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"Stägestadt" St.Gallen: Die Treppen sollen verführen

Patrick Fust möchte St. Gallen zur «Stägestadt» machen und möglichst viele Leute zum Treppensteigen bewegen. Am Anfang stand die sportliche Seite im Vordergrund. Doch Treppen haben noch mehr Facetten.
Roger Berhalter
Patrick Fust unterwegs auf seiner Lieblingstreppe: Dem verwinkelten Fluhweg in St. Georgen. (Bild: Michel Canonica)

Patrick Fust unterwegs auf seiner Lieblingstreppe: Dem verwinkelten Fluhweg in St. Georgen. (Bild: Michel Canonica)

Der Fluhweg ist eine verwinkelte Treppe in St. Georgen, die unter mächtigen Bäumen von der Falkenburg- zur Gottfried-Keller-Strasse hinabführt. Man wähnt sich überall, nur nicht im Stadtzentrum. «Es ist hier wie auf einer Wanderung, dabei ist man mitten in der Stadt!», sagt Patrick Fust. Er wohnt mit seiner Familie in der Nähe, doch er hat den Fluhweg erst kürzlich entdeckt.

«Bolzengerade» am Rosenberg

Die Treppen der Stadt haben es Fust angetan. «Es gibt wohl in der ganzen Schweiz keine höhere Treppendichte als hier.» Der 41-Jährige möchte St. Gallen deshalb zur «Stägestadt» erklären und das Treppensteigen an der frischen Luft für Einheimische und Touristen attraktiver machen. Mittlerweile kennt er die Treppen der Stadt bestens. Er weiss, dass jene am Rosenberg oft «bolzengerade» verlaufen, so wie die Schlösslitreppe mit ihren 422 Stufen. Er weiss, dass die Treppen auf der Südseite der Stadt oft verwinkelter sind. Und er weiss, wie die längsten 20 Treppen der Stadt aussehen, also jene mit mehr als 200 Stufen. Er hat sie alle fotografiert.

Fit ohne Materialschlacht

Am Anfang stand bei seinem «Stägestadt»-Projekt die Bewegungsförderung im Vordergrund. Das hat mit Fusts Beruf zu tun: Der ehemalige Sekundarlehrer bietet heute Weiterbildungen für Lehrpersonen an. «Bewegung in die Schule!» heisst seine Firma: Fust probiert mit den Teilnehmern Bewegungsspiele und -übungen aus, die sich mit wenig Material in den Schulalltag einbauen lassen. «Möglichst einfach, nicht mit hundert Trainingsgeräten im Klassenzimmer», sagt er.

Ähnlich betrachtet er auch die Treppen: als Trainingsgeräte, als Tummelplatz, als einfache Möglichkeit für jedermann, in Bewegung zu kommen. Aus seiner Sicht ist es sinnvoller, Bewegung in den Alltag zu integrieren, als dass man sich am Feierabend noch in einem Fitnesscenter quält. Doch die «Stägestadt» soll mehr sein als nur ein Vitaparcours mit Stufen. Fust möchte die Leute «dazu verführen», die Treppen zu benutzen. Und zwar nicht nur sportliche Gemüter, sondern möglichst alle.

Patrick Fust hat 1000 Ideen, um die Treppen verführerischer zu machen. Über Plaketten vor Ort liessen sich zum Beispiel historische Informationen zu den Treppen abrufen. Oder auch Gedichte und Kurzgeschichten, die vom Treppensteigen handeln. Denkbar wären spezielle Stadtführungen, vom tiefsten bis zum höchsten Treppenpunkt oder «Vom Glauben zum Wissen», also vom Dom über Treppenstufen hinauf zur Universität. Promis könnten ihre Lieblingstreppe vorstellen, Sportvereine könnten Treppenläufe veranstalten. Mit Wettbewerben könnte man die Bevölkerung einbinden. Denkbar wären auch kurze Treppeninterviews mit Passanten sowie Kulturanlässe, bei denen das Publikum auf den Stufen sitzt.

Die Stadt plante Ähnliches

An Ideen mangelt es also nicht, und auch bei der Stadtverwaltung stösst Patrick Fust mit seiner «Stägestadt» auf offene Ohren. «Wir begrüssen das Projekt sehr», sagt Marcel Thoma, Leiter des städtischen Sportamtes. Er bezeichnet die Treppen augenzwinkernd als «die billigsten Trainingsgeräte, die wir in der Stadt haben», und auch er findet, man könnte mehr aus ihnen machen. Vor ein paar Jahren sei im Budget des Sportamts ein ähnliches Projekt vorgesehen gewesen, allerdings habe das Stadtparlament den Posten in der Debatte wieder aus dem Budget gekippt. Deshalb begrüsst es der Sportamtsleiter, dass ein Privater wie Fust nun den Ball wieder aufnimmt.

Ein kleines Projekt, das wächst

Wie es mit dem Projekt «Stägestadt St. Gallen» weitergeht, ist laut Fust aber offen. Er hat sich beim Projektwettbewerb der St. Galler Kantonalbank beworben, kam aber nicht zum Zug. Jetzt ist er unschlüssig, ob er per Crowdfunding Geld sammeln soll. Er möchte gar nicht mit der grossen Kelle anrühren. «Am sympathischsten wäre mir ein Projekt, das mit den Leuten wächst, die sich beteiligen.» Kommerzielle Absichten habe er nicht, und er könne sich die «Stägestadt» auch als Liebhaberprojekt vorstellen: als Blog, wo er immer wieder Ideen und Fotos hochlädt. Wie zum Beispiel vom Fluhweg in St. Georgen.

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