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Die verlorenen «Hafen-Träume»

STEINACH. Das Gredhaus in Steinach steht seit über 500 Jahren. Das Kornhaus in Rorschach und die Erfindung der Eisenbahn machten das Gebäude aber bald bedeutungslos. Nun soll es als Mittelpunkt einer Begegnungszone dienen.
Christoph Renn
Das über 500 Jahre alte Gredhaus in Steinach ist heute in privatem Besitz. (Bild: ren)

Das über 500 Jahre alte Gredhaus in Steinach ist heute in privatem Besitz. (Bild: ren)

Der Rummel ist nach gut 500 Jahren noch immer gross. Heute baden Kinder im Seebad Steinach, wo früher Boote Waren an den Hafen fuhren. Das Gredhaus, ein Lagerhaus in Steinach, hat seit seiner Erbauung 1472 oder 73 – es gibt keine genaue Datierung – schon einiges erlebt. Und nun soll es einen erneuten Frühling erleben. «Wir wollen einen Ort der Begegnung schaffen, und dieser soll bei diesem historischen Platz sein», sagt Gemeindepräsident Roland Brändli. Was dies konkret bedeute, wisse er noch nicht, aber die Idee stehe einmal im Raum.

Stadt übernimmt Hafen

Die Geschichte des Steinacher Gredhauses, eines der seltenen spätgotischen Profanbauten (ein Gebäude für weltliche Zwecke), beginnt im frühen Mittelalter. Vorhandene Quellen verweisen auf die Existenz einer Landestelle in Steinach um diese Zeit, schreibt der Steinacher Achim Schäfer, Sammlungsleiter des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen, in einer unveröffentlichten Arbeit. Das Kloster St. Gallen entschied sich aus einem einfachen Grund für den Bau eines Hafens in dieser Gemeinde am Bodensee. Der Weg von Steinach über Wittenbach und Rotmonten in die Stadt St. Gallen ist der kürzeste. Und bei dem vielen Wald, den es zu dieser Zeit noch gab, war die Kürze ausschlaggebend. Bereits im Jahr 827 fanden Transporte von Korn und anderen Gütern auf dieser Strecke statt.

Die Abtei kam um 1400 jedoch in finanzielle Nöte, weshalb sie Rechte und Land verkaufte. 1438 erwarb der St. Galler Bürger Hugo von Watt Rechte des Klosters St. Gallen. So kam die Stadt St. Gallen in den Besitz des Hafens und hatte nun direkten Zugang zum Bodensee. Am 23. Juni 1459 bekam die Stadt zudem die Gerichtsrechte in Steinach und somit die Verfügungsgewalt über Anlege- und Stapelplatz in Steinach. Es fehlte nur noch die Bestätigung von Kaiser Friedrich, in ihrem Gebiet Zoll-, Gred- und Niederlassungshäuser zu bauen, die er der Stadt 1466 erteilte. Somit stand dem Bau des Gredhauses für Kaufmannswaren und Korn in Steinach nichts mehr im Weg.

«Rorschacher Klosterbruch»

Mit dem Gredhaus in Steinach und den Zolleinnahmen, die dieses mit sich brachte, erlangte die Stadt St. Gallen mehr Unabhängigkeit gegenüber dem Kloster. St. Gallen profitierte zu dieser Zeit bereits stark vom Import von Esswaren und Export von Leinwänden. Die Nutzung des Gredhauses durch die Stadt war aber wiederum nicht im Sinne der Abtei, denn diese konnte keine wirtschaftlichen Vorteile aus der Hafenanlage ziehen. Deshalb entschied Abt Ulrich Rösch, die Anlegestelle in Rorschach auszubauen – immer mit dem Hintergedanken, das Kloster nach Rorschach zu verlegen: ins Kloster Mariaberg.

Rorschach blieb aber trotzdem bis ins 15. Jahrhundert nur ein kleiner Marktort, nicht zuletzt wegen des erfolgreichen Hafens in Steinach. 1487 wollte die Abtei ihre Umzugspläne von der Stadt nach Rorschach umsetzen. Die St. Galler befürchteten, dadurch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor zu verlieren – Rorschach hätte gar Handelsschwerpunkt werden können, schreibt Achim Schäfer in seiner Arbeit. 1489 eskaliert die Situation im «Rorschacher Klosterbruch». Stadt-St. Galler, Appenzeller und Rheintaler zerstörten die sich im Bau befindende, oberhalb von Rorschach gelegene Klosteranlage Mariaberg. Die Klosteranlage wurde zwar 1497–1518 fertig gestellt, diente aber nur als Statthalterei und später als Schule.

Gredhaus verliert an Bedeutung

Nach der Auseinandersetzung wechselte das Gredhaus wiederum den Besitzer. 1490 mussten die Rechte wieder an die Abtei abgetreten werden. Damals befürchteten einige für Steinach den Weg in die Bedeutungslosigkeit. Doch das Gredhaus trotzte den Widerständen noch lange. Der Hafen in Steinach wurde in den 1550er- und 1560er-Jahren ausgebaut. Später wurde gar ein neuer Anlegesteg gebaut, dessen Reste noch heute unter der Wasseroberfläche vorhanden sind.

Trotzdem fand der Hafen Steinach als Warenumschlagplatz immer mehr sein Ende. Jedoch nicht die Konkurrenz zwischen Fürstabtei und der Stadt war ausschlaggebend, sondern der Ausbau der Fürstenlandstrasse Ende des 18. Jahrhunderts. Die Verbindung von Rorschach nach St. Gallen war ab dann besser. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verlor das Gredhaus in den Jahren zwischen 1822 bis 1875 vollständig an Bedeutung, denn die Waren wurden nicht mehr per Schiff transportiert. Nur im Jahr 1871 wurde das Gredhaus nochmals zu öffentlichen Zwecken genutzt, als es Unterkunft für 203 Bourbaki-Soldaten war.

Heute ein Treffpunkt

Heute befindet sich das Gredhaus in privatem Besitz. Immer wieder wurden Versuche unternommen, eine sinnvolle Verwendung für das Gredhaus zu finden. Aber ohne Erfolg. Der letzte Versuch erfolgte im Jahr 2003. Nun gibt es Räume für den privaten Gebrauch oder solche, die als Treffpunkt für Vereine oder als Ateliers für Hobbykünstler dienen. Im Kornhaus Rorschach lagert heute zwar kein Getreide mehr, dafür gibt es ein öffentliches Museum.

Eine Grenzkarte von Steinach in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts – mit Hafen und Gredhaus. (Bild: Stiftsarchiv St. Gallen)

Eine Grenzkarte von Steinach in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts – mit Hafen und Gredhaus. (Bild: Stiftsarchiv St. Gallen)

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