«Die vielen Unfälle mit E-Bikes geben Anlass zur Sorge»

Nachgefragt

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46 Unfälle mit E-Bikes hat die Kantonspolizei St. Gallen im vergangenen Jahr bearbeitet; das sind exakt doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Barbara Germann, Co-Präsidentin des Vereins Pro Velo Region St. Gallen, überrascht das nicht sonderlich. Innerhalb von Pro Velo gebe es unterschiedliche Meinungen darüber, ob E-Bikes zum Langsamverkehr gezählt oder wie motorisierte Verkehrsmittel behandelt werden sollten. Es gehe jetzt darum, eine Haltung zu entwickeln.

Barbara Germann, die Unfälle mit E-Bikes auf den Strassen in St. Gallen haben sich 2016 verdoppelt. Wie geht der Verein Pro Velo damit um?

Der Anstieg überrascht nicht; er gibt aber Anlass zur Sorge. Wir stehen schon lange ein für eine Anpassung der Verkehrsinfrastruktur und sind deswegen auch in ständigem Kontakt mit Politikern und Tourismusfachleuten. Anpassungen an Strassen, Wegen und der Signalisation brauchen indessen viel Zeit. Sehr viel Zeit!

Weshalb kommt es zu so vielen E-Bike-Unfällen?

E-Bikes sehen aus wie Velos, haben aber einen Elektromotor und sind deswegen schneller. Vielen ist unklar, ob ein Fahrer mit seinem E-Bike den Veloweg benutzen darf oder nicht. Solche Unklarheiten müssen rasch ausgeräumt werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass es E-Bikes und E-Bikes gibt – solche mit 25 und solche mit 45 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Es stellen sich viele Fragen und es braucht rasch klare verbindliche E-Bike-Reglen. Zudem stellt das Fahren mit einem E-Bike auch die Fahrerinnen und Fahrer selber vor Probleme. Stichworte sind Tempo und längere Bremswege.

Sind E-Bikes für den Verein Pro Velo ganz normale Velos?

Da gehen die Meinungen stark auseinander. Wir müssen diesbezüglich innerhalb von Pro Velo noch eine Haltung entwickeln.

In der Unfallstatistik der Polizei fällt auf: Viele ältere E-Bikerinnen und E-Biker sind in Unfälle verwickelt. Was raten Sie Seniorinnen und Senioren zur Prävention?

Es gibt E-Bike-Kurse für Seniorinnen und Senioren, beispielsweise bei der Pro Senectute. Diese sind empfehlenswert. Zudem rate ich zum Tragen eines Helmes und zu erhöhter Vorsicht bei der Wahl der Geschwindigkeit. (dwi)