektes» sei noch nicht abgeschlossen, sagt Mediensprecher Roman Kappeler. Mit der Stadt sei aber ausgemacht, dass eine bauliche Lösung im Rahmen eines Architekturwettbewerbs erarbeitet werde. Im Sommer sollen konkretere Angaben zum weiteren Vorgehen gemacht werden können. Offen sei noch, ob ein neues Projekt einen Abbruch des Gebäudes überhaupt nötig machen werde.

Der oft geäusserte Verdacht, die Eigentümerin nehme das Verlottern der Villa bewusst in Kauf, damit ein Abbruch unumgänglich werde, sei unberechtigt, verteidigt sich Kappeler. Die Vorabklärungen für ein «solch grosses Projekt» und die einzelnen Schritte benötigten nun mal eine sorgfältige und damit zeitintensive Planung.

Heimatschutz macht Druck

Das angeschlagene Tempo gefällt dem St. Galler Heimatschutz überhaupt nicht. Präsident Andreas Jung befürchtet, dass das Bijou aus dem 19. Jahrhundert irreparablen Schaden nimmt. «Wir fordern, dass Massnahmen für den Erhalt der Villa getroffen werden.» Man überlege sich, mit einer Beschwerde bei der Stadt Druck zu machen, sagt Jung. Denn vor allem das wertvolle Interieur müsse vor Wind und Wetter geschützt werden.

Die Stadt selber sei nicht verpflichtet, die Villa zu sanieren, erklärt der städtische Bausekretär Fredi Kömme auf Anfrage. Dies sei nur dann der Fall, wenn – zum Beispiel durch einsturzgefährdete Gebäudeteile – Dritte zu Schaden kommen könnten. Für den Erhalt des Gebäudes müsste die Eigentümerin besorgt sein. Es dürfte aber nicht in ihrem Interesse sein, viel Geld in ein Gebäude zu stecken, das vielleicht bald abgebrochen wird. Zwar ist die Villa im Inventar-Entwurf der schützenswerten Bauten aufgelistet. Nach einem Entscheid des Verwaltungsgerichtes (siehe Kasten) ist aber ein Abbruch nach wie vor möglich, wenn eine städtebaulich interessante Neuüberbauung mit einer Interessenabwägung zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung dies rechtfertigt.

Verband ohne Beschwerderecht

Die Stadt macht schon länger keinen Hehl mehr daraus, dass ein Abbruch für sie keine Katastrophe wäre. Laut städtischem Bausekretär Fredi Kömme ist die Stadt «an einer weiteren Entwicklung dieses zentrums- und autobahnnahen Bereiches sehr interessiert».

Für Andreas Jung vom Heimatschutz aber ist klar, dass das historische Gebäude erhalten werden muss: «Es ist ein Schutzobjekt.» Einsprache einlegen wie noch 2003 wird der Heimatschutz nicht können. Seither ist das kantonale Verbandsbeschwerderecht abgeschafft worden.

Dem Abbruch geweiht? Bröckelnde Fassaden, Risse und fehlende Fenster an der Villa Wiesental. (Bilder: Ralph Ribi)

Dem Abbruch geweiht? Bröckelnde Fassaden, Risse und fehlende Fenster an der Villa Wiesental. (Bilder: Ralph Ribi)

Aktuelle Nachrichten