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Die versunkene Burg von Andwil

ANDWIL. Kaum jemand kennt die Burg Alt-Andwil. Kein Wunder, ist sie doch seit langem nicht mehr sichtbar. Dennoch gilt sie neu als schützenswerte Fundstelle. Bei einer Ausgrabung könnte man Gerüchten zufolge auf einen Geheimgang stossen.
Sebastian Schneider

Schon vor über einem Jahrhundert wurde sie vom Erdboden verschluckt: die Burgruine Alt-Andwil. Auch heute ist von ihr nichts zu erkennen. Von der Müliweierstrasse am Ostrand von Andwil sieht man nur eine begraste Hügelkuppe. Unspektakulär, alt und vergessen ist die Untergrund-Ruine dennoch nicht. Kürzlich wurde sie vom Kanton in die Liste der schützenswerten archäologischen Fundstellen aufgenommen und – zumindest theoretisch – aus ihrer Versenkung gehoben. «Der Gemeinderat hat diesen Schritt zur Kenntnis genommen», sagt Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Der Eintrag der Ruine in den kantonalen Richtplan werde sich für Andwil wohl weder schlecht noch gut auswirken. Eine Überprüfung habe man nicht vorgenommen, man wisse relativ wenig über die Ruine.

Steine bleiben begraben

Bereits vor dem Jahr 1200 muss mehreren Quellen zufolge die Burg aufgerichtet worden sein. Wie kommt man über 800 Jahre später plötzlich auf die Idee, sie als schützenswert einzustufen? «Die Ruine wurde im Rahmen der Richtplan-Überarbeitung in die Liste aufgenommen», erklärt Regula Steinhauser-Zimmermann, stellvertretende Leiterin der Abteilung Archäologie beim kantonalen Amt für Kultur. Zu bedeuten habe der Eintrag erst etwas, wenn jemand auf diesem Grundstück bauen wolle – nur unter archäologischer Begleitung oder zumindest archäologischer Beobachtung dürfe auf dem Hügel gegraben werden. «Vorderhand geschieht also nichts», sagt Steinhauser.

Plünderer aus Appenzell

Immerhin ist Andwils versunkenes Wahrzeichen – der Name Andwil ist auf die ersten Besitzer der Burg «Einwil» zurückzuführen – beim Kanton nun als eine von 550 schützenswerten Fundstellen registriert. Für den Eintrag habe man alle Informationen, die man von der Burg habe, zusammengetragen. Darunter ist etwa eine Federzeichnung aus dem Jahr 1852. Sie zeigt ein Giebelhaus, wahrscheinlich eine Mühle, und die Überreste der alten Burg auf dem Plateau.

Die offiziell «nicht genau lokalisierte» Burg war gemäss der zusammengetragenen Quellen bereits im zwölften Jahrhundert im Besitz der «Edlen von Andwil», die ein Zweig des thurgauischen Geschlechts von Andwil waren. Die Edlen hätten im Dienst des st. gallischen Stifts gestanden und im Gebiet Andwil-Gossau mehrere Herrschaften und Funktionen auf sich vereint. Doch die Zeit währte nicht lange. Im Jahr 1405 wurde die Burg im Appenzeller Krieg zerstört. 1470 soll sie von einem Mann namens Schmiedweber wieder aufgebaut worden sein, was einem Magazin der Gemeinde Andwil aus dem Jahr 1985 zu entnehmen ist. Andere Quellen berichten hingegen, sie sei nach dem Krieg nie mehr aufgerichtet worden.

Warum der Weiher verschwand

Die Burg, oder zumindest ihre nähere Umgebung, wurde weiter belebt. Mit Hilfe eines Weihers und einer Wasser-Druckleitung wurde eine Mühle und eine Säge betrieben. Doch wie und warum ist der Weiher verschwunden? Auf der historischen Siegfriedkarte aus dem Jahr 1878 ist der Weiher noch abgebildet und die Burg noch angeschrieben (siehe Grafik). Was ist in der Zwischenzeit passiert? Othmar Ledergerber, ein langjähriger Einwohner von Andwil, hat Antworten. Fast während seiner ganzen Lebenszeit hat er in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Weihers gelebt. Die Parzellen, die sein Vater einst erwarb, sind heute noch im Familienbesitz.

«Mein Vater war Landwirt», sagt Ledergerber. «Er hat die Wiese bewirtschaften wollen und darum den Müliweier abgesenkt.» Die Druckleitung zur Mühle bestehe noch. Vom alten Gebäude hat Ledergerber ein Bild aufbewahrt, eigene Erinnerungen an das grosse Giebelhaus hat der gelernte Mechaniker nicht: «Die Mühle brannte 1922 nieder, ich kam 1924 zur Welt.»

Gerüchte von Geheimgängen

Und was ist mit der Burg? Was weiss der 90-Jährige über sie? «Ich weiss nur das, was ich gesehen habe», sagt Ledergerber. Doch von einem Gerücht habe er gehört: «Man hat mir mal gesagt, es gebe einen geheimen Gang, der direkt zum Schloss Oberberg führt.» Mit einem ehemaligen Gemeindepräsidenten habe er einst abgemacht, im Ruhestand nach ihm zu suchen. Doch eine solche Unternehmung wäre dann doch etwas zu anstrengend gewesen, sagt Ledergerber und lacht.

Die Burgstockwiese am Ostrand von Andwil hat die Ruine Alt-Andwil gänzlich verschlungen. (Bild: Sebastian Schneider)

Die Burgstockwiese am Ostrand von Andwil hat die Ruine Alt-Andwil gänzlich verschlungen. (Bild: Sebastian Schneider)

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