Die Verwaltung spart am meisten

GOSSAU. Der Gossauer Stadtrat zieht Bilanz über das Sparpaket. Das Ziel von zwei Millionen Franken wurde dank zusätzlicher Einsparungen in der Verwaltung um eine halbe Million übertroffen. Die vielzitierte Zitrone war doch nicht ausgepresst.

Johannes Wey
Drucken
Teilen
Auch die Schule musste sparen. Sie tat dies unter anderem mit der Einführung von Integrationsklassen für fremdsprachige Schüler. (Bild: Ralph Ribi)

Auch die Schule musste sparen. Sie tat dies unter anderem mit der Einführung von Integrationsklassen für fremdsprachige Schüler. (Bild: Ralph Ribi)

53 Sparmassnahmen standen zur Diskussion, 34 wurden beschlossen. Das Gossauer Stadtparlament sah also von Kürzungen mit dem Zweihänder ab, schmerzhafte Einschnitte wurden für das vergangenen Jahr dennoch verlangt. Im Rahmen der Parlamentsvorlage zu Jahresrechnung und Geschäftsbericht zieht der Stadtrat nun Bilanz über das Sparpaket. Sein Fazit: Die geforderten Einsparungen von zwei Millionen Franken wurden erreicht, ja sogar um eine gute halbe Million übertroffen.

Schulden einfordern

Dieser Erfolg entfällt fast gänzlich auf die Entlastungsmassnahme «Prozessorganisation in der Verwaltung optimieren» – und damit in einen Ausgabenbereich, der während der Spardebatte vor allem von der SVP ins Visier genommen, vom Stadtrat und anderen Parteien aber verteidigt wurde. Die Floskel von der «ausgepressten Zitrone» war damals ein geflügeltes Wort. Wie viel Saft eine Zitrone hergeben kann, ist für Stadtpräsident Alex Brühwiler eine politische Frage. «Wenn wir den Freiraum bekommen, Leistungen abzubauen, können wir mehr sparen», sagt er, «auch wenn die Bürger das spüren.» Vor allem sei aber optimiert worden. «Wenn man genau hinschaut, gelingt das immer. Und immer wieder. Das ist eine Daueraufgabe, die regelmässig wahrgenommen wird.» Ins Gewicht fallen hier etwa ein Stellenabbau und Pensenreduktionen. Ausserdem konnte die Verwaltung für Institutionen wie den Sicherheitsverbund Dienstleistungen für 90 000 Franken erbringen. Einnahmen von alleine 250 000 Franken verzeichnete man aus dem Verlustschein-Inkasso: Das Finanzamt fordert nun konsequent Steuerschulden, Alimentenbevorschussungen oder Gebühren von Personen zurück, die solche Beträge wegen Privatkonkurses schuldig geblieben sind.

Bei den Stadtwerken verlangte das Parlament jährliche Mehreinnahmen von 400 000 Franken durch höhere Energietarife. Im vergangenen Jahr konnte der Betrag durch Einsparungen im Einkauf erzielt werden. Neue Tarife, um die Mehreinnahmen auch künftig zu sichern, sind noch keine festgelegt worden.

Schule verfehlt Ziele für 2014

Gross war auch der Beitrag, den die Schule leisten musste. 2014 sollten zwei Entlastungsmassnahmen umgesetzt werden: Die Vergrösserung der durchschnittlichen Schulklasse sollte 170 000 Franken bringen, die Reduktion bei Förder- und sonderpädagogischen Massnahmen 100 000 Franken. Beide Ziele wurden nicht erreicht. Zwar wurden je eine Kindergarten-, Primar- und Oberstufen-Kleinklasse geschlossen, aber eben erst auf das neue Schuljahr 2014/2015 hin und damit erst nach den Sommerferien. Ausserdem habe man auf viele Kosten keinen Einfluss. So blieben die Einsparungen diesbezüglich mit 113 000 Franken unter der Vorgabe. Der Stadtrat rechnet aber damit, dass die für 2015 budgetierten Einsparungen von 394 000 Franken um 100 000 Franken übertroffen werden.

Bei den Förder- und Sonderpädagogischen Massnahmen wurde die Vorgabe mit 95 000 Franken hingegen fast erreicht. Die geringere Zahl von Schülern in Sonderschulen und die Einführung von Integrationsklassen trugen erheblich dazu bei.

Weitere Einsparungen von mehr als 100 000 Franken gab es durch die Reduktion des Strassenunterhalts, die Kürzung der Finanz- und Sachhilfe im Sozialwesen, den Verzicht auf die Standortförderung und die Umsetzung der Gebührenordnung im Bauwesen. Doch nicht immer gingen die Sparübungen ohne Misstöne über die Bühne. Erst vor kurzem beklagten Vereine beispielsweise die hohen Kosten für die Nutzung des Fürstenlandsaals (Ausgabe vom 9. April).

Alex Brühwiler Stadtpräsident Gossau (Bild: Luca Linder)

Alex Brühwiler Stadtpräsident Gossau (Bild: Luca Linder)

Aktuelle Nachrichten