Die Stimme des Vorderlandes

Seit 1. Mai wirkt Katja Breitenmoser als Geschäftsführerin des Vereins Appenzellerland über dem Bodensee in Heiden. Sie unterstützt gemeindeübergreifende Kooperationen. Das Stichwort Fusionen sei aktuell ein Tabuthema.

Roger Fuchs
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Katja Breitenmoser ist zu 40 Prozent als Geschäftsführerin beim Verein Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) angestellt. (Bild: rf)

Katja Breitenmoser ist zu 40 Prozent als Geschäftsführerin beim Verein Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) angestellt. (Bild: rf)

HEIDEN. Zu verschiedenen Themen mit verschiedenen Leuten Projekte entwickeln – für die Regionalentwicklerin Katja Breitenmoser bildet eine solche Ausgangslage ein grosser Reiz. Anfang Mai hat sie als neue Geschäftsführerin beim Verein Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) in Heiden ihre Arbeit aufgenommen. Einst zur Standortförderung initiiert, versteht sich AüB heute gemäss Breitenmoser als Stimme des Vorderlandes und des Innerrhoder Bezirks Oberegg. «Appenzellerland über dem Bodensee ist eine Schnittstelle, hier sollen Themen im Fokus stehen, die eine einzelne Gemeinde nicht aufgreifen würde.»

Austausch ermöglichen

Um ins Gespräch zu kommen, braucht es vor allem eines: «Orte der Begegnung», so die 39jährige Katja Breitenmoser. Noch sei sie diesbezüglich auf der Suche. Auf jeden Fall gäbe es in der AüB-Region viele engagierte Leute. Die Herausforderung sei es, diese miteinander ins Gespräch zu bringen. Um dem Ziel näherzukommen, startet der Verein in diesem Jahr ein neues Projekt – es ist das erste, für das die Leitung von Beginn weg bei der zu 40-Prozent angestellten Katja Breitenmoser liegt. An zwei Veranstaltungen im August und September will man Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik zusammenführen und darüber austauschen lassen, wie sich die AüB-Region entwickeln soll, was man mehr pflegen will und worauf man stolz ist. Dieses Projekt verdeutlicht denn auch gleich die eigentliche Aufgabe der Geschäftsführerin. Sie schafft Rahmenbedingungen, um einen Austausch und Kooperationen zu ermöglichen. Doch wollen die Menschen in der AüB-Region auch gemeinsam unterwegs sein? «Ja, das wollen sie», sagt Katja Breitenmoser. Man sei sich der kleinräumlichen Verhältnisse bewusst und sehe den Nutzen von Synergien ein.

Katja Breitenmoser lebt seit zwölf Jahren in Teufen. Sie ist Mutter zweier Kinder und hat einst an der Universität St. Gallen ein juristisches Studium abgeschlossen. Zudem verfügt sie über das Höhere Lehramt für Wirtschaft und über eine Ausbildung in Management von Prozessen in der Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung.

Arbeitsstellen im Bereich Regionalentwicklung gibt es in der Ostschweiz nicht viele. Entsprechend glücklich zeigt sich Breitenmoser, jene in Heiden innezuhaben, welche ihr angesichts der Prozentanstellung auch das Muttersein ermöglicht.

Nebst dem Organisieren von Projekten gehört die Mitarbeit in ständigen Arbeitsgruppen zu den Schwerpunkten der AüB-Geschäftsführerin. Eine dieser Arbeitsgruppen besteht aus den Gemeindepräsidien der Trägergemeinden. Sie treffen sich viermal im Jahr. In der Arbeitsgruppe würden derzeit Überlegungen angestellt, im Asylbereich zusammenzuarbeiten. Katja Breitenmoser übernimmt für diese Arbeitsgruppe ebenso die Koordination wie für die Fachgruppe Energie. Aus dieser Gruppe heraus ist in jüngerer Zeit die Energieregion AüB entstanden. «Diese befindet sich nun im Prozess der Zertifizierung», sagt Katja Breitenmoser. Ferner beschäftigt sie sich im Moment mit der Organisation des Berufserkundungstages, der am 21. September zum zweitenmal durchgeführt wird. Zum einen könnten sich dabei Betriebe präsentieren, zum anderen soll dieser Tag dazu beitragen, Jugendliche in der Region zu halten.

Tabuthema Fusionen

Das Stichwort Fusionen, so Katja Breitenmoser, sei aktuell ein Tabuthema. «Appenzellerland über dem Bodensee hat auch nicht das Ziel, solche zu forcieren.» Persönlich wertet sie die Dörfer als zentralen Identifikationspunkt für die Bevölkerung. Fusionen müssten sehr differenziert betrachtet werden.