Die Titanic aus Karton

RORSCHACH. Eine ruhige Hand und viel Geduld: Der Rorschacher Werner Seiler baut aus Karton Modelle aller Art – vom Bohrturm bis zur Dresdner Frauenkirche. Ab Freitag zeigt das Museum im Kornhaus eine Sonderausstellung zu diesem Hobby.

Andrea Sterchi
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Aus 600 Teilen besteht der detailgetreue Bohrturm. Ganz neu auf dem Markt ist der Bastelbogen für die «Hohentwiel». Werner Seiler hat sie wohl als einer der ersten diesseits des Bodensees gebaut. Ein Klassiker im Modellbau ist die «Titanic» (hinten) oder die Dresdner Frauenkirche. (Bild: Andrea Sterchi)

Aus 600 Teilen besteht der detailgetreue Bohrturm. Ganz neu auf dem Markt ist der Bastelbogen für die «Hohentwiel». Werner Seiler hat sie wohl als einer der ersten diesseits des Bodensees gebaut. Ein Klassiker im Modellbau ist die «Titanic» (hinten) oder die Dresdner Frauenkirche. (Bild: Andrea Sterchi)

Über 600 Teile hat Werner Seiler ausgeschnitten und in 385 Stunden zu einem Bohrturm zusammengesetzt. Erst bei genauerer Betrachtung fällt die Detailgenauigkeit des Modells auf, selbst ein Helikopter steht auf dem Landeplatz. Da dauerte der Bau der über einen Meter langen Titanic deutlich weniger lang: 99 Stunden brauchte Werner Seiler für den Ozeanriesen. Er war das erste Modell dieser Art aus Karton, das der Rorschacher vor fast 25 Jahren gebaut hat. Seither hat er unzählige Schiffe, Flug- und Fahrzeuge, Häuser, Denkmäler und Bauwerke oder mobile Feuerdrachen und Autos zusammengebaut. Schon als kleiner Bub faszinierten ihn Modelle aller Art. «Ich wollte Modellbauer werden, aber diesen Beruf konnte man nicht lernen», erzählt er. Schliesslich wurde er Hochbauzeichner, in seiner Freizeit aber baute er Modelle aus Plastik.

Modelle aus Karton und Abfall

Viel Platz braucht Werner Seiler für den Bau seiner Kartonmodelle nicht. Dafür eine umso ruhigere Hand, viel Geduld und ein wenig technisches Verständnis. Auch seine Werkzeuge haben in einer kleinen Schachtel Platz: Eine grosse und eine kleine Schere, mehrere Cutter, eine Pinzette, ein Lineal, Filzschreiber und natürlich Leim. Werner Seiler nimmt einen Modellbogen zur Hand und beginnt, die Teile für einen Wagen der Grenzwacht auszuschneiden. «Damit die weisse Schnittkante später am Modell nicht auffällt, male ich sie mit einem Filzschreiber nach», verrät er einen Modellbauer-Trick. Weitere Tips gibt er in den nächsten Wochen im Museum im Kornhaus. Dieses widmet dem Kartonmodellbau bis Ende Saison eine Sonderausstellung. «Wir wollen das etwas in Vergessenheit geratene Hobby wieder ins Rampenlicht rücken und Familien näherbringen», sagt Hermann Fuhrimann, Präsident der Ortsbürgergemeinde, die das Museum betreibt. Ein Zeitvertreib, der alle Generationen anspreche.

In der Sonderausstellung «kreativ papier» ist aber nicht nur eine Auswahl von Werner Seilers Modellen zu sehen. Besucherinnen und Besucher können dem Modellbauer an verschiedenen Tagen über die Schulter schauen und sich selber im Modellbau versuchen. Beteiligt an der Sonderausstellung ist auch Dieter Rohrbacher aus Wangen im Allgäu. Er präsentiert Modelle, die er aus verschiedenen Abfallprodukten wie WC-Papier-Rollen oder Tetra Pak zusammensetzt. «Recycling-Basteln» nennt er das. Auf Wunsch bieten er und Werner Seiler Workshops an. Anmeldeformulare liegen im Museum auf.

Eine Nacht im Museum

Eröffnet wird «kreativ papier» diesen Freitag anlässlich der Museumsnacht. Dann bleiben die Türen bis 23 Uhr offen. Anwesend sind auch die Modellbauer. Die Sonderausstellung sei eine schöne Ergänzung zur ständigen Ausstellung. «Sie passt zu unserer Philosophie. Wir sind ein Erlebnismuseum, das auf Aktivitäten setzt», sagt Fuhrimann. Die Sonderausstellung ist aber nicht das einzige neue Element. Seit kurzem können sich die Besucher an einem Ausgrabungstisch selber als Archäologen versuchen und in Stein eingeschlossene Objekte freilegen – mit Hammer und Meissel. Oder sie gehen in der Dunkelkammer auf die Jagd. Ein Abenteuer für alle anderen Sinne.

Museumsnacht: Fr., 30. Aug., bis 23 Uhr. Tips vom Modellbauprofi: So, 1. Sept., Mi, 18. Sept., Sa, 28. Sept., jeweils 14 bis 17 Uhr; Do, 10. Okt., 10 bis 12 Uhr; Finissage, So, 27. Okt., 14 bis 17 Uhr.

Helikopter aus 20 Teilen. (Bild: ast)

Helikopter aus 20 Teilen. (Bild: ast)